Fällt bald die chinesische Mauer für ausländische Versicherer?
Fällt bald die chinesische Mauer für ausländische Versicherer?Quelle: S.Flint / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Erhalten die Versicherer einen größeren Marktzugang in China?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnte möglicherweise ein Vorteil für ausländische Versicherer sein. So kündigte der stellvertretende Vorsitzende der chinesischen Finanzaufsicht CBRIC am Wochenende auf einer Konferenz in Peking an, dass man ausländischen Banken und Versicherern einen größeren Marktzugang gewähren wolle. Der Kreditversicherer Coface sieht indes einige düstere Wolken am chinesischen Himmel aufziehen.
Nach den Plänen der chinesischen Finanzaufsicht sollen demnach die Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen in der Volksrepublik verbessert werden. Damit wolle man mehr ausländische Geldhäuser und hochwertige Angebote in das Reich der Mitte bringen, heißt es weiter. Bereits im Januar 2019 hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz bei einem Staatsbesuch in China kräftig die Werbetrommel für deutsche Banken und Versicherer gerührt. Angesichts des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie des "Brexit" scheint der Zeitpunkt für eine Liberalisierung des Markzugangs im Reich der Mitte durchaus günstig zu sein. So darf die Allianz beispielsweise als erster deutscher Versicherer in China eine eigene Holding gründen, ohne dass ein chinesisches Unternehmen daran beteiligt ist. Dabei sprach Konzernchef Oliver Bäte von einem "signifikanten Meilenstein". Dabei geht er davon aus, dass die Allianz den China-Ableger im Laufe des Jahres 2019 aufbauen werde und in den kommenden zehn bis 14 Jahren von einem Marktwachstum von etwa 14 Prozent jährlich profitieren soll.
"Nach einer langen Phase lebhaften Wachstums beeinträchtigen nun unvermeidbare strukturelle Probleme auch Chinas Wirtschaft"
Carlos Casanova, Coface Economist für den asiatisch-pazifischen Raum

Der Kreditversicherer Coface sieht indes einige dunkle Wolken am chinesischen Himmel aufziehen. So prognostizieren die Experten in diesem Jahr einen Rückgang des Wirtschaftswachstums in China auf 6,2 Prozent. Zudem glauben 59 Prozent der befragten 1.500 chinesischen Unternehmen, dass sich die Wirtschaft 2019 nicht verbessern wird. Zum Vegleich: Im Vorjahr waren es nur 33 Prozent. Es ist das erste Mal, seit Coface 2003 mit Zahlungsumfragen in China begonnen hat, dass die Skepsis überwiegt. Gleichzeitig stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr auf insgesamt 6.646. So haben 62 Prozent, der befragen Unternehmen bereits Zahlungsverzögerungen hinnehmen müssen. 40 Prozent gaben an, dass sie einen Anstieg verzeichneten, gegenüber 29 Prozent im Jahr 2017.

 

Noch beunruhigender ist, dass der Anteil mit extrem langen Zahlungsverzögerungen um mehr als 180 Tage, die zwei Prozent des Jahresumsatzes überschreiten, von 47 Prozent im Jahr 2017 auf jetzt 55 Prozent gestiegen ist. Der größte Anteil entfiel dabei nach Angaben des Kreditversicherers 28 Prozent auf den Bausektor, gefolgt von der Automobilindustrie (27 Prozent) und den Informations- und Kommunikationstechnologien (25 Prozent). Der Pharmasektor verzeichnete den niedrigsten Anteil (sieben Prozent) vor dem Agrar- und Ernährungssektor (zwölf Prozent).

 

""Die Ergebnisse unserer Umfrage bestätigen, dass sich das Zahlungsverhalten infolge der verschärften Liquidität und des harten Wettbewerbs, der die Gewinnmargen belastet, verschlechtert hat. Da sich das Wirtschaftswachstum weiter verlangsamt, werden sich die Risiken in Sektoren, in denen ein großer Teil der Unternehmen unter einem hohen Schuldendienst leidet, verstärken", konstatiert Carlos Casanova, Coface Economist für den asiatisch-pazifischen Raum.

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