Quelle: Dieter Schütz / PIXELIO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

Robotic Process Automation – Ein Patentrezept mit Grenzen

Von Alexander Drewitz und Jonathan KargesTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Robotic Process Automation (RPA) ist eine Technologie zur Automatisierung von Prozessen in Unternehmen. Konkret bedeutet das: Softwareroboter simulieren die Eingaben, die gegenwärtig durch den Anwender auf einer grafischen Benutzeroberfläche ausgeführt werden. Ein Beispiel für einen automatisierbaren Prozess ist die Adressänderung. Die neue Adresse muss nicht mehr von einem Sachbearbeiter aus der E-Mail des Kunden extrahiert und in die Kundendatenbank eingepflegt werden, da der Prozess problemlos von einem Roboter übernommen werden kann. Bei Bedarf kann dieser auch die Auswirkung der Änderung auf die Verträge des Kunden prüfen und eventuelle Folgeaktivtäten anstoßen.

Eine Automatisierung mit einer klassischen Automatisierungslösung ist ebenso möglich, bedeutet allerdings einen Mehraufwand gegenüber RPA, weshalb beide Technologien gegeneiner abgewogen werden sollten.

Klassische Automatisierungslösung erfordert mehr Aufwand als RPA

Der Einsatz von RPA ist vor allem dann sinnvoll, wenn der initiale Implementierungsaufwand möglichst gering gehalten werden soll und eine klassische Prozessautomatisierung keinen positiven Business Case bietet. Denn im Falle der klassischen Automatisierung müssen Softwareentwickler den zu automatisierenden Prozess mit aufwändigen Anpassungen der Software abbilden. Die Automatisierung mit RPA gleicht dagegen eher einer Konfiguration, sodass der Programmieraufwand deutlich geringer ausfällt und kaum Entwicklungsressourcen benötigt werden.

 

Auch aus technischer Sicht spricht einiges für die Umsetzung von RPA. So finden sich in Versicherungsunternehmen häufig ältere Großrechneranwendungen, bei denen die klassische Alternative aufgrund mangelnder Schnittstellen schnell an ihre Grenzen stößt. Dank des oberflächenbasierten Ansatzes lassen sich solche Prozesse mit RPA über die Benutzerschnittstelle automatisieren.

Auch der Einsatz von RPA hat seine Grenzen

Da RPA die Nutzerinteraktionen (beispielsweise Maus- und Tastaturbefehle) auf der Benutzeroberfläche simuliert, ist die Performance der Anwendung entscheidend. Der Aufbau einzelner Seiten, das Öffnen verschiedener Anwendungen und die Ausführung einzelner Befehle können sich zu einer Gesamtlaufzeit der Prozessinstanz summieren, die über der Durchlaufzeit einer klassischen Automatisierung dieses Prozesses liegt. Je besser die Performance der Anwendung, desto größer ist das Automatisierungspotenzial.

 

Die Automatisierung von Prozessen mittels RPA muss auch unter Sicherheitsaspekten kritisch betrachtet werden, da RPA häufig dort eingesetzt wird, wo Daten von einem System in ein anderes transferiert werden. Ein Sicherheitsrisiko entsteht beispielsweise, wenn Softwareroboter E-Mail-Anhänge extrahieren und ablegen, da RPA nicht ohne Weiteres in der Lage ist, Viren oder ähnliche Schadsoftware zu erkennen. Es empfiehlt sich also über mögliche Sicherheitsmechanismen nachzudenken und entsprechende Entscheidungen im Prozessdesign zu berücksichtigen.

 

Ein weiterer Nachteil ist das Fehlen einer standardisierten Modellierungssprache, ähnlich BPMN 2.0 in der klassischen Prozessautomatisierung, weshalb ein nachträglicher Wechsel des RPA-Lösungsanbieters mit größerem Aufwand verbunden ist.

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