Wer hat wie viel in der Lohntüte?
Wer hat wie viel in der Lohntüte?Quelle: Siegfried Fries / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Deutliche Einkommensungleichheit in Deutschland

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wie ist es um die Lohngleichheit in Deutschland bestellt? Glaubt man einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur Einkommenssituation in den 401 deutschen Landkreisen, kann von "gleichen Lebensverhältnissen" in der Bundesrepublik kaum die Rede sein. Dabei verdienen Angestellte in der Versicherungsbranche noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

So haben die WSI-Experten für ihre Untersuchung die neuesten verfügbaren Einkommens-Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet. Im deutschen Durchschnitt, zu dem vorläufige Daten für das Jahr 2018 vorliegen, beträgt das verfügbare Einkommen pro Person 23.295 Euro, heißt es in der Analyse. Nach Abzug der Preissteigerung seien die verfügbaren Einkommen zwischen 2000 und 2018 im deutschen Durchschnitt um immerhin 12,3 Prozent gewachsen. In Ostdeutschland waren die realen Zuwächse mit 13,9 Prozent zwischen 2000 und 2016 etwas höher als im Westen - bei deutlich niedrigerem Ausgangsniveau, so die Stiftung weiter.

 

Den bundesweit stärksten Anstieg gab es laut Untersuchung in Heilbronn, wo das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen seit der Jahrtausendwende real um 43 Prozent gewachsen ist. Mit 32.366 Euro im Jahr liegt die württembergische Stadt somit bundesweit an zweiter Stelle. Allerdings dürften das hohe Durchschnittseinkommen und die kräftige Steigerung seit der Jahrtausendwende auch damit zu tun haben, dass in Heilbronn nach Aussage der Experten mit seinen etwa 125.000 Einwohnern mehrere sehr reiche Personen gemeldet sind - darunter der Milliardär Dieter Schwarz, dem der Handelskonzern Lidl gehört.

 

Zusammen mit dem Kreis Starnberg und dem Hochtaunuskreis (31.612 Euro) zählt Heilbronn daher zu den drei deutschen Gebietskörperschaften, in denen das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen höher ist als im reichsten EU-Land Luxemburg (30.600 Euro). In den Regionen mit dem niedrigsten Durchschnitt - neben Gelsenkirchen etwa die Stadt Duisburg (16.881 Euro), Halle an der Saale (17.218 Euro), der Landkreis Vorpommern-Greifswald (17.303 Euro) sowie Frankfurt an der Oder (17.381 Euro) - ist das Einkommensniveau hingegen vergleichbar mit dem landesweiten Durchschnitt in Italien oder den Einkommen auf Korsika, stellen die Analysten der Hans-Böckler-Stiftung fest.

Einkommensunterschiede in den 15 größten deutschen Städten
Einkommensunterschiede in den 15 größten deutschen StädtenQuelle: Statista

Dabei gehören die Beschäftigten in der Versicherungsbranche noch immer zu den Spitzenverdienern in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben die männlichen Vollzeitbeschäftigten in der Versicherungsbranche im vergangenen Jahr ein Durchschnittsgehalt von 4.075 Euro bezogen. Dies entspricht einem Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Frauen konnten sich im Vergleich zu 2017 immerhin über ein Gehaltsplus von 3,1 Prozent auf 3.432 Euro freuen. Rechnet man die Sonderzahlungen hinzu, kamen Männer 2018 im Durchschnitt auf 4.524 Euro (plus 3,0 Prozent) und Frauen auf 4.287 Euro (plus 3,1 Prozent). Zum Vergleich: Bei den Sozialversicherern liegt das monatliche Bruttomonatsgehalt 2018 bei 4.562 Euro. Frauen haben im Schnitt 4.262 Euro verdient. Damit liegt die Branche beim Thema "gleiche Entlohnung" derzeit im bundesweiten Trend. So verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Daraus ergeben sich umgerechnet genau 77 Tage, an denen sie quasi kein Gehalt bekommen.

 

Blickt man auf die Durchschnittsgehälter der Versicherungsmanager, gehört Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte eindeutig zu den Spitzenverdienern unter den 30 Dax-Konzernen. Mit einem Jahresgehalt von 10,33 Mio. Euro liegt der Versicherungsmanager damit auf Platz zwei hinter Stefan Heidenrich von Beiersdorf (23,45 Mio. Euro) und noch vor SAP-Chef Bill McDermott mit gerade einmal 9,97 Mio. Euro. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich Bätes Bezüge damit mit einem Plus von 4,98 Mio. Euro praktisch verdoppelt.  Zum Vergleich: Joachim Wenning, Vorstandsvorsitzender der Munich Re, liegt mit einem Jahresgehalt von 3,629 Mio. Euro lediglich auf Platz 20. Insgesamt lag das Durchschnittsgehalt eines Dax-CEO's im vergangenen Jahr bei 7,5 Mio. Euro (2017: 7,3 Mio. Euro). Dies entspricht einem Plus von 3,6 Prozent, konstatiert die Unternehmensberatung hkp/// group.

Durchschnittliche Jahresgehälter von Fach- und Hührungskräften in Deutschland 2018
Durchschnittliche Jahresgehälter von Fach- und Hührungskräften in Deutschland 2018Quelle: Statista

Glaubt man dem jüngsten Stepstone Gehaltsreport 2019, liegen die Versicherer mit einem Bruttodurchschnittsgehalt inklusiver variabler Bezüge von 71.626 Euro auf  Platz vier der bestbezahlten Branchen in Deutschland. Spitzenreiter sind demnach die Banken (75.585 Euro) vor der Chemie- und Erdölverarbeitenden Industrie (72.048 Euro) und den Finanzdienstleistern (72.015 Euro). Das Durchschnittsgehalt von Fach- und Führungskräften in Deutschland liegt 2019 bei rund 58.100 Euro. Führungskräfte erhalten im Schnitt 67.900 Euro und Fachkräfte ohne Personalverantwortung 51.200 Euro. Im Bundesländervergleich liegt dabei Hessen mit rund 63.300 Euro an der Spitze, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Die niedrigsten Einkommen gibt es hingegen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

 

Ungeachtet dessen ist die Zahl der Beschäftigten in der Versicherungsbranche weiterhin rückläufig. Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes AGV ist die Gesamtzahl der Angestellten in 2018 um 1,4 Prozent auf 201.900 Beschäftigte gesunken. Darüber hinaus ist die Fehlzeitenquote im Innendienst mit 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (Vorjahr 6,3 Prozent). Durchschnittlich waren die Mitarbeiter demnach an 15,9 Tagen krank. Männer fehlten krankheitsbedingt an 13,0 Tagen, Frauen an 18,8 Tagen.

Einkommen · Gehälter
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