Produktionshalle bei Opel in Rüsselsheim
Produktionshalle bei Opel in RüsselsheimQuelle: Opel Automobile GmbH
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Atradius: Forderungsrisiken in der Automobilbranche steigen weiter an

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die aktuellen Veränderungen in der Branche scheinen der deutschen Automobilindustrie immer mehr Sorgen zu bereiten. Laut einer Analyse von Atradius sind die Forderungsrisiken weiter gestiegen, insbesondere aufgrund schwindender Liquidität bei zahlreichen kleineren und mittleren Zulieferern. So schätzt der Kreditversicherer das Forderungsrisiko für Lieferanten und Dienstleister von Zulieferern aktuell so hoch ein wie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren nicht mehr.  

Demnach werden diese Veränderungsprozesse in der Automobilindustrie unter anderem vom vermehrten Einsatz von Elektroantrieben, von autonom fahrenden Mobilen, der fortschreitenden Digitalisierung, alternativen Mobilitätskonzepten wie Carsharing sowie zunehmenden Umweltanforderungen vorangetrieben, konstatieren die Analysten von Atradius. Zudem seien nach der Einführung des neuen Verbrauchs- und Abgasstandards auch die konjunkturellen Unsicherheiten für die Hersteller weiter gestiegen. Mit wenig überraschenden Folgen: So werden vor allem Dieselfahrzeuge im Privat- und Gewerbebereich immer unpopulärer. Dies wirke sich unter anderem erheblich auf die Liquidität von Zulieferern aus, die bisher noch mit Komponenten für Benziner- und Dieselfahrzeuge erfolgreich wirtschaften konnten, so der Kreditversicherer. Verhältnismäßig gering schätzen die Experten von Atradius hingegen die Auswirkungen von möglichen US-Strafzöllen auf die Zulieferer ein. Viele von ihnen seien den Herstellern in die USA gefolgt und produzieren mittlerweile auch im Land selbst, so dass sich Strafzölle nur moderat auf das Forderungsrisiko auswirken dürften.

 

"Mit der Dieselaffäre hat sich der Wandel in der Automobilindustrie erheblich beschleunigt. Die Lieferanten und Dienstleister der Zulieferer bekommen das jetzt auch im Forderungsmanagement durch zunehmende Zahlungsausfälle und -verzögerungen zu spüren. Angesichts des anhaltenden Mobilitätswandels und der wachsenden Herausforderungen in der internationalen Wirtschaft rechnen wir damit, dass sich die Zahl der Insolvenzen unter den Zulieferern auf absehbare Zeit um bis zu 30 Prozent", erläutert Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS von Atradius. "Die Automobilindustrie befindet sich derzeit im wohl größten Wandel seit ihrem Bestehen. Das gesamte Geschäft ist immer schwieriger zu planen und unvorhersehbarer geworden, die Innovationszyklen verkürzen sich. Für den weltweiten Automobilmarkt gehen wir von einem immer schnelleren Transformations-Tempo aus. Die vielen Herausforderungen der OEM erfordern hohe Investitionen. Um den Finanzbedarf hierfür aufzubringen, wird sich der Preis- und Vorfinanzierungsdruck auf die Zulieferer weiter erhöhen. So werden die Zulieferer auch in der aktuellen Entwicklung der Branche die größten Leidtragenden sein", ergänzt der Experte.

Automobilindustrie · Kreditversicherer · Atradius
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