Wiltrud Pekarek
Wiltrud PekarekQuelle: Ulrich Pfeiffer
Unternehmen & Management

Pekarek: "Die Hallesche setzt verstärkt auf den Markt der Zusatzversicherungen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Private Krankenversicherung (PKV) hatte in den vergangenen Monaten nicht nur sonnige Zeiten erlebt: Die Debatte um Beitragserhöhungen oder die Öffnung der GKV für Beamte hat bei den Krankenversicherern für einige Unruhe gesorgt. VWheute hat exklusiv mit Wiltrud Pekarek, Vorstand der Alten Leipziger-Hallesche, über die aktuellen Entwicklungen gesprochen.

VWheute: Die Hallesche hat aktuell einige Produkte für die Zusatzversicherung auf den Markt gebracht, der Beginn einer Produktoffensive?

Wiltrud Pekarek: Wir betrachten die Zusatzversicherung als Wachstumssegment. Nach unseren Erfolgen in der Pflegezusatz- und betrieblichen Krankenversicherung überarbeiten wir derzeit weitere Produkte. In der Krankenzusatzversicherung haben wir bereits 2016 unser Angebot in der Zahnzusatzversicherung optimiert. Jetzt folgten neue Stationär-Tarife und ein neuer, sehr flexibler, Optionstarif. Dabei ist uns die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden sehr wichtig.

VWheute: Ist der Zusatzversicherungsmarkt ein Wachstumsmarkt, anders als die Vollversicherung, in die Menschen immer schwieriger kommen?

Wiltrud Pekarek: Im deutschen Gesundheitssystem sind die Hürden, um in die Private Vollversicherung zu wechseln, mitunter sehr hoch. Viele Menschen scheitern an der Versicherungspflichtgrenze, wünschen sich aber dennoch eine hochwertige Absicherung ihrer Gesundheit. Der Bedarf an Zusatzversicherungen wird nach unserer Einschätzung zunehmen.

VWheute: Was will das Unternehmen im Bereich Zusatzversicherungen erreichen, gibt es ein konkretes Ziel, warum wurde jetzt mit der Offensive damit begonnen?

Wiltrud Pekarek: Die Hallesche setzt verstärkt auf den Markt der Zusatzversicherungen. Das ist keine Offensive, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung unseres Tarifangebots an die aktuellen und künftigen Marktentwicklungen. Nur wer sich auf geänderte Bedürfnisse einstellt, kann langfristig Kundenwünsche erfüllten. Hier sind wir auf einem guten Weg.

VWheute: Wo sehen Sie im laufenden Jahr die größten Herausforderungen für ihr Unternehmen und die PKV-Branche?

Wiltrud Pekarek: Die PKV-Branche sieht sich immer wieder der Kritik ausgesetzt. Die Zahlen sprechen dabei eine ganz andere Sprache. Auch 2018 waren diese gut und PKV-Kunden sind sehr zufrieden mit den Leistungen ihres Versicherungsschutzes. Der Wertbeitrag der privaten Krankenversicherung zu unserem qualitativ guten Gesundheitssystem ist hoch. Für uns als Branche gilt es, dies immer wieder auch bewusst zu machen. Zu einer der größten Herausforderungen der Versicherungsbranche zählt die Digitalisierung. Wenn Amazon über Nacht liefert, wundern sich Kunden, dass Versicherungsunternehmen mehr Zeit "für ein Stück Papier" benötigen. Aber die Komplexität einer langfristigen Leistungszusage ist eben deutlich höher als die Lieferung eines Kleidungsstückes. Deswegen wird uns bei der Digitalisierung auch mehr abverlangt. Dabei sind wir auf einem guten Weg: Unser neues Gesundheitsportal "hallesche4u" steht beispielsweise kurz vor der Einführung. Damit wollen wir als Gesundheitspartner nah an unseren Kunden sein und in Fragen zur Gesundheit und im Krankheitsfall Mehrwerte über die reine Leistungserstattung hinaus bieten.  

VWheute: Reinhardt Klages, Chefredakteur des PKV-Map-Reports, kritisiert, dass viele Versicherer keine Angaben mehr zum Map-Report machen wollen, er zeigt aber auch Verständnis: "Öffentliche Transparenz zeigt neben den Stärken auch mögliche Schwachstellen der Versicherer auf." Wie stehen Sie zu der Aussage?

Wiltrud Pekarek: Die Hallesche beteiligt sich mehrmals im Jahr an Ratings – eben weil wir transparent sind. Zuletzt bescheinigte uns beispielsweise Assekurata eine sehr gute Unternehmensqualität.

VWheute: Ein homosexueller Mann wollte kürzlich ein Kind in seine private Krankenversicherung einschließen, der Vater ist biologisch gesehen sein Lebensgefährte. Der Versicherer lehnte es ab und bekam vor Gericht recht. Kann so eine Entscheidung rein nach biologischen Gesichtspunkten getroffen werden, der Einschluss adoptierte Kinder ist ja auch möglich. Bereitet sich ihr Unternehmen auf solche ethischen Fragen vor oder wird streng nach Gesetz entschieden?

Wiltrud Pekarek: Als Versicherungsunternehmen unterliegen wir den gesetzlichen Vorgaben. Demnach hat jedes neugeborene Kind in Deutschland den Anspruch, entweder in der Krankenversicherung seiner Mutter oder seines Vaters aufgenommen zu werden. Wie bei heterosexuellen Partnern gilt auch bei homosexuellen Partnern, dass eine Mitversicherung eines Kindes nur dann erfolgen kann, wenn es sich bei dem Versicherten um ein biologisches Elternteil handelt oder das Kind nach deutschen Rechtsvorschriften adoptiert wurde.  

PKV · Hallesche Krankenversicherung · Wiltrud Pekarek
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