Der Versicherungskäse ist für Versicherer eine Gefahr
Der Versicherungskäse ist für Versicherer eine GefahrQuelle: Tim Reckmann / www.pixelio.de / PIXELIO
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Der Versicherungskäse geht nach Liechtenstein

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Schick ankleiden, Blitzlichtgewitter, strahlen für die Journalisten. Im besten Fall folgt während der Preisverleihung die Nennung des eigenen Namens, dann Dankesrede und der Gang zur Aftershowparty mit Siegerlächeln. Beim Versicherungskäse ist das ein wenig anders.

Es ist ein Preis, den kein Versicherer gerne überreicht bekommt, wird damit doch das schlechteste Versicherungsprodukt des Jahres (vermeintlich) ausgezeichnet. Demnach fallen die oben genannten schönen Aspekte einer Preisverleihung auch fast alle weg. Lediglich eine Auszeichnung im Rahmen einer Abendveranstaltung gibt es, namentlich ist das die 29. Wissenschaftstagung des Bundes der Versicherten e. V – über die Sie hier mehr lesen können.

 

Nominiert waren in diesem Jahr:

 

  • "Prosperity – WohlstandsVorsorge" – ein Produkt der Liechtenstein Life Assurance AG
  • "Vorsorgekomponente V" - ein Produkt der Allianz Private Krankenversicherungs-AG
  • "Wetter Bonus" – ein Produkt der Cardif Allgemeine Versicherung

Am Ende haben die Liechtensteiner die Nase vorn. Die Jury sprach bei Prosperity – WohlstandsVorsorge von "Intransparenz, Datenstriptease und Kostenwirrwarr". Die Kritikpunkte am Produkt, eine fondsgebundene Rentenversicherung, die per App von einem Insurtech vertrieben wird, sind zahlreich und die Mängelliste der Jury lang.

 

Ein kritisierter Aspekt ist die Intransparenz der frei zugänglichen Informationen auf der Prosperity-Website. Außer "wohlklingenden und verlockenden Werbeaussagen" seien dort "keinerlei konkrete Produktinformationen" zu finden. Die Verbraucher müssten einen "kompletten Datenstriptease hinlegen", um an "vorvertragliche Informationen zu kommen". Darunter befinden sich hochsensible Daten wie Steuer-ID und Ausweisnummer. "Das ist datenschutztechnisch eine Katastrophe", urteilte die Jury. Zudem stimme die Werbung auf der Homepage "vorne und hinten nicht". Die von Prosperity aufgestellte Behauptung, es gäbe keine verdeckten Kosten, sei "irreführend."

 

Die Jury urteilt, "anders als auf der Homepage vorgerechnet, fallen neben den Verwaltungskosten für die Police auch noch Versicherungskosten für den Todesfallschutz an". Hinzu würden die fondsinternen Verwaltungskosten kommen, die durchaus "happig" sein könnten. Weiterhin könnten Kunden auch nicht wie dargestellt jederzeit kostenlos aus dem Vertrag aussteigen und der Todesfallschutz der Police werde nur nebulös dargestellt." Die Liste der Fallstricke und Stolperfallen in der Police ist lang" - so das Fazit der Jury.

 

VWheute hat das Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort fiel - erwartungsgemäß - wenig positiv aus: "Wir haben die Wahl zum 'Versicherungskäse des Jahres' natürlich mit Bedauern vernommen. Besonders die Vorwürfe von Intransparenz, Datenstriptease und Kostenwirrwarr machen uns betroffen. Unser größter Anspruch ist es, mit unserer digitalen fondsbasierten Rentenversicherung die Wohlstandsplanung unserer Nutzer leichter und unkomplizierter zu machen. Wenn wir diese Punkte innerhalb unseres Produkts noch nicht klar genug abgebildet haben, dann werden wir alles daran setzen, um das zu ändern.  Wir glauben an eine moderne Altersvorsorge und daran, dass unnötiges Vertragswirrwarr heute nicht mehr zeitgemäß ist. Wir stehen jederzeit gern zum Dialog bereit, um Verbesserungsvorschläge gemeinsam zu besprechen und entsprechend umzusetzen".

BdV · Versicherungskäse des Jahres
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