Werbung der Huk zum eigenen Telematiktarif
Werbung der Huk zum eigenen TelematiktarifQuelle: Twitter Huk-Coburg
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Kritik an Geheimniskrämerei der Huk bei Telematiktarif

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Deutschlands größter Kfz-Versicherer muss sich Vorwürfe von Datenschützern gefallen lassen. Das Unternehmen verschweige mit Hinweis auf die "unternehmerische Freiheit" wichtige Details zum Telematik-Tarif, das sei "völlig deplatziert".

Bei einem Telematiktarif werden die Fahrdaten des Steuernden aufgezeichnet, wird vorsichtig gelenkt, fällt der Beitrag der Kfz-Versicherung. Das Problem ist, die Huk-Coburg mag nicht verraten, welche Daten wie bewertet werden, wie netzpolitik.org herausgearbeitet hat.

 

Der Versicherer wirbt mit dem Slogan "Wer besser fährt, spart bares Geld". Bei der Argumentation, was "besser" bedeutet, geriert das Unternehmen auf Twitter allerdings in Erklärungsnot. Zunächst schrieb das Unternehmen:

Huk zum eigenen Telematiktarif
Huk zum eigenen TelematiktarifQuelle: Huk-Twitter

Als eine Nachfrage nach den verwendeten Modellen aufkam, erklärte der Versicherer: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine detaillierte Auskunft geben können, welche Kriterien wie gewertet werden. Die Berechnung unterliegt der unternehmerischen Freiheit."

 

Auf eine weitere Nachfrage eines Nutzers veröffentlichte das Unternehmen immerhin einige Parameter: "Es werden folgende Kriterien berücksichtigt: - Geschwindigkeit / Geschwindigkeitsüberschreitungen - Beschleunigen, Bremsen, Lenken - Zeit und Ort einer Fahrt - Fahrten, bei denen der Fahrer das Smartphone nutzt."

 

Es ist schön, dass der Versicherer einige Eckpunkte nennt und es muss angemerkt werden, dass auch andere Versicherer sich nicht gerade dabei überschlagen, ihre Telematik-Formel gegenüber den Kunden zu erläutern. Dennoch bleiben Fragen, nicht nur bei den Twitter-Nutzern.

 

Der Datenforscher Wolfie Christl kritisiert die Huk gegenüber netzpolitik.org: "Wenn ökonomisch relevante Entscheidungen über Menschen auf Basis von detaillierten Daten über Alltagsverhalten getroffen werden, ist das mehr als heikel. Größtmögliche Transparenz ist hier die absolute Minimalforderung." Der Verweis des Versicherers auf "geschäftspolitische Gründe" oder "unternehmerische Freiheit" sei völlig deplatziert.

 

Der Punkt Christls ist valide. Stellen sie sich vor sie eröffnen ein Bankkonto und das Institut ermöglicht ihnen einen Rabatt auf die Kontogebühren bei besserem Kundenverhalten, erklärt allerdings nicht, anhand welcher Kriterien das "besser" gemessen wird.

 

Auf Anfrage schreibt der Versicherer: "Die Kriterien, die wir für eine Fahrwertberechnung heranziehen, kommunizieren wir klar in unseren Bedingungen. Hier schaffen wir viel Transparenz über die wesentlichen Komponenten der Fahrwertberechnung, wie etwa Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsen und Lenken. Die Ergebnisse stellen wir für jeden Kunden und für jede wesentliche Komponente übersichtlich in unserer App dar. Hier sind sogar für jede einzelne Fahrt die wesentlichen Ergebnisse auf einer Karte dargestellt. Den gesamten Algorithmus können wir ebenso wenig offenlegen wie die sonstige versicherungstechnische Kalkulation. Hierfür bitten wir um Verständnis."

Mehr zur Kalkulation finden Sie  HIER.