Carsten Zielke
Carsten ZielkeQuelle: mvb
Märkte & Vertrieb

Missglückte Premiere der Versicherer bei CSR-Berichten

Von Mathias von BredowTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Erstmals seit 2018 sind alle Versicherungsunternehmen in Europa mit mehr als 500 Mitarbeitern verpflichtet, CSR (Corporate Social Responsibility)-Berichte vorzulegen, die ihr Engagement im Bereich Soziales und Umwelt darlegen, ohne konkrete Vorgaben. Die Premiere ging gründlich daneben, so das Urteil von Carsten Zielke, Geschäftsführer der Zielke Research Consult GmbH.

Das Unternehmen hat die neuen Bestimmungen zum Anlass genommen, insgesamt 42 deutschen Versicherungen bei ihren pflichtgemäßen CSR-Berichten auf den Zahn zu fühlen. Dabei wurden die Informationen über soziale Aktivitäten und nachhaltiges Handeln der Versicherer für die Umwelt verglichen und der Informationsgehalt der Angaben geprüft. Es wurden dafür jeweils Plus- oder Minuspunkte vergeben. 

 

Die Berichte liefern gemäß der Zielke-Analyse in der Mehrheit ein enttäuschendes Ergebnis. Einige beispielhafte Zahlen belegen dies: Nur zwölf von 42 Versicherungsunternehmen berücksichtigen nachweislich Nachhaltigkeitsaspekte in ihren Kapitalanlagen, lediglich zehn haben ihren "CO2-Fußabdruck" veröffentlicht. Hohe Defizite auch im sozialen Bereich. Zielke sprach Klartext: "Inklusion ist zumeist ein Fremdwort - nur fünf Unternehmen machen dazu Angaben. Dabei wären gerade die Verwaltungsbereiche in der Branche prädestiniert für eine erfolgreiche Umsetzung.“ Dürftig auch die Angaben zur Frauenquote in Führungspositionen, die mit 19 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt (22,6 Prozent) liegt. Nur der Sport ragt etwas heraus: Immerhin 25 von 42 bieten hier Aktivitäten für ihre Beschäftigten an. Riesengroße Unterschiede gab es beim Umfang der CSR-Berichte. Sie reichten von äußerst mageren vier bis zu ausführlichen 188 Seiten, im Mittel waren es knapp 41.

 

Wie wenig schmeichelhaft die Untersuchungsergebnisse für die Versicherer sind, zeigt auch das von Zielke erstellte Ranking. Von theoretisch 15 möglichen Gesamtpunkten erreichten die beiden Erstplatzierten Allianz und Debeka gerade mal sieben Punkte, es folgt die Munich Re mit sechs Punkten. Die besten Werte im Bereich Soziales mit zwei von möglichen acht Punkten erzielten Hallesche, Munich Re und Provinzial Rheinland. Bei der Umwelt führt klar die Allianz mit sechs von sieben möglichen Punkten die Tabelle an.

 

Es sei ernüchternd, so Zielke, wie wenig Mühe sich die meisten Versicherer mit ihren Berichten („viel unkonkrete Prosa“) gemacht haben. Die Geschäftsleitungen hätten noch nicht die Relevanz des Themas erkannt und würden daher die mit CSR-Aktivitäten und –Berichten verbundenen Investitionen geringhalten wollen, auch weil sie die faktischen Auswirkungen ihres Geschäftsfeldes auf die Umwelt als niedrig einschätzen. Diese Sicht der Dinge könnte sich bald als fataler Irrtum erweisen. Angesichts der immer stärkeren Klimaproteste in der Öffentlichkeit müssten die Versicherer aufpassen, nicht am Ende für die junge Kund- und Mitarbeiterschaft unattraktiv zu werden, warnte Zielke.

 

In Frankreich sei die Versicherungsbranche mit dem Thema längst weiter. Dort dienten die CSR-Berichte inzwischen häufig schon als Entscheidungskriterium für Kunden und potenzielle Nachwuchskräfte. Entsprechend konkreter und detaillierter würden sie ausfallen. Die deutschen Versicherer werden indes schon bald aufholen müssen. Die EU wird in Zukunft Nachhaltigkeitsaspekte sowohl im Reporting als auch bei der Vermittlung von Finanzprodukten stärker berücksichtigen. Dies hat u. a. zur Folge, das Versicherungskunden bei Abschluss von Verträgen einen Hinweis erhalten müssen, falls die Produkte keine Nachhaltigkeitskriterien bei den Kapitalanlagen erfüllen.

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