Hidroituango in Kolumbien, oft auch als Ituango-Talsperre bezeichnet.
Hidroituango in Kolumbien, oft auch als Ituango-Talsperre bezeichnet.Quelle: Svenswikipedia - Trabajo propio, über Wikipedia
Unternehmen & Management

NGO bläst zum Angriff gegen die Munich Re 

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Umweltorganisation Urgewald zieht gegen die Munich Re in den Kampf. Auf der heutigen Hauptversammlung des Rückversicherers wollen Vertreter der NGOs zusammen mit anderen Vereinigungen den Rückversicherern mit den "Folgen ihres Geschäftes" konfrontieren. Die Münchener sollten gewarnt sein, Urgewald ist versicherungskampferprobt.  

Zuletzt hatte die NGO die Hannover Re für ihr Kohlegeschäft kritisiert und den gesamten Hauptsitz des Unternehmens zuplakatiert. Die Aktion hatte Erfolg, das Unternehmen änderte seine Kohlepolitik direkt im Anschluss. Jetzt richtet sich der Blick der Umweltschützer auf München. Im Mittelpunkt steht das Staudammprojekt Hidroituango in Kolumbien, oft auch als Ituango-Talsperre bezeichnet.



Trotz Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsgruppen hatte der Konzern einen Teil der Rückversicherung für den Staudamm Hidroituango im Norden Kolumbiens übernommen. Gegen Ende April 2018 kam es zu einem Unglück beim Projekt, eine riesige, unkontrollierte Flutwelle entstand. Infrastruktur und Dörfer wurden zerstört 100.000 Menschen mussten evakuiert werden. Die Munich Re sprang als Versicherer im dreistelligen Millionenbereich ein. Doch das Unternehmen habe insgesamt zu wenig getan, kritisiert Urgewald.



"Es gibt bis heute Menschen, die notdürftig in Hallen untergebracht sind und keine Entschädigungen erhalten haben. Neue Bauten für die Betroffenen haben teilweise Mängel oder wurden nicht fertiggestellt", kritisiert Alejandro Pacheco vom Ökumenischen Büro für Frieden und Gerechtigkeit in München. "Als Konzern, der sich den Global-Compact-Prinzipien der Vereinten Nationen angeschlossen hat, sollte sich Munich Re für zügige Entschädigungen einsetzen. In Zukunft sollte der Konzern keine Großstaudämme mehr rückversichern."



Christian Russau vom Dachverband Kritischer Aktionärinnen ergänzt: "Munich Re hätte es einmal wieder besser wissen können. Wir haben zusammen mit kolumbianischen Aktivisten seit Jahren vor den Folgen des Projekts Hidroituango gewarnt. Der Konzern sollte den Großschaden zum Anlass nehmen, um sein ESG-Management deutlich zu schärfen."

 

Mangelhafter Klimaschutz?

 

Ein weiterer Kritikpunkt ist mangelnde Einsatzbereitschaft. "Auch beim Klimaschutz könnte Munich Re im Vergleich mit Konkurrent Swiss Re aus der Schweiz noch viel mehr tun als heute". Anfang August 2018 hätte Konzernchef Joachim Wenning mehr Umweltschutz und weniger Versicherung von Kohleunternehmen versprochen.  



"Wir haben uns gefreut, dass der Konzern den Klimaschutz ins Kerngeschäft geholt hat. Leider bleiben Schlupflöcher", kritisiert Regine Richter, Energie-Campaignerin bei Urgewald. Der Konzern schließe lediglich die Absicherung von Einzelprojekten wie Kohlekraftwerken oder –minen aus. Fossile Unternehmen können nach wie vor ganze Pakete von Erstversicherungen rückversichern lassen – auch wenn sich darin beispielsweise Kohlekraftwerke oder Erdölprojekte befinden, bemängeln die Umweltschützer.  "Uns läuft beim Klimaschutz die Zeit davon. Munich Re könnte sehr helfen, indem sie hier konsequenter wird und ihre Richtlinie ausweitet", erklärt Richter.

 

Die Umweltschützer haben auf jeden Fall schon einmal Gehör gefunden. Der Rückversicherer schreibt auf Anfrage: "Die von Urgewald eingereichten Gegenanträge zu unserer Hauptversammlung werden morgen auf der Hauptversammlung diskutiert und vom Vorstand beantwortet. Ich muss Sie bitten, sich bis dahin zu gedulden." VWheute wird vor Ort sein und berichten.

Urgewald · Munich Re · Kolumbien · Hauptversammlung
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