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"Vergleichsportale nutzen verbraucherunfreundliche Tricks" – Kartellamt will mehr Befugnisse

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Erinnern Sie sich noch an den Streit zwischen Check24 und dem BVK? Im Kern ging es um die Beratungspflichten und ob die Portale fair vergleichen. Das Bundeskartellamt schaltete sich ein und hat den "gesamten Wirtschaftszweig" untersucht, jetzt liegen die Ergebnisse vor. Das Amt fordert mehr Befugnisse, um Verbraucherrecht in konkreten Einzelfällen "zügig und zielgerichtet durchsetzen zu können".

Wirklich Neues enthält die Sektoruntersuchung Vergleichsportale nicht, die im Oktober 2017 eingeleitet worden ist. "Mit Vergleichsportalen können Verbraucher sich schneller im Netz zurechtfinden und bessere und günstigere Leistungen finden. Wir haben aber auch verbraucherunfreundliche Tricks mancher Portale aufgezeigt", erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes.

 

Damit gegen diese Tricks besser vorgegangen werden kann, möchte das Bundeskartellamt größere Befugnisse. Zwar kann es im Bereich Verbraucherschutz Untersuchungen durchführen, hat aber keine Befugnis, etwaige Rechtsverstöße auch per behördlicher Verfügung abzustellen.

"Mit punktuell erweiterten Kompetenzen könnte das Bundeskartellamt das bereits geltende allgemeine Verbraucherrecht in konkreten Einzelfällen zügig und zielgerichtet durchsetzen", erklärt Mundt.

 

Bewertungen unklar, kein flächendeckender Vergleich

 

Besonders im Bereich Versicherung bleibt allerdings unklar, was genau die Verstöße der Portale sein sollen, die direkt geahndet werden müssen. Ein Vorwurf ist, dass im Bereich Versicherungen "wichtige Anbieter nicht in den Vergleich einbezogen" werden. Zudem wird das Bewertungssystem kritisiert, nicht nur im Bereich Versicherungen. Die Kundenmeinungen stammen in der Regel nur von Nutzern, die erfolgreich über das Portal einen Abschluss getätigt haben, sodass Fälschungen erschwert werden, aber gleichzeitig "die Bewertungsbreite eingeschränkt" ist.

 

In sämtlichen Branchen existieren Kooperationen zwischen verschiedenen Vergleichsportalen bei Datenbasis und Tarifrechner, beklagt das Kartellamt. Diese könnten zwar zur Verbreitung von Vergleichsmöglichkeiten beitragen, aber auch dazu führen, dass gleiche Suchergebnisse bei vermeintlich eigenständigen Portalen vom Verbraucher "irrig als Bestätigung der Empfehlungen interpretiert werden".

 

90 Prozent der Einnahmen aus Provisionen

 

Die von Vergleichsportalen im Versicherungsbereich erzielten Umsätze generieren sich zu über 90 Prozent aus Provisionszahlungen, heißt es im Bericht. Das Verhältnis zwischen Abschluss- und Bestandsprovisionen war bei den befragten Portalen "recht unterschiedlich". Teilweise dominiert die eine, teilweise die andere Provisionsart. Das Bundesamt fürchtet, dass Portale mit hohen Bestandsprovisionen, "weniger Anreiz haben, ihre Nutzer zu einem Wechsel zu motivieren".

 

Check24 sieht wegen der fast ausschließlichen Finanzierung mittels Provisionen keinen Interessenskonflikt. "Abschluss- und Bestandsvergütungen finden – je nach Versicherungssparte - auch bei uns Anwendung, das ist marktüblich." Ansonsten ist das Unternehmen mit dem Papier des Kartellamtes zufrieden: "Der finale Bericht bestätigt nochmal, wie schon das Konsultationspapier, dass die Rankings bei Check24 rein nach objektiven Kriterien erfolgen."

 

Das sieht der BVK anders

 

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) "sieht sich in seiner Kritik an den Vergleichsportalen durch die kürzlich erfolgte Veröffentlichung des Bundeskartellamts bestätigt. So stellt die Behörde fest, dass die Portale nicht dem Leitbild von Firmenwahrheit und -klarheit entsprechen und Lauterkeitsrechtsverstöße auslösen, weil sie nicht transparent genug auf ihre eingeschränkte Marktabdeckung sowie ihre Rolle als Versicherungsmakler hinweisen." 

 

"Bei diesem letzten Punkt legt das VVG (§ 60 Abs. 1, Satz 1) Maklern die besondere Pflicht auf, ihren Rat für Verbraucher auf der Grundlage einer hinreichenden Zahl von Versicherern und des Marktangebots zu Grunde zu legen. Das ist bei den Vergleichsportalen mitnichten der Fall. Deshalb wird der BVK hier weiter dafür eintreten, dass dieser Vertriebsweg dieselben hohen Anforderungen erfüllt, wie der stationäre Vertrieb über die Vermittler", konstatiert BVK-Präsident Michael H. Heinz gegenüber VWheute.

 

"Insbesondere bei dem  für den Versicherungsvertrieb größten Portal, Check24 - wie das Bundeskartellamt festgestellt hat - werden wir durch unsere aktuelle Klage zur Einhaltung des gesetzlichen Provisionsabgabeverbotes darauf dringen, dass es die Marktregeln einhält", betont Heinz weiter.

Bundeskartellamt · Check24 · BVK · Vergleichsportal
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