Ergo-Konzernsitz in Düsseldorf
Ergo-Konzernsitz in DüsseldorfQuelle: Ergo
Schlaglicht

Ergo bündelt Marke unter einem Dach und setzt auf neue Außendarstellung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Ergo zieht ihr Strategieprogramm augenscheinlich konsequent durch. So will der Düsseldorfer Versicherungskonzern verschiedene Geschäftsfelder und Vertriebswege unter einer der gemeinsamen Dachmarke Ergo bündeln. Auch mehrere Marken sollen unter dem gemeinsamen Dach vereint werden. Der Bund der Versicherten (BdV) sieht indes erhebliche Unstimmigkeiten bei der Solvenz der Ergo Leben.

Demnach soll die Europäische Reiseversicherung (ERV) national wie international schrittweise den Markenauftritt von Ergo übernommen und künftig als Ergo Reiseversicherung auftreten. Auch die Produktmarke D.A.S. soll Unternehmensangaben zufolge im Laufe des Jahres in Deutschland sukzessive in die Ergo überführt. Damit soll die Rechtsschutzssparte noch stärker als bisher vom Auftritt und der Markenbekanntheit von Ergo profitieren, begründet der Versicherer diesen Schritt. "Wir bündeln unsere Stärken und richten unser Geschäft und unseren Markenauftritt konsequent auf veränderte Kundenbedürfnisse aus", kommentiert Ergo-Vorstand Andree Moschner die Neuausrichtung der Konzernmarken. Lediglich die Marke DKV Deutsche Krankenversicherung soll unverändert als am Markt agieren können.

Vermittler und Direktversicherer sollen zusammengeschlossen werden

Darüber hinaus soll auch die Marke Ergo Direkt vom Markt verschwinden. Demnach sollen das Vermittlernetz und der Direktversicherer unter der Marke Ergo zusammenwachsen. Der Versicherer selbst begründet dies mit entsprechenden Kundenbedürfnissen. Demnach sollen die bislang getrennten Internetauftritte der Ergo und der Ergo Direkt Anfang April in einen gemeinsamen Internetauftritt überführt werden. Damit wolle man über alle Vertriebswege ein weiter verbessertes Angebot von Produkten und Services, sowohl durch den persönlichen Vermittler, telefonisch als auch online über digitale Plattformen unter einer Marke, heißt es bei der Ergo weiter.

Ergo sieht Ziele des Strategieprogramms bereits erreicht

Dabei scheinen die aktuellen Bilanzzahlen den Kurs von Konzernchef Markus Rieß wohl zu bestätigen. Mit einem Jahresergebnis von 412 Mio. Euro liegt das einstige Sorgenkind des Mutterkonzerns Munich Re wieder in der Gewinnzone und damit über der angepeilten Marke von 400 Mio. Euro. Den Lackmustest scheint die Ergo damit augenscheinlich bestanden zu haben. Demnach sei die Neuordnung im Ausland mit dem Verkauf von 13 meist kleineren Tochtergesellschaften weitgehend abgeschlossen. Von den knapp 400 Mio. Euro, die Ergo-Chef Rieß einsparen will, sei bereits die Hälfte erreicht. Offen bleibt indes die Zukunft des einstigen Prestigeprojektes "Ergo International Corporate Solutions" (EICS). Mit dem Aufbau eines Industrieversicherers wollte die Ergo neue Zielmärkte in Deutschland und Polen erobern. Ende November 2018 wurde bekannt, dass das Projekt "auf Eis gelegt" wurde - Zukunft ungewiss.

 

Und auch der geplante Personalabbau läuft derzeit augenscheinlich eher geräuschlos über die Bühne. So hatte sich die Ergo bereits im Mai vergangenen Jahres auf die Rahmenbedingungen des internen Strategieprogramms geeinigt. Diese umfassen einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, eine Standortgarantie sowie einen Schutz bei möglichen Outsourcing-Maßnahmen. Zudem solle der bereits bestehende Standortschutz für die Verwaltungsstandorte Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim und München verlängert und erweitert werden. Der Schutz gilt laut Ergo nun bis Ende 2021 und erstreckt sich erstmalig auch auf die Standorte der Itergo, den Standort Nürnberg und bezieht auch den Makler- und Kooperationsvertrieb mit ein. Zudem die Anzahl der Regionaldirektionen der Ergo AO bis Ende 2021 nicht zu reduzieren, sofern die Neugeschäftsziele der Ergo Deutschland erreicht werden.

 

Der bisherige Wasserstand: Von den geplanten 2.100 Stellenstreichungen sind bislang 1.240 erfolgt. Weitere 292 Mitarbeiten haben zudem entsprechende Aufhebungsverträge unterschrieben. Für die verbleibenden Gewerkschaftsmitglieder der Ergo scheint sich der Deal allem Anschein nach ebenfalls zu rechnen: Demnach ist die Ergo seit 1. Januar 2019 neuer Versicherungspartner von zwei Millionen Verdi-Mitgliedern. Wie das Unternehmen mitteilt, wolle man den Gewerkschaftsmitgliedern über den Verdi Mitgliederservice ausgewählte Versicherungs- und Vorsorgeangebote sowie Beratungsleistungen. Die Kooperationspartnerschaft hat eine Laufzeit von zwei Jahren.

Alles im grünen Bereich bei der Ergo Leben?

Selbst in der Lebensparte sieht sich Ergo-Vorstandschef Rieß wieder auf der Erfolgsspur: "Auch in der Lebensversicherung sind wir mit wettbewerbsfähigen Produkten wieder da", betonte er bei der Präsentation der Bilanzzahlen vor wenigen Tagen. So hatte die Ergo das Geschäft mit den klassischen Policen eingestellt. Der Altbestand soll ab dem kommendem Jahr mit dem IT-Partner IBM abgewickelt werden. Damit könnte man  gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, in dem ein neues Gemeinschaftsunternehmen Ergo/IBM die neue, sehr kostspielige IT auch dazu nutzt, um anderen Versicherern die Bestands-Verwaltung anzudienen. Damit würde man selbst in den vermeintlich milliardenstarken "Run-off"-Markt einsteigen.

 

Der Bund der Versicherten (BdV) sieht indes noch "offene Solvenzfragen bei der Ergo Tochter Vorsorge Leben". Auf der Basis einer gemeinsamen Analyse der SFCR-Berichte der Lebensversicherer mit Carsten Zielke (Zielke Research Consult GmbH) sehen die Verbraucherschützer erhebliche Unstimmigkeiten bei der Ergo Vorsorge Leben: "Es geht um etwa 200 Millionen Euro, die der Ergo Vorsorge Leben unter Solvency II an Eigenmitteln fehlen", wird Zielke zitiert. Demnach würden die fondsgebundenen Verträge nach dem SFCR-Bericht für 2017 um 13 Prozent geringer bewertet sind als unter dem Rechnungslegungsstandard nach HGB, heißt es beim BdV. Die Differenz von etwa 200 Mio. Euro werde daher nicht den versicherten Personen zugerechnet, sondern stellten indirekt Eigenmittel des Unternehmens dar, lautet der Vorwurf. "Die Vorsorge Leben tut so, als würden 13 Prozent der Kundenguthaben eigentlich dem Unternehmen gehören", kommentiert Zielke. "Ohne diese indirekte Enteignung der Kundinnen und Kunden könnte die Vorsorge Leben anscheinend nicht genug Solvenzmittel vorweisen", ergänzt BdV-Vorstandsprecher Axel Kleinlein.

 

Die Ergo widerspricht der Ansicht des BdV vehement: "Die dargestellte Betrachtungsweise ist nicht korrekt. Wir halten uns in der Solvency II Berechnung an die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen. Diese führen zu einer korrekten Solvenz Quote von 255 Prozent, die weit über der aufsichtsrechtlichen Anforderung liegt. Die Solvency II Berechnung ist zudem für die Kundenleistungen nicht maßgeblich. Die Zusagen werden davon nicht beeinträchtigt."

 

Weiter schreibt das Unternehmen: "Auf der Aktivseite ist der Marktwert der Vermögenswerte für Index und fondsgebundene Verträge zum Stichtag 31.12.2017 ausgewiesen. Dies entspricht per Definition dem HGB Wert.  In der Solvency II Betrachtung werden die versicherungstechnischen Rückstellungen  (Best Estimate Liability ) barwertig unter Berücksichtigung von best-estimate-Annahmen (Sterblichkeits-, Kapitalwahlrechts- und Stornoannahmen, Zins) gemäß Anforderungen von Solvency II ausgewiesen. Während in HGB die Aufteilung zwischen fondsgebundener und konventioneller Deckungsrückstellung sich nach den Verhältnissen zum Bilanzstichtag bemisst, diskontiert man unter Solvency II die künftige Aufteilung zwischen fondsgebundener und nicht fondsgebundener Bestandteile der Verträge im Verlauf der gesamten Projektionszeit auf den Bilanzstichtag zurück. Eine direkte Vergleichbarkeit der Bilanzen ist damit methodisch nicht gegeben."

Wenning: Verlauf der Ergo ist kein Thema

Ein Verkauf der Ergo scheint für den Mutterkonzern Munich Re jedenfalls kein Thema mehr zu sein. "Ergo ist Bestandteil der Gruppe. Punkt", ließ Konzernchef Joachim Wenning auf der Bilanzpressekonferenz unmissverständlich wissen. Eher im Gegenteil: "Wir können uns in den Zielmärkten von Ergo Zukäufe vorstellen, in sehr materieller Größenordnung". Für die Ergo scheinen die Zeiten tiefgreifender Sanierung nun augenscheinlich vorbei zu sein. Selbst Übernahmen scheinen bei Deutschlands drittgrößtem Versicherungskonzern wieder ein mögliches Thema auf der Tagesordnung zu sein.

 

Anmerkung der Redaktion: Die Antwort der Ergo auf die Vorwürfe des BdV wurde nachträglich eingefügt und war in der Ursprungsversion des Artikels nicht vorhanden. Die Erwiderung erreichte die Redaktion aufgrund einer IT-Störung erst nach Redaktionsschluss.

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