Wetter und Klima - und die Folgen
Wetter und Klima - und die FolgenQuelle: Rudolpho Duba  / www.pixelio.de / PIXELIO
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Wie viel Klimawandel steckt im Wetter?

Von Darius PissullaTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Begriffe Wetter und Klima werden im täglichen Sprachgebrauch häufig verwechselt oder gleichbedeutend verwendet. Während Wetter den momentanen Zustand der Atmosphäre beschreibt, ist mit Klima die Summe der Wahrscheinlichkeiten von Wetterereignissen gemeint – und diese Ereignisse können auch mal extrem sein. Extremwetterereignisse hat es schon in der Vergangenheit gegeben und es wird sie auch in Zukunft geben. Mit dem Klimawandel kommt jedoch ein Faktor hinzu, der die Wahrscheinlichkeit des Auftretens verschiebt.  Ein Gastbeitrag zum Welttag der Meteorologie.

Dass die weltweite mittlere Temperatur seit Jahren steigt, ist offensichtlich und die Auswirkungen dieser Temperaturänderung bekommen wir schon heute zu spüren, nicht erst in 20-30 Jahren. Einfache physikalische Zusammenhänge zeigen auf, dass lediglich um 1°C wärmere Luft rund 7 Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Dies führt dazu, dass (Wirbel-) Stürme mehr Wasser mit sich führen können und dieser Überschuss an Wasser besitzt das Potenzial über Land zu verheerenderen Überflutungen zu führen.

 

Eine weitere Kausalität ist, dass es durch die Erhöhung der weltweiten mittleren Temperatur vermehrt zu extremen Hitze- und Trockenperioden kommen wird. Bei beiden Effekten sind sich die Meteorologen ganz sicher, dass sie sich in Zukunft häufen werden. Für diese Ereignisse haben die Atmosphärenforscher ausreichend lange Zeitreihen, um mögliche Effekte des Klimawandels zu belegen.

 

Wenn es um Wirbelstürme und den Einfluss des Klimawandels auf deren Frequenz und Intensität geht, sind die Beobachtungszeitreihen allerdings noch zu kurz oder lückenhaft. Erst seit den 1980er Jahren, als die ersten Satelliten das globale Wettergeschehen beobachten konnten, können Meteorologen mit Gewissheit sagen, dass kein Wirbelsturm mehr unentdeckt geblieben ist. Das gleiche Problem besteht bei der Beobachtung von extremen Hagelereignissen – manche von ihnen sind lokal und nicht überall stehen Messgeräte oder Beobachter, die ein solches Vorkommnis melden können.

 

Um den Einfluss des Klimawandels auf die jüngsten Extremwetterereignisse quantitativ einschätzen zu können, sind, einfach ausgedrückt, zwei Rechenmodelle notwendig: eines, das den aktuellen Klimawandel abbildet und eines, das ihn nicht berücksichtigt. Basierend auf den Klimamodellberechnungen werden Wahrscheinlichkeiten des Auftretens eines Ereignisses verglichen und der Einfluss des Klimawandels wird offensichtlich. Dieser relativ junge Wissenschaftszweig nennt sich Attributionsforschung und wird von der deutschen Klimatologin Friederike Otto an der Universität Oxford vorangetrieben.

 

Bisher ist diese Zuordnungsmethode nur auf großflächige Extremwetterereignissen wie Dürren, Hitzewellen und Niederschläge anwendbar. Die weltweiten Klimamodelle können hingegen lokal begrenzte Wetterereignisse wie Wirbelstürme, Tiefdruckgebiete mit ihren Fronten oder Hagelschauer nicht präzise genug ab- und nachbilden. Dennoch, ein erster Schritt in Richtung der Quantifizierung des Einflusses des Klimawandels auf unser Wetter und mögliche Extremereignisse ist getan. In der Praxis bedeutet das: Unsere Wetterexperten können mittlerweile aufzeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Hitzewelle wie wir sie im Sommer 2018 erlebt haben bereits auf das doppelte angestiegen ist, im Vergleich zu einer Welt ohne durch Menschen verursachten Klimawandel.

 

Die Quantifizierung der möglichen Effekte des Klimawandels ist auch die wesentliche Herausforderung, die das Geschäftsmodell der Erst- und Rückversicherer betrifft. Insbesondere international operierende Rückversicherer können bei risikogerechter Prämie ausreichend Kapazitäten in Form von Risikokapital bereitstellen, um finanziellen Schutz gegen die zusätzlichen Effekte des Klimawandels auf die bestehenden Versicherungslösungen anzubieten.

 

Der Klimawandel wird bekannte Risiken und deren Einschätzung verändern. Es werden neue, bisher noch unbekannte Risiken auftreten und beide Effekte werden zusätzliche Bevölkerungsgruppen betreffen, die bisher noch wenig Versicherungsschutz besitzen.

 

Innovative Versicherungslösungen und die erforderliche Quantifizierbarkeit der Risiken sind dazu geeignet, eine finanzielle Kompensation für die absehbaren Effekte aus dem Klimawandel bereitzustellen und rechtzeitig Maßnahmen zur Reduzierung möglicher Risiken zu motivieren.

Hannover Re · Klima · Meterologie · Extremrisiken
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