Vorstand der R+V, 2019
Vorstand der R+V, 2019Quelle: TD
Schlaglicht

Rollinger: "Genossenschaftliche Werte sind die DNA der R+V“

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Same procedure as every year": Pünktlich zur Osterzeit präsentiert die R+V ihre Jahresbilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr. Und wie bereits in den vergangenen Jahren ließ es sich Vorstandschef Norbert Rollinger nicht nehmen, die vermeintlichen Erfolge für 2018 in den Fokus zu stellen.

Neu im Vergleich zum Vorjahr war indes die Fokussierung auf den genossenschaftlichen Gedanken. "Genossenschaftliche Werte sind die DNA der R+V", betonte der R+V-Chef bei der Präsentation der Bilanz für 2018. So ließ es sich der Konzernchef nicht nehmen, zunächst die Werbetrommel für verschiedene Genossenschaftsangebote der R+V zu rühren - sei es der Versicherungsschutz für eine genossenschaftliche Vermietplattform oder eine neue Direktversicherung in der bAV. Selbst den Landarztmangel will der Wiesbadener Versicherer mit medizinischen Vorsorgezentren in der Rechtsform einer Genossenschaft bekämpfen.

 

Bilanztechnisch gesehen sieht sich die R+V weitgehend auf Kurs, auch wenn die Wetterkapriolen und die Bilanzierung nach IFRS9 dem Genossenschaftsversicherer im vergangenen Jahr belastet hat. Rund 16,9 Mio. Euro an gebuchten Bruttobeiträgen standen Ende 2018 auf der Habenseite, ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2017: 16,2 Mrd. Euro). Das Ergebnis vor Steuern nach IFRS sank indes deutlich um 43,6 Prozent auf 448 Mio. Euro (2017: 795 Mio.). Die Ursachen für die Entwicklung sieht R+V-Chef Rollinger in den Börsenturbulenzen zum Jahresende, der Schadenbelastung durch wetterbedingte Ereignisse sowie durch die Verpflichtung zur Bilanzierung nach IFRS9: "Dies hat uns in der Summe rund 100 Mio. Euro an Werten gekostet", so Rollinger.

 

Insgesamt fielen die Versicherungsleistungen mit rund 14,2 Mrd. Euro zu Buche. Dabei zählte der Wiesbadener Versicherer rund 135.000 Elementarschäden, circa 19.000 mehr als noch im Vorjahr. Allein die beiden Sturmtiefs "Bennet" und "Eberhard" fielen mit rund 38.000 Schadenmeldungen und einem Schadenvolumen von mehr als 38 Mio. Euro entsprechend ins Gewicht.

 

Wohngebäude und Lebensversicherung

 

Dabei zeige sich die Wohngebäudeversicherung noch immer als "schwieriges Geschäft", betonte Kompositvorstand Edgar Martin, auch wenn sich die R+V dabei auf einem "konstanten Kurs" befinde. Weitgehend zufrieden zeigte sich der R+V-Chef mit der Geschäftsentwicklung in den einzelnen Sparten.

 

So verzeichnete die R+V in der Lebens- und Pensionsversicherung einen neuen Beitragsrekord (nach HGB) um 1,0 Prozent auf 7,757 Mrd. Euro. Der Vertragsbestand stieg dabei um 1,4 Prozent auf rund 6,2 Millionen Verträge. Wenig verwunderlich daher, dass sich Leben-Vorstand Claudia Andersch ein neuerliches Plädoyer für die Lebensversicherung nicht verkneifen konnte: Demnach sei sie "voll überzeugt, dass die Lebensversicherung ein wichtiges Ergänzungsprodukt in der Altersvorsorge bleibe". Eventuellen Überlegungen nach einem Run-off nach dem Vorbild der Generali erteilte sie wie bereits im vergangenen Jahr eine klare Absage: "Wir fühlen uns unseren Kunden langfristig verbunden", so Andersch.

 

Kranken und Schaden-Unfall

 

Zufrieden zeigte sich der R+V-Chef indes in der Entwicklung der Krankenversicherung. Ein Beitragsplus von 5,9 Prozent auf 584 Mio. Euro (2017: 551 Mio.) stand Ende 2018 in den Geschäftsbüchern. Während vor allem die Zusatzversicherung um 9,7 Prozent auf 332 Mio. Euro (2017: 293 Mio.) zulegte, verzeichnete die R+V auch in der Vollversicherung ein leichtes Plus von 1,6 Prozent auf 262 Mio. Euro (2017: 258 Mio.).

 

Gerade beim Zuwachs in der Vollversicherung wollte Rollinger einen gewissen "Stolz" nicht verbergen, "da wir kein klassischer Beamtenversicherer sind". Offen zeigt sich die R+V indes beim Thema "Pflege". So beobachte man die aktuelle politische Diskussion um das Thema sehr genau und entwickle bereits neue Produkte. "Der Bedarf ist da", konstatiert R+V-Vorstand Claudia Andersch, ohne allerdings im Detail konkret zu werden.

 

In der Schaden- und Unfallversicherung verzeichnete die R+V ein Beitragsplus von 51 Prozent auf 5,708 Mrd. Euro (2017: 5,432 Mrd.). Ein Wachstumstreiber war das Kfz-Geschäft mit einem Beitragsanstieg von 5,0 Prozent auf 2,501 Mrd. Euro (2017: 2,382 Mrd.). Demnach sei das "Kfz-Geschäft profitabel", so Kompositvorstand Edgar Martin.

Dabei zeigte sich der genossenschaftliche Versicherer nur wenig überzeugt von der Telematik. "Junge Leute und Vielfahrer" seien zwar durchaus offen für diese Technik, erklärt Rollinger, einen wirklichen Erkenntnisgewinn verspricht sich die R+V daraus aber augenscheinlich nicht. Deutlich mehr glaubt der Versicherer indes an das autonome Fahren. Die bahnbrechende Erkenntnis nach dem Abschluss des vierten Testfeldes: Die neue Technologie erfreue sich zwar hoher Akzeptanz, gerade bei älteren Autofahrern. Die Umsetzung konkreter Geschäftsmodelle stehe indes noch aus. Konkrete Vorschläge oder Pläne: bislang Fehlanzeige.

 

Der vielgescholtene Provisionsdeckel stieß auch bei der R+V auf wenig Gegenliebe. Dieser sei "ordnungspolitisch falsch". "Wir sind aber darauf vorbereitet, wenn er kommt", ließ Vertriebsvorstand Jens Hasselbächer wissen.

 

Vielmehr geht die R+V nun mit einem digitalen Versicherungsmanager an den Start. Dazu kooperiert der Wiesbadener Versicherungskonzern mit Friendsurance. Dieser soll nach dem Willen der R+V dem Kunden entsprechende Hinweise geben, wir diese ihre Absicherung noch verbessern können – mehr Informationen finden Sie HIER. "Wir transformieren damit unsere gemeinsamen Stärken in die digitale Welt: genossenschaftliche Digital Bancassurance", erklärte Rollinger.

 

Welche Vorteile allerdings der Kunde von der digitalen Genossenschaftssymbiose hat, wird am Ende wohl die Zeit erweisen.

R+V · Norbert Rollinger · 2018 · Jahreszahlen
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