Sekundäre Naturgefahren entwickeln sich zu großem Problem für die Branche
Sekundäre Naturgefahren entwickeln sich zu großem Problem für die BrancheQuelle: Raphael reischuk / www.pixelio.de / PIXELIO
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Sigma Studie: Rekordschäden, bedrohlicher Anstieg sekundärer Naturgefahren – trotzdem geringe Absicherungsbereitschaft

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die letzten beiden Jahre weisen gemeinsam die höchste je verzeichnete Schadensumme auf. Das schreibt Swiss Re in ihrer Sigma-Studie, Insgesamt kam es zu 219 Mrd. US-Dollar Schäden. Zudem gibt es einen Trend zu steigenden Verlusten infolge sekundärer Naturgefahren. Weiterhin existieren "erhebliche Deckungslücken", was allerdings auch eine Chance für die Branche wäre.

Die Katastrophenschäden der letzten zwei Jahre sind laut dem Rückversicherer "ein Weckruf für die Versicherungsbranche". Sie zeigen einen Trend zu steigenden Verlusten infolge sogenannter "sekundärer Naturgefahren", also unabhängig auftretende, kleine bis mittlere Schadenereignisse oder sekundäre Effekte eines primären Naturkatastrophenereignisses.

Definition von sekundären Naturgefahren
Definition von sekundären NaturgefahrenQuelle: Swiss Re - Sigma Studie aus dem Jahr 2019

Die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen des Jahres 2018 beliefen sich auf 76 Mrd. US- Dollar – die vierthöchste bisher verzeichnete Schadensumme für ein einzelnes Jahr. Mehr als 60 Prozent dieser Schäden gingen auf sekundäre Naturgefahren zurück. Die versicherten Schäden für die Jahre 2017 und 2018 lagen zusammen bei 219 Mrd. USD, die höchste je verzeichnete Schadensumme in einem Zweijahreszeitraum.

 

Das Jahr 2017 bleibt weiterhin das Jahr mit der höchsten Schadensumme aus Naturkatastrophen. Auch hier wurde mehr als die Hälfte der Schäden von sekundären Naturgefahren verursacht. Zu den Gründen für die steigenden Schäden aus sekundären Naturgefahren zählen die fortschreitende Urbanisierung und die zunehmende Konzentration von Vermögenswerten in Gebieten, die extremen Wetterbedingungen und somit den Folgen des Klimawandels ausgesetzt sind, schreibt Swiss Re.

 

Das teuerste versicherte Schadenereignis im Jahr 2018 war das Camp-Feuer in Kalifornien, mit zwölf Mrd. US-Dollar. Weitere bedeutende Beispiele für sekundäre Naturgefahren im vergangenen Jahr sind ein Hagelsturm in Sydney im Dezember und die Überschwemmungen in North und South Carolina (USA), die als sekundärer Effekt des Wirbelsturms Florence im September auftraten.

 

Unterschätzte Gefahr

 

Sekundäre Naturgefahren werden häufig unterschätzt, weil ihre Auswirkungen von Schäden infolge sogenannter primärer Naturgefahren überschattet werden, glaubt der Versicherer. Das wachsende Schadenpotenzial dieser sekundären Gefahren tritt jedoch immer deutlicher zutage und wird sich gemäss Prognosen des Swiss Re Institute weiter fortsetzen."Wir verzeichnen immer häufiger große Schäden im Zusammenhang mit sekundären Naturgefahren", erklärt Edouard Schmid, Group Chief Underwriting Officer von Swiss Re. "Auf diesen Trend muss die Versicherungsbranche reagieren, wenn wir Katastrophenrisiken weiterhin nachhaltig absichern wollen." Eine Grafik zeigt die Gefahr von sekundären Schäden.

Gefahr durch sekundäre Naturkatastrophen
Gefahr durch sekundäre NaturkatastrophenQuelle: Swiss Re

Bei der ansteigenden Gefahr infolge von Naturkatastrophen sollte die Absicherungsbereitschaft eigentlich steigen, tut sie aber nicht.  Die weltweite Deckungslücke bei Naturkatastrophen lag im Zeitraum 2017 bis 2018 bei 280 Mrd. US-Dollar; mehr als die Hälfte dieser nicht versicherten Schäden erfolgte aufgrund von sekundären Naturgefahren. Erklären lässt sich diese Unterversicherung laut Swiss Re unter anderem durch fehlendes Risikobewusstsein, ungenügendes Verständnis von Katastrophenversicherungen auf der Kundenseite und eine zögernde Bereitschaft in der Industrie, Deckungen bei nicht eindeutiger Risikoeinschätzung anzubieten.

 

Das bietet auch Chancen, glaubt Jérôme Haegeli, Group Chief Economist von Swiss Re: "Um Katastrophenrisiken profitabel absichern zu können, müssen sowohl Großkatastrophen als auch die künftige Entwicklung von sekundären Naturgefahren berücksichtigt werden. Mithilfe moderner Technologie können Versicherer sich stärker auf die Erarbeitung regionaler Modelle zur Bewertung von sekundären Naturgefahren konzentrieren, ihr Produktangebot erweitern und Katastrophenversicherungen gezielter vertreiben."

 

Ob Haegeli mit seiner Einschätzung recht hat, wird der Sigma-Bericht im nächsten Jahr zeigen.

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