Innenraum von Notre-Dame nach dem Brand am Montagabend
Innenraum von Notre-Dame nach dem Brand am MontagabendQuelle: dpa
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Axa versichert zwei Renovierungsfirmen von Notre-Dame

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame wird nun nach der Ursache gesucht. Offen scheint dabei auch die Frage zu sein, welche Kosten nun auf den französischen Versicherer Axa zukommen. Der springende Punkt: Axa France deckt für die beiden an den Renovierungsarbeiten beteiligten Unternehmen Europe Echafaudage und Le Bras Frères die zivilrechtliche Haftung ab. Darüber hinaus hat Axa Art bestimmte Artefakte und Zeremonienobjekte in der Notre-Dame versichert.

Dabei kooperiere man umfassend mit den staatlichen Ermittlern, teilte eine Sprecherin des Versicherers gegenüber VWheute mit. Allerdings wollte die Axa noch keine Schätzung darüber abgeben, welche konkreten Kosten auf das Unternehmen zukommen. Allerdings kündigte die Axa bereits an, selbst zehn Mio. Euro für den Wiederaufbau der schwer beschädigten Kathedrale spenden zu wollen. Allerdings dürften die vereinbarten Versicherungssummen nicht sonderlich hoch sein. Schätzungen zufolge dürften diese bei rund zehn Mio. Euro liegen. Übersteigt der Schaden die versicherte Höhe, könnte der Bauunternehmer haftbar sein.

 

Damit ein Unternehmen aber nicht insolvent geht, tritt in solchen Fällen der Staat für den Rest der Summe ein, berichtet das Handelsblatt. So habe Frankreich allein für 2019  im Budget des Kulturministeriums insgesamt 345 Mio. Euro für Schäden eingeplant. Da die Schäden die Summe weit übersteigen, müsste über mehrere Jahre zusätzlich eine Schadenssumme kalkuliert werden, heißt es in dem Bericht weiter.

 

Zudem ist Notre-Dame - im Gegensatz zu deutschen Kirchen - nicht gegen Feuer versichert. Hintergrund ist der Umstand, dass der französische Staat und nicht die katholische Kirche im Besitz der Kirche ist. Laut einer ministeriellen Erläuterung ist der französische Staat demnach auch sein eigener Versicherer. Das heißt: er muss auch die Folgen aus einem Brand abdecken. Damit will der französische Staat verhindern, bei der hohen Zahl historischer Gebäude unverhältnismäßig hohe Versicherungsprämien zahlen zu müssen. Diese wären nämlich jedes Jahr höher als die tatsächlichen Kosten einer Beschädigung.

 

Dies gilt übrigens für alle religiösen Gebäude, die vor 1905 - also der Trennung zwischen Kirche und Staat - gebaut wurden. Über den Staat versichert sind in den meisten Fällen auch Kunstschätze, soweit sie ihm und nicht Stiftungen oder der Kirche selbst gehören. Bekannt ist bislang aber nur, dass der Eiffelturm wohl gegen Brand versichert ist - allerdings nur in Höhe von 200 Mio. Euro.

 

Über die Brandursache selbst gibt es allerdings noch keine konkreten Hinweise. Nach Aussage des Pariser Staatsanwaltes Rémy Heitz dürfte die Untersuchung "lang und komplex" werden. Momentan seien etwa 50 Ermittler damit beschäftigt, die Mitarbeiter der fünf Unternehmen zu befragen, die mit der Renovierung von Notre-Dame beauftragt waren. Allerdings gehen die Behörden derzeit davon aus, dass es sich um einen Unfall und nicht um Brandstiftung gehandelt hat. Möglicherweise könnte sogar ein Kurzschluss den Brand ausgelöst haben, berichten französische Medien unter Berufung auf Ermittlungskreise. Ob die tatsächliche Ursache jedoch wirklich ermittelt werden kann, bleibt noch offen.

 

Dabei gehen Experten derzeit davon aus, dass die Schäden im Innern der Kathedrale weniger schlimm sein sollen, als bislang erwartet. Demnach sei lediglich der 1989 installierte Hochaltar durch den nach unten gestürzten Spitzturm schwer beschädigt worden. Neben dem eingestürzten Vierungsturm sind auch große Teile des mittelalterlichen Dachstuhls eingestürzt. Hinzu kommen  die Schäden des eingesetzten Wassers. Zudem soll Medienberichten zufolge ein großer Teil der Kunstschätze soll gerettet worden sein. Expertenschätzungen zufolge gingen allerdings mindestens fünf bis zehn Prozent der Schätze durch den Brand verloren, darunter auch große Gemälde.

 

Welch unschönen juristischen Auseinandersetzungen mit dem Versicherer solche Ereignisse übrigens haben können, zeigt auch das Beispiel der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar. Im September 2004 waren bei einem Feuer im UNESCO-Weltkulturerbe etwa 50.000 Bücher und 34 Gemälde verbrannt, 62.000 Bände wurden dabei beschädigt. Während die Stiftung Klassik rund 20 Mio. Euro vom Hauptversicherer Axa Art forderte, wollte dieser lediglich einen Betrag von 2,5 Mio. Euro zahlen.

 

Hauptstreitpunkt war damals ein Versicherungsvertrag der ehemaligen Kunstsammlungen zu Weimar von 1997. Nachdem das Museum 2001 mit der Klassik Stiftung fusionierte, wurde der Versicherungsvertrag 2003 auf die gesamte Stiftung ausgedehnt und die Versicherungssumme auf 20 Mio. Euro verdoppelt. Der Vertrag schloss laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auch die Anna Amalia Bibliothek, das Goethe-Nationalmuseum sowie das Goethe- und Schiller-Archiv als "Risiko-Orte" ein. Offen blieb indes die Frage, ob die entsprechenden Klauseln auch auf diese drei Orte zu übertragen war. Falls nicht, hätte lediglich eine "Risiko-Offerte" von 2,5 Mio. Euro gegolten. Nach vier Jahren endete der Streit indes mit einem außergerichtlichen Vergleich: Demnach erhielt die Klassik Stiftung fünf Mio. Euro von der Axa Art. Diese hatte zuvor bereits 750.000 Euro für zerstörte Gemälde und Plastiken gezahlt.

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