Plakt von Urgewald gegen Hannover Re
Plakt von Urgewald gegen Hannover ReQuelle: Urgewald
Schlaglicht

Umweltaktivisten plakatieren Hannover Re-Stammsitz zu

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kein Unternehmen möchte als Umweltschmutzfink gelten. Doch genau das ist die Hannover Re für den Umweltverband Urgewald. Dieser plakatierte am Hauptsitz des Versicherers Botschaften wie "Hannover Re: Gib dem Klima eine Chance - Stopp die Versicherung von Kohle!". Der Versicherer fühlt sich zu Unrecht angegangen.

Besonders hart für das Unternehmen, viele Mitbewerber haben den Ausstieg bereits vollzogen, sodass die Hannoveraner jetzt den schwarzen (Kohle-) Peter in der Hand halten. Auf den Umstand des Kohleausstiegs anderer Branchengrößen weist der Umweltverband dann auch direkt hin. "Wir kritisieren, dass Hannover Re weiter klimaschädliche Geschäfte mit Kohleunternehmen macht. Und das, obwohl sämtliche großen europäischen Konkurrenten – Munich Re, Swiss Re und Scor – Versicherungsgeschäfte im klimaschädlichen Kohlesektor bereits stark eingeschränkt oder beendet haben."

 

Da hat der Verband einen validen Punkt. VWheute hat sich bereits mehrmals mit dem Thema Kohleabbau und Versicherung beschäftigt, besonders mit den Gründen, warum die Unternehmen sich aus diesem Geschäft zurückziehen. Den Versicherern ist wie kaum einem anderen Wirtschaftszweig bewusst, dass sich das Klima verändert und es deswegen zu mehr schweren Unwettern kommen wird als in der Vergangenheit. Da Braunkohle eine besonders schlechte Klimabilanz aufweist, muss für die Gründe der Ausstiege nur noch eins und eins zusammengezählt werden.

 

"Hannover Re muss aufhören den Klimawandel, gegen dessen Auswirkungen er Kunden versichert, durch Unterstützung des Kohlesektors selbst anzuheizen. Diese Strategie gefährdet uns alle. Die Versicherung von Kohle muss Hannover Re beenden", fordert Regine Richter, Energie-Campaignerin bei Urgewald, dann auch konsequenterweise.

 

Versicherer kümmern sich um das Klima

 

Mittlerweile haben zumindest einige Versicherer tatsächlich eingesehen, dass Gewinne zwar schön, aber ohne funktionierenden Planeten wenig nützen.  Am besten hat es wohl Katharina Latif, Leiterin Corporate Responsibility der Allianz Gruppe, auf den Punkt gebracht: "Der Infrastrukturausbau für Solar- und Windenergie gilt als wichtigster Erfolgsfaktor für die Einhaltung der Pariser Klimaziele. Die Risiken des Klimawandels können nur gemeinsam von engagierten Regierungen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft abgefedert werden."

 

Hannover Re will kein Schmutzfink sein

 

Diesem Statement dürfte sich auch Hannover Re anschließen. Der Rückversicherer sieht sich von Urgewald zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Bei unseren Anlageentscheidungen wenden wir die UN-Global-Compact-Kriterien an. Unternehmen, deren Umsatz zu 25 Prozent oder mehr aus dem Abbau von Kohle oder aus dem Verbrennen von Kohle stammt, haben wir aus unserem Anlageuniversum ausgeschlossen."

 

Im Kerngeschäft der Rückversicherung hat sich das Unternehmen "derzeit keine gesonderten Beschränkungen" auferlegt. Bevor Zusagen für Risikoübernahmen erfolgen, würden grundsätzlich die gesetzlichen Rahmenbedingungen und das Vorliegen von notwendigen Genehmigungen geprüft. Dabei würden auch Umwelt- und Reputationsrisiken berücksichtigt.

 

"Die Hannover Rück deckt grundsätzlich indirekt über Rückversicherung von Erstversicherern die Energieerzeugung aus fossilen Energieformen. Wir sind der Auffassung, dass es besser ist, wenn Risiken, die versicherbar sind und aus genehmigten oder gar staatlich geförderten Projekten stammen, auch versichert werden. Durch die Versicherung findet ein Risikoausgleich statt und bietet so letztendlich Schutz für Betreiber, Anwohner und Verbraucher."

Grundsätzlich würde es das Unternehmen natürlich begrüßen, wenn sich der Energiemix hin zu alternativen Energiequellen entwickeln würde. Insofern versichere das Unternehmen auch die Energieerzeugung aus regenerativen Energien, "indem wir den Bau von Windkrafträdern, den Bau und Betrieb von Solarmodulen und anderen Energiequellen durch Rückversicherungsdeckungen unterstützen". 

 

Ob das reicht, um Urgewald von der Richtigkeit der Unternehmenspolitik zu überzeugen, ist fraglich. Die nehmen den kommenden Chef Jean-Jacques Henchoz in die Pflicht, der zur Hauptversammlung im Mai sein neues Amt antreten wird. "Wir erwarten, dass Henchoz bei Hannover Re einen Kurswechsel einläutet", erklärt die Umweltaktivistin Richter.

 

Die Zukunft wird zeigen, ob er es tut.

Urgewald · Hannover Re · Kohle · Umweltschutz
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