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Mitteilungen – Gedanken im April

Von Meinhard MiegelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Pünktlich setzt sich der ICE in Bewegung. Vier Stunden und 22 Minuten später soll er am Ziel sein. Doch ehe es soweit ist, flackert über den elektronischen Anzeiger im Wageninneren, dass sich seine Ankunft voraussichtlich um zwei Minuten verzögern werde. Daraus werden sechs, dann zehn Minuten. Sodann nimmt die Verspätung wieder ab, um kurz darauf erneut anzusteigen.

Sodann nimmt die Verspätung wieder ab, um kurz darauf erneut anzusteigen. So geht es weiter, bis der Zug schließlich zwei Minuten vor der fahrplanmäßigen Ankunftszeit im Zielbahnhof einfährt. Vier Stunden und zwanzig Minuten - getaktet von ressourcenfressenden, kostenträchtigen und völlig wertlosen Mitteilungen. Was soll denn der Fahrgast anfangen mit der Information, sein Zug könne in drei oder vier Stunden einige Minuten verspätet sein - oder auch nicht.

 


Mitteilungen um der Mitteilungen willen. Die moderne Technik macht's möglich. Unter ihrem Dach blüht der informative Leerlauf. Und damit das nicht allzu manifest wird, sind hunderte von Millionen, ja einige Milliarden Menschen darauf konditioniert, ihr als User zu dienen. Was sie an Mitteilungen umschlagen, übersteigt im ganz wortwörtlichen Sinne jedes Fassungsvermögen. Von irgendwelchen kleinen Feiern werden wahllos hunderte von Bildern gefertigt, über Länder und Kontinente verbreitet und kaum jemals betrachtet. Auch die Currywurst mit Fritten wird elektronisch den Lieben übermittelt, damit diese einen Eindruck davon bekommen, welche Herausforderungen ihr Sprössling in der Ferne zu bestehen hat.

 

Lange vor der heutigen Informationsflut bemerkte der deutsch-amerikanische Sozialwissenschaftler Karl Deutsch, dass das, was an einem Tag in einem auch nur mittelgroßen Land so alles zusammengeredet werde, mehr sei, als Mensch und Tier verarbeiten könnten. Was würde er heute sagen? Vermutlich würde er sich bestätigt sehen und mit grimmiger Befriedigung feststellen, dass Mensch und Tier die Flut an Information an sich vorbeirauschen lassen und ihr gerade so viel Beachtung schenken, wie es ihnen zuträglich erscheint.
Verpassen tun sie dabei kaum etwas. Denn die gewaltige Menge an Mitteilungen ist merkwürdig inhaltsarm. Wer sich gelegentlich oder auch dauerhaft auf Mitteilungsdiät setzt, wird das bestätigen können. Ja, es gibt sie, die ergiebigen Quellen. Und sie zu nutzen, kann eine Lust sein. Doch allzu viel ist mangels wirklicher Substanz aufgebauscht, spekulativ oder bloßes Wortgeklingel, von dem die Konsumenten allenfalls abgelenkt, mitunter unterhalten, aber nur selten tatsächlich informiert werden.

 

Allerdings tragen sie hieran erhebliche Mitschuld. Denn der ertragreiche Konsum von substanziellen Mitteilungen, sei es in der Wissenschaft, der Kunst oder in jedem anderen Lebensbereich, ist für die Konsumenten mit Aufwand verbunden. Glauben sie, sich diesen ersparen zu können, gehen sie unter in einem Meer von Belanglosigkeiten, aufgeputzt als wichtige, interessante oder zumindest amüsante Informationen. Die Konsumenten haben es in der Hand, ob sie mit solchen Belanglosigkeiten ihre Zeit, Lebenszeit, totschlagen wollen.

Gedanken im April
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