Bastian Finkel, BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft
Bastian Finkel, BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte PartnerschaftsgesellschaftQuelle: BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft
Märkte & Vertrieb

"Möglicherweise muss bei der D&O die Produktstruktur überdacht werden"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Financial Lines Forum 2019 beginnt heute in Zurich. Das Event hat die Vermögensschaden-Risiken und deren Versicherung im Fokus. VWheute hat vorab mit zwei Referenten der Veranstaltung zum Gespräch getroffen. Im zweiten Teil der Mini-Serie spricht Rechtsanwalt Bastian Finkel, BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft, über die D&O-Versicherung.

D&O ist derzeit in aller Munde, was sind die neusten Entwicklungen und wie sollte drauf reagiert werden?

Die Aufmerksamkeit rund um Fälle der Managerhaftung nimmt stetig zu. Parallel dazu wird auch das Produkt der D&O-Versicherung fortlaufend weiterentwickelt, wobei es unterschiedliche Strömungen gibt. Klar zu erkennen ist aus meiner Sicht, dass sich Geschäftsleiter immer häufiger selbst um das Thema hinreichenden Deckungsschutzes bemühen und hierdurch auch individuelle Verträge immer beliebter werden. Die Zeit, dass man sich als Geschäftsleiter lediglich dafür interessierte, ob man überhaupt eine Versicherung hat, scheint nach meiner Wahrnehmung vorbei zu sein. Zeitgleich ist allerdings auch der Schutz unter Unternehmenspolicen in den vergangenen Jahren sachlich und zeitlich vielfach ausgeweitet worden. Sollte dieser Trend anhalten, muss wohl sowohl auf der Prämienseite reagiert werden, als möglicherweise auch die Produktstruktur als solche überdacht werden.

 

Täuscht es, dass die D&O-Fälle zunehmen und immer teurer werden, was bedeutet das für Anbieter und Kunden?

Meines Erachtens hat die Selbstverständlichkeit zugenommen, mögliche Fehlentwicklungen in Unternehmen über die Instrumente Managerhaftung und D&O-Deckung nachträglich korrigieren zu wollen. Dadurch hat die Frequenz an Schäden zugenommen. Ob der durchschnittliche D&O-Fall dadurch teurer geworden ist, kann ich statistisch nicht belegen. Was aber klar ist, dass auch viele D&O-Fälle allein dadurch für Versicherer teuer werden, dass immense Abwehr- und Verteidigungskosten entstehen. Das liegt teilweise auch sicherlich an umfangreicheren Kostenbausteinen in D&O-Verträgen. Diese sind nach meiner Wahrnehmung bislang vertragsseitig aber nicht wirklich eingepreist worden. Hier erwarte ich mittelfristig die Notwendigkeit, entweder die vergessene Einpreisung nachzuholen oder – eher unrealistisch – ein Zurückfahren der Produkte auf ihre Kerninhalte.

Wie wird sich das Produkt Financial Lines (FL) entwickeln und warum?

Der Begriff Financial Lines ist im Markt nicht eindeutig definiert. Hierunter können etwa D&O-Versicherungen, Vertrauensschadenversicherung, Cyberversicherungen oder auch W&I-Versicherungen für die Absicherung bestimmter M&A-Risiken fallen. Aus meiner Sicht wird sich hier eine Anpassung dahingehend ergeben, dass Produkte, die unter dem Begriff FL erfasst sind, immer häufiger miteinander kombiniert werden. Vielleicht gibt es irgendwann ja sogar die All-Risk-FL-Police

Welche Rolle spielt Datenschutz bei FL?

Datenschutz spielt sowohl auf Schaden-, als auch auf Vertragsseite eine große Rolle. Die Anforderungen für die Versicherer sind enorm. Ein einheitlicher Standard, wie mit den Vorgaben der DSGVO umzugehen ist, hat sich nach meiner Wahrnehmung noch nicht zu erkennen. Dies gilt allerdings für alle Markteilnehmer, einschließlich beteiligter Anwälte. Es ist meines Erachtens zudem nur eine Frage der Zeit, bis größere Schäden aufgrund von Datenschutzverletzungen, die man schlussendlich dem Management vorwirft, festzustellen sind. Auch Datenschutz ist Compliance.

Was wird die Zukunft im Bereich D&O bereithalten?

Spannende Fälle. Der öffentliche Druck, für Fehlentwicklungen "Schuldige" zu suchen, wird nicht abnehmen. Das ist zwar nicht zwingend gut für die Unternehmenskultur eines Landes, aber mittlerweile unvermeidbar. Parallel wird sich die Produktwelt weiterentwickeln und hoffentlich dafür sorgen, dass D&O-Versicherungen wieder auf das beschränkt werden, was sie originär sind: Haftpflichtpolicen für Risiken aus der Geschäftsleitung. Es täte dem Markt insbesondere gut, wenn Strafrechtsschutzpolicen gestärkt werden und insoweit eine klare Abgrenzung zu D&O vorgenommen wird. Nur glaube ich an eine solche Entwicklung erst, wenn ich sie sehe.
D&O · Anwälte · Bastian Finkel
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