Friedemann Lucius, Roland Weber, Guido Bader, Wilhelm Schneemeier
Friedemann Lucius, Roland Weber, Guido Bader, Wilhelm SchneemeierQuelle: lie
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Aktuare unterstützen säulenübergreifende Renteninformation

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) unterstützt den Vorstoß der Bundesregierung zur Einführung einer säulenübergreifenden Renteninformation. "Die Menschen haben kein gutes Zahlengefühl, was ihre Versorgung im Alter anbelangt. Wir Aktuare müssen ihnen das jetzt vermitteln. Denn mit der Drei-Generationen-Vertrag wird so nicht weitergehen. Es gibt keine Studien, die da irgendwie Hoffnung macht" sagte Guido Bader, den die berufsständische Organisation am Donnerstagnachmittag zu ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden wählte, vor der Presse.

Innerhalb der DAV wird es für die säulenübergreifende Renteninformation eine Arbeitsgruppe geben. Die Aktuare würden ihr Fachwissen und ihre langjährige Expertise im Umgang mit großen, sensiblen Datenmengen in den Aufbau der Renteninformation einbringen, um praktikable Lösungsansätze zu entwickeln und dem Wunsch der Deutschen nach Planbarkeit Rechnung zu tragen, wurde mitgeteilt.

 

"Die säulenübergreifende Renteninformation ist natürlich nur ein Einstieg in die ganze Thematik", so Bader. Innerhalb der nächsten zwei Jahre ließen sich nicht alle Formen der Altersvorsorge per Knopfdruck für jeden Anwärter darstellen, aber in der ersten Phase lasse sich sicherlich schon klären, wer wo Ansprüche habe. Dies sei nach mehreren Arbeitgeberwechseln häufig ein Problem.

 

Die Aktuare fordern die Politik, die dauerhafte Stabilität der umlagefinanzierten Rente in den Mittelpunkt der Rentenpolitik zu stellen und den Versicherungscharakter der wichtigsten Säule des Alterssicherungssystems unbedingt zu erhalten. Es müssten alle Stellschrauben nachjustiert und analysiert werden, wozu neben dem Beitragssatz, dem Rentenniveau oder dem Renteneintrittsalter auch die Anzahl von erwerbsfähigen Zuwanderern und das Lohnwachstum gehörten, sagte Roland Weber, der bisherige DAV-Vorsitzende. Wichtig sei, dass der Prognosezeitraum bis 2060 verlängert werde. "Erst dann schlägt die Demografie zu – bis 2030 sieht noch viel gut aus", so Bader. Danach erreichen die sogenannten Baby-Boomer das Renteneintrittsalter.

 

Die Aktuare plädieren zudem für mehr betriebliche und private Altersvorsorge. Allgemein werde die Lebenserwartung sowie die Versorgungslücke im Alter unterschätzt. Im Hinblick auf die Niedrigzins-Phase sprechen sich die Aktuare gegen Produkte mit vollständiger Beitragsgarantie aus. "80 bis 90 Prozent Garantie sind aktuariell bei einem Zins von Null bis 0,9 Prozent darstellbar", so Bader. Moderne Produkte wie Indexpolicen oder Neue Klassik erlaubten dann chancenorientierte Komponenten kollektiv beizumischen.

 

Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung, berichtete, dass die Gewerkschaften beim Sozialpartner-Modell große Vorbehalte hätten, weil es keine garantierten Renten gebe. "Dabei kann nach menschlichem Ermessen keine Null bei der Zielrente herauskommen. Wenn sich dies entstellte, hätte die Wirtschaft andere Sorgen." Als Kollektivmodell sei die Zielrente erfolgversprechender als wenn jeder einzelne selbst vorsorge. Die aktuell hohen Tarifabschlüsse böten "tolle Hebel, um Lücken zu schließen".

Deutsche Aktuarsvereinigung · Aktuare
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