Vorstand des W&W-Konzerns auf der Bilanzpressekonferenz 2019
Vorstand des W&W-Konzerns auf der Bilanzpressekonferenz 2019Quelle: MV
Schlaglicht

Sinkender Überschuss wegen Digitalinvestitionen – W&W sieht sich voll auf Kurs

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der neue Campus der W&W wächst und gedeiht, gleichzeitig ist noch viel zu tun, wie die vielen Baustellen zeigen. Dasselbe gilt für den Konzern, "die Richtung stimme", es sei aber noch "ein weiter Weg zu gehen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Jürgen A. Junker. Am Bereich Versicherung liegt das nicht, auch wenn dort nicht alles glänzt, beispielsweise bei den Kosten.
Bei einem Spaziergang zum neuen Campus fallen die vielen Bagger, Sandberge und Gruben auf, die das Gelände des Konzerns prägen. Das Errichtete sieht allerdings bereits sehr gut und solide aus. Gebaut für die Dauer, nicht für das kurzfristige Ergebnis.
Wüstenrot Campus 2019
Wüstenrot Campus 2019Quelle: MV

Solide Konstanz prägt das Vorgehen des Konzerns, weswegen der Rückgang des Börsenwertes um über ein Drittel innerhalb eines Jahres den Vorstand nur bedingt anficht. "Der Aktienkurs ist nicht die Triebfeder unseres Handelns", erklärt Junker, dass sei das Wachstum des Geschäftes, die Digitalisierung und der Fortbestand des Unternehmens. Die Dividende wird stabil auf dem Vorjahreswert von 65 Cent belassen, dass können man sich laut Junker aufgrund der Zahlen leisten.

 

Ist das so, schließlich ist der Konzernüberschuss nach Steuern von 258 Mio. Euro auf rund 215 Mio. Euro gefallen. Der Konzern kann es wohl.  Der Rückgang war angekündigt und läge "merklich über der Zielmarke von 200 Mio. Euro". Der Reduktion sei der genannte Rückgang des Aktienkurses und die Umstellung auf den IFRS 9-Standard zugrunde zu legen. Zusätzlich investiere das Unternehmen viel Geld, Zeit und Kraft in die Digitalisierung. "Der Wandel ist eingebettet in unser Investitionsprogramm, wir investieren", erklärt Junker. Dellen im Überschuss sind bei einem solchen Vorgehen wohl nur schwer zu verhindern, Aufsichtsrat und Hauptaktionäre würden den Kurs allerdings "mittragen und unterstützen".

 

Das Geschäft scheint unter dem Umbau nicht zu leiden. Sowohl im Bauspar- wie auch im Versicherungsbereich gab es Zuwächse. Das Brutto-Bausparneugeschäft nahm gegenüber dem Vorjahr zu und erreichte 13,8 Mrd. Euro. Die Baufinanzierung verzeichnete ein Wachstum von 14 Prozent auf 5,5 Mrd. Euro. Der Konzern rechnet damit, dass das Bausparen trotz abnehmenden Baulandes in Städten und strengeren Bauvorschriften aufgrund der steigenden Mieten und günstigen Zinsen attraktiv bleibe.

 

Großer Sieger Versicherung

 

Der größte Ertragsbringer war im zurückliegenden Jahr die Schaden- und Unfallversicherung. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen um 5,5 Prozent auf 1,85 Mrd. Euro, der Überschuss von rund 125 auf 131 Mio. Euro. Das Wachstum ist auf das Kfz-Geschäft und die Firmen- und Privatkundensparte zurückzuführen, erklärte Junker. Bei der Personenversicherung gab es bei den gebuchten Bruttobeiträgen eine Steigerung von 4,5 Prozent auf 2,22 Mrd. Euro. Es ist aber nicht alles positiv, wie Thomas Bischof, Vorstandsvorsitzender der Württembergische Versicherungen auf Nachfrage erklärte.

 Thomas Bischof, Vorstandsvorsitzender der Württembergische Versicherungen
 Thomas Bischof, Vorstandsvorsitzender der Württembergische VersicherungenQuelle: MV

In der Schaden- und Unfallversicherung konnte die Schaden-Kostenquote um 1,2 Prozentpunkte auf 89,5 Prozent verbessert werden. Dagegen stieg die Kostenquote im Bereich Schaden um 0,4 Punkte auf 27,6, weil viel Geld und Wissen in die Digitalisierung und Projekte investiert wurde.

 

Gemeint sind unter anderem der Onlineversicherer Adam Riese, mittlerweile 50.000 Kunden, und der Assistent Finanz Guide, 20.000 Beratungsansätze für den Außendienst. Das seien nötige Investitionen, die sich auf Dauer rechnen und amortisieren würden, derzeit aber die Kosten treiben, erklärte Bischof. Ein Dauerzustand könne das nicht sein, das Unternehmen will sich bei der Kostenquote "vor dem Markt positionieren", und zwar ohne Stellenstreichungen, erklärte Bischoff.

 

Neben den Kosten war Bischof im ersten Halbjahr mit dem Bereich bAV und Lebensversicherung "nicht zufrieden". Zwar wären die Ideen gut gewesen, aber es hätte "neun Monate gebraucht, diese umzusetzen". Das sei ihm "zu lange gewesen." Im zweiten Halbjahr "platzte der Knoten und auch in diesem Jahr "laufe es besser". Der Konzern habe jetzt Produktvarianten und Möglichkeiten, im Bereich bAV zuzulegen. Bischof und Junker sehen in diesem Bereich große Wachstumschancen.

 

Die Zukunft, das Alter und der digitale Abschluss

 

Interessant war die Diskussion zur künftigen Ausrichtung des Konzerns. Bischof und Junker erklärten mehrmals unisono, dass der Außendienstvertrieb weiterhin wichtig sei und eine Zukunft habe. "Ich beschäftige mich seit dem Jahr 2001 mit Berechnungen und Prognosen zum Kundenverhalten, sie waren alle falsch", erklärte Bischof. Der Vertreter "werde seit Jahrzehnten totgesagt", doch er ist es nicht und werde es auch künftig nicht sein.

 

Junker ergänzte, dass der Rückgang bei den Vermittlern auch darauf zurückzuführen sei, dass eine Professionalisierung stattgefunden habe und viele Nebenberufler aufgegeben hätten.

 

Bischoff befürchtet keine vollständige Bewegung der Kunden, weg vom Vertriebler, hin zu Google und Check24. Derzeit habe das Unternehmen mit dem Mix aus Vertretern und Online-Angeboten einen Marktanteil von rund zwei Prozent, aber das "zehnfache Potenzial". Der Kunde sei durchaus bereit, für persönliche und gute Beratung ein wenig mehr zu zahlen.

 

Eine Vergreisung des Kundenkreises sieht der Vorstand nicht. Das Unternehmen hätte eine "der jüngsten Ausschließlichkeitsvertreter-Mannschaften" am Markt, die neue, junge Kunden in den Konzern einbringen würden. Das Alter der Mitarbeiter in den sei mit 36 Jahren sogar noch jünger.

 

Die Auswirkungen eines Provisionsdeckels hält Bischof trotz des großen Anteils an Außendienstlern am Vertriebserfolg "für verkraftbar", sprach sich aber deutlich dagegen aus, dass der Staat in wirtschaftliche Aspekte "hineinregiere".

 

Der Umbau des W&W-Konzerns ist noch in vollem Gange, genau wie die Errichtung des neuen Campus.
W&W Campus im vollen Wandel, im HIntergrund die alte Zentrale
W&W Campus im vollen Wandel, im HIntergrund die alte ZentraleQuelle: MV
Das Unternehmen befindet sich auf dem richtigen Weg, wie Junker erklärt: "Wir sind gut unterwegs, wir erreichen unsere Ziele, der digitale Umbau hat die ganze Gruppe erfasst." Es zeige sich schon jetzt, "dass die Richtung stimmt."
Wüstenrot & Württembergische · Jahreszahlen · 2018 · Thomas Bischof · Jürgen A. Junker
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