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US-Rückversicherer Trans Re von Stürmen und Waldbränden hart getroffen

Von Martin WinkelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die anhaltend hohe kombinierte Schaden-Kosten-Quote von 105,4 Prozent (2018) und 106,9 Prozent (2017) der Transatlantic Reinsurance Company ist vor allem der Sachsparte geschuldet, die 2018 mit 123,4 Prozent abschloss. Nach Auskunft von David Stewart, Global Risk Manager und Emerging Risk Officer der Gesellschaft aus New York City, habe das Ergebnis der Trans Re im vergangenen Jahr vor allem unter zahlreichen Stürmen und Waldbränden in den USA gelitten.

Stewart erklärte auf einem Diskussionsforum der Trans Re in München, dass insbesondere die Wald- und Buschbrände in Kalifornien zu bisher nie erreichten finanziellen Schäden von über zehn Mrd. US-Dollar geführt hätten. Die letzten zwei schadenintensiven Jahre hätten insgesamt zu einem Rückgang der Kapitalisierung der US-amerikanischen Versicherungsbranche geführt, so Stewart. Haftpflichtschäden seien ähnlich wie Catschäden ebenfalls teurer geworden, so Stewart. Die teuersten Haftpflichtklagen hätten meist Urheberrechtsverletzungen in der IT-Branche betroffen. Die großen Tech-Konzerne verklagten sich oft gegenseitig und trieben Schadensummen immer weiter in die Höhe.

 

Die Rechtsprechung in den USA werde zudem komplexer, da sich die US-Bundesebene immer mehr aus der Gesetzgebung zu Themen wie Migration und Betäubungsmitteln zurückziehe. Die Folge sei eine Zersplitterung der gesetzlichen Regelungen nach Bundesstaaten, was z.B. in der Opioid-Krise und Legalisierung von Cannabis und Marihuana zu sehr unterschiedlicher Behandlung von Haftpflichtansprüchen in den Bundesstaaten führe, so Stewart.

David Stewart, Global Risk Manager und Emerging Risk Officer
David Stewart, Global Risk Manager und Emerging Risk OfficerQuelle: Martin Winkel
Besorgt zeigte ich Stewart als Haftpflicht-Rückversicherer insbesondere über Kumulrisiken. Zwar habe die Branche nach den Erfahrungen mit Asbest Limits in Versicherungspolicen eingeführt, doch systemische Kumulrisiken könnten dennoch zu unkalkulierbaren Schäden führen. Im Gegensatz zu Cat-Risiken seien quantitative Modelle in der Haftpflichtversicherung noch in den Kinderschuhen. Besonders besorgt zeigte sich Stewart auch über die möglichen Auswirkungen einer Pandemie, der Trans Re eine Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 1 in 70 Jahren zuordne.

Unterschiedliche Risikowahrnehmung in USA und Europa

US-Versicherer seien besorgt über europäische Versicherer wie Allianz, Axa und Münchener Rück, die nicht mehr in fossile Energieträger wie Kohle investieren wollten. Man fürchte Präzedenzfälle, die zu weiteren Einschränkungen bei den Kapitalanlagen führten, so Stewart. In den USA sei hingegen vor allem die Waffenbranche als „unmoralisches“ Investment in der Kritik. Neue Branche im Zwielicht seien Hersteller und Verwender von Glyphosat, seitdem Krebsopfer hohe Schadenersatzsummen erstritten hätten. US-Analysten erwarteten weitere Klagen zur angeblich karzinogenen Wirkung von Glyphosat, erklärt Stewart. Davon betroffen ist als Eigentümer des Biotech-Konzerns Monsanto auch der deutsche Bayer-Konzern.

 

Anders als in Europa dominierten in der Risikowahrnehmung von US-Bürger hohe Gesundheitskosten, Zugang zu Bildung und die persönliche Sicherheit. Insbesondere das Vertrauen in das US-amerikanische Hochschulsystem habe seit einem Skandal um gekaufte Zulassungen zu Elite-Universitäten stark gelitten. Klimaveränderungen hingegen rangierten auf einem untergeordneten Platz, zitierte Stewart aus einer Studie. Auch Stewart zeigte sich aus Sicht seines Rückversicherers unbeeindruckt von den Risiken des Klimawandels und meinte, signifikante Auswirkungen von Emissionen der USA und Europa auf das Weltklima seien nicht belegt. Kritisch seien allenfalls stark steigende Emissionen in China und Indien, so Stewart.

Luxemburg zukünftiger Sitz von Trans Re in Europa

Trans Re operiert in Deutschland bisher noch als Niederlassung der US-amerikanischen Transatlantic Reinsurance Company. Die Gesellschaft mit Sitz in München ist seit Dezember 2010 in Deutschland von der Bafin zugelassen. Seit 2011 gehört die frühere AIG-Tochter zum US-Mischkonzern Alleghany Corp.

 

Die deutsche Niederlassung verdiente 2017 Bruttoprämien von 45 Mio. Euro mit einer kombinierten Schaden-Kosten-Quote von etwa 89 Prozent. Mit einer Solvenzquote von 139 Prozent fiel die Niederlassung Ende 2017 allerdings unter das selbstgesteckte Ziel von mindestens 150 Prozent. Daher stellte laut Solvenzbericht die Muttergesellschaft 2018 zusätzliches Kapital zur Verfügung, um die Solvenzquote darüber zu halten. Zur Kapitalentlastung werden seit 2017 bereits 68 Prozent des Portfolios quotal an TransRe Zurich Ltd., einem weiteren Rückversicherer der Trans Re - Gruppe, retrozediert.

 

Rüdiger Skaletz, Hauptbevollmächtigter der deutschen Niederlassung der Transatlantic Reinsurance Company mit Sitz in New York und Chief Marketing Officer für Europa, bestätigte die Absicht der Transatlantic Reinsurance am 1. Juli 2019 eine weitere Gesellschaft in Luxemburg zu gründen. Diese solle die europaweiten Tätigkeiten der Trans Re bündeln und entsprechend mit Kapital ausgestattet werden, so Skaletz.

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