Stephen Voss
Stephen VossQuelle: Neodigital
Unternehmen & Management

Ein Jahr Neodigital: "Turbulent, anstrengend, sehr befriedigend"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Neodigital feiert sein einjähriges Bestehen. Was wurde erreicht? Und was sind die weiteren Ziele. VWheute hat exklusiv mit Stephen Voss, Vorstand und Mitbegründer von  Neodigital, eine erste Bilanz gezogen - und einen Ausblick in die Zukunft gewagt.

Ein Jahr Neodigital – ihr Fazit?

Turbulent, anstrengend, sehr befriedigend. Es funktioniert.

Was hat sie im ersten Jahr überrascht, was haben sie sich einfacher, was schwieriger vorgestellt?

Überrascht hat uns der Jahreswechsel 2018/2019, hier haben wir, wohl auch aufgrund unserer Tarifoptimierungen, nochmal deutlich in Kundenzahlen zulegen können. Schwierig war sicherlich der sehr schöne und sehr warme Sommer, hier waren zu Beginn unsere Verkaufszahlen überschaubar. Einfacher als gedacht war die Erreichung einer großen Vertriebsbreite im Markt. Hier hat unser Service- und auch der Technologie Stack überzeugt.

Werden wir konkret, wie viele Kunden konnten sie in diesem Jahr gewinnen, wie viele sollen es am Ende 2019 sein und wann soll ihr Geschäft Gewinne abwerfen?

Wir haben die 30.000 Kunden bereits deutlich überschritten, nahe an die sechs Stellen zu kommen wäre sehr schön.

Nach einem Jahr, wo sehen sie die Position von Neodigital am Markt, wo sehen sie ihre Position unter den Insurtechs?

Der Markt ist nach wie vor sehr groß, von daher sind wir eine relevante digitale Alternative für Versicherungsprodukte im Preis-/Leistungssegment. Innerhalb der Insurtech Szene besetzen wir sicherlich eine besondere Stelle, wir sind eine der ganz wenigen "Full Stacks" also ein Bafin-lizensierter Sachversicherer, der die komplette Wertschöpfungskette in der Versicherung abbildet und nicht nur einen Ausschnitt oder Service.

Sie setzen viel auf Kooperationen - u.a. DEMV, Fondsnet, Blau direkt - was versprechen Sie sich davon?

Das ist unsere Vertriebsform, wir unterstützen die freien Vermittler, dazu zählen auch die großen Kundenplattformen, mit unseren einfachen administrativen Abläufen und äußerst wettbewerbsfähigen Produkten. Wir stimmen uns genau auf deren technologische Schnittstellen ab. Darum sind wir auch so schnell. Diese Partner sind dabei oder werden sich noch weitaus digitaler und effizienter aufstellen. Dazu brauchen sie Produktgeber die dieses Tempo, diese Geschwindigkeit mitgehen und weiterentwickeln können.

Viele glauben, dass Lösungen wie Google Home oder Alexa künftig den Versicherungsmarkt dominieren werden, ihre Meinung?

Wir sehen das als Trend, das Wort "dominieren" kommt uns dabei aber noch nicht über die Lippen. Hierzu fehlen immer noch einheitliche Standards, die Systemlandschaft im Bereich Smart Home ist noch zu heterogen. Aber richtig ist: Das ist ein Weg, den man auf dem Radar haben muss, wir haben uns im Design unserer Technologie darauf bereits eingestellt.

Sie sagten gegenüber VWheute, dass Sie mit einer "zweiten Digitalisierungswelle etwa Anfang der 2020er" rechnen. Was bedeutet das für die Branche und für ihr Unternehmen?

Was damit gemeint war, ist dass die meisten der großen Versicherer ihre digitalen Transformationsprojekte zu diesem Zeitpunkt erstmal in die Umsetzung bringen werden. Für den Markt und den Kunden bedeutet das insgesamt ein Zugewinn an Transparenz und auch Services, den wir sehr begrüßen. Da wir uns ständig weiterentwickeln bedeutet diese zweite Welle, dass unser Weg der richtige ist und sich durchsetzt.

Auf der Global Insurtech Roadshow war ein Thema, dass andere Versicherungsmärkte, bspw. Korea oder China, technisch viel weiter wären als der Hiesige. Wie erklären Sie sich das oder sind sie anderer Meinung?

Diese Märkte sind in der Nutzung der digitalen Kanäle, vor allem dem Smartphone, deutlich weiter und kulturell gibt es weniger Berührungsängste, Versicherungen digital via Smartphone abzuschließen. Wir denken, dass auch Deutschland diese Veränderung im Kundenverhalten durchlaufen wird, aber auch, dass Beratung ein Teil der Versicherungskultur bleibt. Man muss sich also auf beides einrichten. Und "Beratung" und "Digital" geht gut zusammen.

Deutschlands Bürger scheinen neuer Technik gegenüber zögerlich zu sein, beispielsweise mobiles Bezahlen und Abschluss von Versicherungen übers Smartphone wie auch Sprachdienst-Systeme. Wie beeinflusst das ihrer Arbeit als Digitalversicherer, gegen den Kunden kann nicht digitalisiert werden – oder doch?

Das ist ein kulturelles Thema, z.B. sind die Italiener auch weiter in der Nutzung digitaler Abschlussstrecken. Es beeinflusst uns insoweit, dass wir trotz aller digitalen Kommunikation den persönlichen Kundenkontakt wertschätzen, nicht umsonst bieten wir einen 24/7 Telefonservice. Der Kunde muss auf diesem Weg mitgenommen werden. Und er verändert sich - seit der Einführung des ersten I-Phones vor elf Jahren hat der Kunde sein Verhalten auf die neuen Möglichkeiten angepasst und setzt ständig neue Impulse und treibt Entwicklungen voran. Daran muss sich die eigene Entwicklung ausrichten.

Bisher ist es den digitalen Angeboten noch nicht gelungen, den Vertriebler zu verdrängen, auch nicht in beratungsarmen Bereichen wie Haftpflicht oder Hausrat. Kommt das noch und wann?

Das wird der Kunde entscheiden, ob er für den Abschluss einer Hausratversicherung den Berater noch braucht. Wir glauben aber daran, dass die Beratung auch in Zukunft eine Rolle spielen wird, und das digitale Hilfsmittel auch in der Beratung helfen werden. Eine Hausratversicherung muss ja heute nicht mehr zwingend am Küchentisch beraten werden, das geht sehr gut und sehr angenehm für beide Seiten, Vermittler und Kunden, auch online. Die Technologie unterstützt hier stark für effizientere Abläufe.

Was planen Sie für 2019, was sind ihre Ziele und was fürchten Sie?

Wir sehen zuversichtlich in die Zukunft, wir haben eine große Marktbreite erreicht, kontinuierlichen Kundenzuwachs und die gesamte Prozess- und Produkt-Technik läuft so wie sie soll und - das ist uns besonders wichtig - entwickelt sich fortwährend weiter. Fürchten darf man sich nur vor der eigenen Stagnation im Denken, aber dafür sind wir als Team nicht angetreten. Wir stehen für nachhaltige Veränderung.
Neodigital · Stephen Voss
Auch interessant
Zurück
21.06.2019VWheute
Insur­techs: Neodi­gital-Chef Voss fordert Ende der "Graben­kämpfe" Konkurrenten oder Partner? Diese Frage über das Verhältnis zwischen klassischen …
Insur­techs: Neodi­gital-Chef Voss fordert Ende der "Graben­kämpfe"
Konkurrenten oder Partner? Diese Frage über das Verhältnis zwischen klassischen Versicherungsplayern und den aufstrebenden Insurtechs scheint wohl immer noch nicht endgültig geklärt zu sein. Für …
18.06.2019VWheute
Neodi­gital kann Vertrags­daten über die BiPRO-Box voll­ständig auslie­fern Es ist ein Erfolg von Zusammenarbeit. "Als erster Versicherer überhaupt" …
Neodi­gital kann Vertrags­daten über die BiPRO-Box voll­ständig auslie­fern
Es ist ein Erfolg von Zusammenarbeit. "Als erster Versicherer überhaupt" kann Neodigital innerhalb der BiPRO-Box den TAA-Prozess (Tarifierung - Angebot - Antrag) vollumfänglich darstellen. Möglich wird …
14.06.2019VWheute
Versi­che­rungs­pro­dukte der Woche – KW 24 Der Sommer ist noch ein wenig wackelig auf den sommerlichen Beinen. Stabiler sind die Versicherer, die …
Versi­che­rungs­pro­dukte der Woche – KW 24
Der Sommer ist noch ein wenig wackelig auf den sommerlichen Beinen. Stabiler sind die Versicherer, die auch in der 24. Kalenderwoche wieder fleißig Produkte auf den Markt bringen. Diesmal mit einer komplett neuen Absicherung für …
26.03.2019VWheute
Neodi­gital und Makler­ver­bund DEMV auto­ma­ti­sieren gemeinsam Die Neodigital Versicherung AG und der Deutsche Maklerverbund (DEMV) kooperieren. Das…
Neodi­gital und Makler­ver­bund DEMV auto­ma­ti­sieren gemeinsam
Die Neodigital Versicherung AG und der Deutsche Maklerverbund (DEMV) kooperieren. Das Ziel ist es, die die Automatisierung von Versicherungsprozessen für Makler "weiter voranzutreiben".
Weiter