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Schlaglicht

Wieso Versicherer als Arbeitgeber unterschätzt werden

Von Sabine T. RuhTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die arbeitnehmerstarken Zeiten der Versicherungsbranche sind schon länger vorbei - Anfang der 1990-er Jahre waren etwa eine viertel Million Menschen bei Versicherungen beschäftigt. Aktuell, über 25 Jahre später, sind es ein knappes Fünftel weniger. Auch spricht die Altersstruktur eine eindeutige Sprache: Die meisten Mitarbeiter der Versicherungsbranche gehören nicht zur jüngeren Generation. Sie sind fast 50 oder schon darüber. Folgerichtig sind sie schon lange bei ihrem Arbeitgeber beschäftigt. Ende 2017 waren Frauen 16,8 und Männer 15,6 Jahre bei ihrem jeweiligen Arbeitgeber beschäftigt.
Loyalität, Vorurteile der jüngeren Generationen, Umstrukturierungen bei manchen Versicherern - es lohnt sich, einen Blick auf die Branche als Arbeitgeber zu werfen. Michael Niebler, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes der Versicherer (AGV), hat den Überblick: "Die Versicherer sind zu Unrecht bei vielen Außenstehenden kein sehr beliebter Arbeitgeber. In Arbeitgeberrankings finden sie sich meist in den unteren Rängen wieder." Aspekte wie Kreativität oder Spaß scheinen junge Menschen nicht bei Versicherungen zu erwarten. "Wenn die Absolventen allerdings den Versicherern eine Chance geben, dann sind sie mit dieser Entscheidung auch zufrieden – man könnte fast von einer Liebe auf den zweiten Blick sprechen." Laut einer Kantar-TNS-Studie seien über 90 Prozent der unter 30-Jährigen äußerst, sehr oder zufrieden mit ihrer Arbeit. Und bei der Bewertungsplattform kununu.de läge die Versicherungsbranche auf Platz Drei.

Überdurchschnittlich gut bezahlt

Relevant dabei das Gehalt: "Die Versicherungsbranche gehört zu den Top-10-Branchen bei den Einstiegsgehältern", weiß Niebler. "Auch in der weiteren Laufbahn verdienen Mitarbeiter überdurchschnittlich viel. Laut Statistischem Bundesamt liegt der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst sogar unter den Top fünf. Nur Unternehmensberater und Banker verdienen deutlich mehr. Mit den Branchen Information und Kommunikation sowie Energieversorgung liegen wir dagegen nahezu gleich auf." Für Niebler steht eine angemessene Entlohnung auch heute noch ganz oben auf dem Wunschzettel der Arbeitnehmer. Aber Geld sei nicht alles: "Arbeitsplatzsicherheit, abwechslungsreiche Tätigkeiten, Weiterbildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten gehören ebenso in das Portfolio guter Arbeitgeber wie ein gutes Gesundheitsmanagement sowie Work-Life-Balance. Die Versicherer haben hier viel zu bieten." Denn gute Arbeitgeber zeichneten sich eine angemessene Vergütung, gute und flexible Arbeitsbedingungen durch modernen Tarifvertrag, gute Weiterbildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten, ein betriebliches Gesundheitsmanagement sowie betriebliche Altersversorgung aus. "In all diesen Bereichen kann sich die Branche im Vergleich sehen lassen. Keine Branche investiert beispielsweise so viel in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten wie unsere. Fast 80 Prozent der Beschäftigten sagen, dass die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben gut bis ausgezeichnet funktioniert."
"Natürlich gehen die anhaltende Konsolidierung in der Branche sowie die anstehenden Veränderungen durch die Digitalisierung auch mit einem gewissen Maß an Unsicherheit einher."
Michael Niebler, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des AGV
Doch nicht bei allen Versicherern ist die Lage von Unternehmen und Mitarbeitern ungetrübt. Bei manchen laufen Umstrukturierungen. Ulf Mainzer, Vorstandsmitglied der Ergo Group und unter anderem zuständig für Personal, informiert über die Veränderungen: "Im Zuge unserer Transformation haben seit 2016 1.530 Mitarbeiter Alterslösungen oder Aufhebungsvereinbarungen unterschrieben. Davon haben 1.238 Mitarbeiter das Unternehmen bereits verlassen, 292 Mitarbeiter folgen bis 2021. Wir sind weiterhin mit Mitarbeitern bezüglich Alterslösungen und Aufhebungsverträgen im Gespräch." Ähnlich nach vorn schaut auch Carsten Schildknecht, Vorstandschef der Zurich Deutschland: "Die bereits im Jahr 2016 angekündigten Personalanpassungen hat das Unternehmen planmäßig und ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt." Wichtig ist ihm ein neues Denken: „Das Erneuerungsprogramm haben wir unter meiner Führung seit 2018 erfolgreich eingeleitet und bereits jetzt greifen die eingeleiteten Maßnahmen. Wir trimmen Zurich deutlich mehr auf Innovation, das ist für uns der ganz entscheidende Hebel. Durch Themen wie Autonomes Fahren oder Internet of Things ergeben sich neue Herausforderungen, aber auch ungeahnte Chancen. Es gibt neue Vertriebswege, neue Mitbewerber und neue Technologien, die wir bei unserer Arbeit einsetzen." Und auch die Arbeitsweise ändere sich: "Wir werden vernetzter, flexibler und offener miteinander arbeiten." Dazu wurden und werden verschiedene regionale Standorte zu neuen Direktionen zusammengeführt.

Ist damit summa summarum ein eher positives Fazit angebracht? "Die meisten Beschäftigten sind", bilanziert Niebler, "zufrieden mit ihrem derzeitigen Arbeitgeber. Natürlich gehen die anhaltende Konsolidierung in der Branche sowie die anstehenden Veränderungen durch die Digitalisierung auch mit einem gewissen Maß an Unsicherheit einher.“ Dennoch, informiert er, würden mehr als zwei Drittel der Mitarbeiter ihren aktuellen Arbeitgeber aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen Freunden und Bekannten als Arbeitgeber weiterempfehlen. Und: Drei Viertel würden sich bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber auch erneut bewerben.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Michael Niebler · AGV · Arbeitgeber
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