Jochen Haug, Schaden-Vorstand der Allianz Versicherungs-AG und Christoph Lauterwasser, Leiter Allianz Zentrum für Technik (AZT) bei der Vorstellung der neue Studie zur Sicherheit von Fußgängern in Ismaning.
Jochen Haug, Schaden-Vorstand der Allianz Versicherungs-AG und Christoph Lauterwasser, Leiter Allianz Zentrum für Technik (AZT) bei der Vorstellung der neue Studie zur Sicherheit von Fußgängern in Ismaning.Quelle: ak
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AZT-Studie: Fußgänger sind Hochrisikogruppe im Straßenverkehr

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Obwohl in Deutschland immer weniger Menschen zu Fuß unterwegs sind, verunglücken jährlich 30.000 von ihnen im Straßenverkehr und bleiben damit ein Sorgenkind der Unfallstatistik. Europaweit ist jeder fünfte Verkehrstote ein Fußgänger, in Deutschland waren es mit 457 im Jahr 2018 immer noch rund 15 Prozent. Welche Unfallsituationen sind am gefährlichsten, wie groß ist das Ablenkungspotenzial durch Smartphones und wie und wo kann Technik helfen, Unfälle zu vermeiden? Antworten auf diese Fragen und noch weitere gibt erstmals ein Studie, die das Allianz Zentrum für Technik (AZT) durchgeführt hat.

Don't sms and walk! So lassen sich die Ergebnisse einer breit angelegten Untersuchung zur Sicherheit von Fußgängern im Straßenverkehr zusammenfassen. Wer auch als Fußgänger auf dem Handy tippt oder liest, der lebt gefährlich. Solche Selbstverständlichkeiten scheinen aber nicht jedem Verkehrsteilnehmer bewusst zu sein, denn die Unfallzahlen steigen, nachdem sie jahrelang nur eine Richtung kannten: nach unten. Mittendrin die Fußgänger mit einem 23-Prozent-Anteil der weltweiten Unfalltoten. 2010 hatte die Bundesregierung noch eine Reduktion dieser Zahlen bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent als Ziel ausgegeben und schon jetzt kann gesagt werden dieses Ziel wird verfehlt. Dabei steht Deutschland im internationalen Vergleich mit seinem 15-Prozent-Anteil noch relativ gut da.

 

Als Hochrisikozeit hat der international aufgesetzte Statusreport zu Unfallstatistik und -forschung mit dem Titel "Sicher zu Fuß - Mobilität und Sicherheit von Fußgängern" in einer In-Depth-Analyse von Allianz Schadenakten, Crashversuchen und Repräsentativ-Befragungen die dunkle Jahreszeit von Oktober bis Februar und hier vor allen Dingen innerorts und bei Dämmerung identifiziert. Untersucht wurden aus der Gesamtheit von über 800 Fußgängerunfällen im Schadenjahr 2016 detailliert 411 Fälle. Auch wenn die Zahlen seit den 1990er-Jahren insgesamt rückläufig sind, bildet die Gruppe der Senioren mit 15 Unfalltoten pro eine Millionen Einwohnern nach wie vor mit Abstand die größte Risikogruppe. Hauptunfallgegner sind mit 65 Prozent PKWs und hier ganz besonders Firmen- bzw. Dienstfahrzeuge, gefolgt von Güterfahrzeugen mit 22 Prozent. Fast die Hälfte aller Fußgängerunfälle ereignen sich beim Überschreiten der Fahrbahn, 20 Prozent beim Abbiegevorgang und 23 Prozent resultieren aus einer Rückwärtsfahrt ohne Assistenzsystem und bei schlechter Sicht nach hinten. Selbst bei geringsten Geschwindigkeiten von drei, sechs oder 20 Stundenkilometern kommt es dabei zu schweren oder schwersten Verletzungen, meist im Oberkörper und Kopfbereich, wie die Untersuchungen und Praxisversuche im AZT offenbarten.

 

Doch auch die Fußgänger selbst erhöhen ihr Risiko eines Unfalls, wenn 67 Prozent bekennen, unterwegs zu telefonieren, 45 Prozent Videos oder Fotos anfertigen, 45 Prozent mit der Navigation beschäftigt sind, 43 Prozent Textnachrichten versenden, Bilder ansehen, Musik hören oder sich mit Spielen unterhalten. Letzteres tun allerdings 90 Prozent der Fußgänger nie, wie die Befragung weiter zeigt. Abhilfe könnten, so die Autoren der Studie, u.a. innovative Fahrzeugtechniken wie Fußgängerfrüherkennung und eine geringere Mischung der Verkehre bieten. Im Videointerview erläutert Christoph Lauterwasser, Leiter Allianz Zentrum für Technik (AZT), gegenüber VWheuteTV die Studienergebnisse und gibt Antworten auf die Fragen, welche Rolle in naher Zukunft die Zulassung von sogenannten E-Scootern auf die Verkehrssicherheit von Fußgängern spielen wird und welche Konsequenzen aus den Ergebnissen für die Politik, die Automobilhersteller und die Verkehrsteilnehmer zu erwarten sind.

 

Am 12. Oktober 1988 wurde in Straßburg vom Europäischen Parlament die europäische Charta der Fußgänger verabschiedet. Im Lichte der jüngsten Erkenntnisse plädiert Europas größter Versicherer nun für eine Neuauflage der "pedestrian rights", wie es im Originaltext heißt. Dabei ist die Unterstützung von Politik, Verbänden, Kfz-Herstellern und Verkehrsteilnehmern ausdrücklich erwünscht. Bis es soweit ist, sind Umsicht, Rücksicht im Sinne des Wortes und schließlich der obligatorische Einbau neuer Fahrassistenzsysteme wie z.B. auch ein Bremsassistent für Rückwärtsfahrten zur Vermeidung schwerer Unfälle zwischen Auto und Mensch, dringend erforderlich.

Allianz Zentrum für Technik (AZT) · Fußgänger
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