Rückstellungen in der PKV - wem gehören sie?
Rückstellungen in der PKV - wem gehören sie?Quelle: Thorben Wengert / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

Herøy fordert Mitnahmegarantie für PKV-Altersrückstellungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
PKV-Unternehmen sollten Kunden die Mitnahme der Altersrückstellungen ermöglichen. Das fordert Hans Olav Herøy, Vorstandsmitglied der Huk-Coburg. Er bringt damit (erneut) Leben in eine fast vergessene Debatte. Ein Anbieter ist dem Vorschlag allerdings bereits zuvorgekommen.

Mit seiner Anregung gegenüber der SZ stellt sich Herøy auf die Seite von Politik und Verbraucherschützern, die eine Mitnahme der Altersrückstellungen bereits seit langem fordern. In der Branche wird er sich damit eher weniger beliebt machen. Die Versicherer verteidigen die 247 Mrd. Euro Beitragsrückstellungen eisern.

 

Der Grund für die Bärbeißigkeit vieler Versicherer ist einfach zu erklären. Die Rückstellungen binden die Kunden faktisch an den Versicherer, für den er sich Jahre zuvor entschieden hat. Ein Prozentsatz des Kundenbeitrags wird für das Alter zurückgelegt, um die dann steigenden Gesundheitskosten auszugleichen. Der Versicherte baut somit in jungen Jahren eine Reserve auf, die im Alter abgeschmolzen wird.

 

Die Branche argumentiert, dass die Mitnahme der Rückstellungen existenzielle Probleme für die Unternehmen und Kunden schaffen würde. Besonders die schwächsten Mitglieder hätten unter einer solchen Regelung zu leiden, lautete die Argumentation des PKV-Verbandes im Jahr 2017: "Die Portabilität von Alterungsrückstellungen in der PKV, hätte extrem unsolidarische Auswirkungen ausgerechnet zu Lasten der älteren und kränkeren Versicherten", schrieb der Verband damals. Jeder Wechsel führe zu einer Verschlechterung der Risikomischung. Das bisherige System sei deswegen ein sicherheitsförderndes Instrument.

 

Das Thema ist nicht neu und wird PKV-intern durchaus diskutiert. Gerüchteweise kann sich die Branche als Gesamtes vorstellen, zumindest eine Mitnahme für Neutarife einzuführen.

Es ist fraglich, ob die genannten Einwände die Kritiker überzeugen werden, denn das bisherige System bindet viele Versicherte. Will einer der 8,75 Millionen Vollversicherten nach Jahren den Anbieter wechseln, ist das kaum ohne höheren Beitrag möglich. Bei einem Wechsel verbleiben die Altersrückstellungen überwiegend beim Unternehmen und dem Kollektiv der Versicherten. Seit 2009 können Kunden immerhin die Rückstellungen in der Höhe des Basistarifes mitnehmen.

 

Altersrückstellung gehört dem Kunden

 

Um diesem Problem entgegenzutreten, empfiehlt der Huk-Vorstand der Branche "rasch ein tragfähiges Modell zur Mitnahme der Rückstellungen zu entwickeln". Nach seiner Ansicht muss ein Versicherter wechseln können, "wenn er unzufrieden ist". Das Erstellen eines solchen Modells wäre "versicherungsmathematisch möglich", dürfe aber weder Kollektiv noch Unternehmen schädigen.

 

Ottonova zeigt, dass ein solches Modell keine Utopie, sondern gelebte Realität ist. Der Digital-Krankenversicherer offeriert eine Zufriedenheits-Garantie, bei der die Kunden unter anderem ihre Altersrückstellung vollständig mitnehmen können. Das Angebot besitzt Gültigkeit, wenn Versicherte ordentlich zum Ablauf der Mindestvertragslaufzeit kündigen. Die Huk wollte sich auf Nachfrage nicht äußern, ob das Unternehmen eine ähnliche Regelung wie Ottonova plant.

 

Dessen Chef Roman Rittweger begründet den kundenfreundlichen Schritt damit, die Eintrittsbarriere in die PKV senken zu wollen. Das ist keine schlechte Idee, den die PKV-Vollversicherung schrumpft seit Jahren.

Vollversicherte in der PKV
Vollversicherte in der PKVQuelle: Statista

Zuletzt haben mehrere Bundesländer ihren Versicherten den Weg in die GKV erleichtert, was der PKV das wichtige Beihilfegeschäft erschwert.

 

Ganz ohne Hintergedanken ist der verbraucherfreundliche Vorschlag des Huk-Vorstandes wohl nicht. Zuletzt hat der Gesetzgeber die Hürden für einen PKV-Eintritt angehoben, vermutlich will Herøy den Gesetzgeber mit einem Entgegenkommen im Bereich Altersrückstellungen milde stimmen und weiteren PKV-Barrieren vorab Einhalt gebieten.

PKV · PKV-Verband · Huk-Coburg · Hans Olav Herøy · Altersrückstellungen
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