Claus Schickler
Claus SchicklerQuelle: epo
Märkte & Vertrieb

Paradigmenwechsel bei nachhaltigen Investments

Von Elke PohlTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Allianz vollzieht gerade einen Paradigmenwechsel bei der nachhaltigen Kapitalanlage, wie Claus Schickler, Managing Director & Global Co-Lead bei der Allianz Investment Management SE (AIM), betont. "Nachhaltigkeitsorientierung passt nach meiner Meinung sehr gut zum Geschäftsmodell von Versicherungen, die ja in erster Linie Risiken managen", erklärte er jüngst während einer Fachveranstaltung in Leipzig.
Es handele sich dabei um keine Modeerscheinung, sondern eine neue "Corporate-DNA", die sich aufgrund von Anforderungen aus Umweltschutz, Politik, Kundenwünschen und Regulierung zwangsläufig ergebe und neue Geschäfts- und Betriebsmodelle erfordere. Ausdruck dessen sei zum Beispiel, dass junge Mitarbeiter beim Einstellungsgespräch gezielt nach dem sozialen Engagement des Unternehmens fragen würden, so Schickler

Die dritte Dimension

AIM ist für die Steuerung der Kapitalanlagen verantwortlich, die weltweit aus den Versicherungsbeiträgen von Allianz Versicherungsunternehmen der Bereiche Leben/Kranken sowie Unfall/Schaden getätigt werden. Insgesamt beträgt die Anlagesumme 670 Milliarden Euro. Neben Rendite und Risiko käme nun eine dritte Dimension – die Auswirkungen der Investments auf die Welt - dazu, so der AIM-Chef. Dabei müsse global gehandelt, ESG (Environment Social Governance) müsse also die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. "Einzelne Sparten ESG-tauglich zu machen ist sinnlos ebenso wie einzelne Asset-Klassen", ist er überzeugt. Er hält nachhaltiges Investment „nicht für eine Sache der Pressestelle", sondern für einen elementaren Bestandteil des Investmentprozesses und absolut "wirkungsorientiert". Das treffe auch auf die Auswahl der entsprechenden Asset-Manager zu. Neu sei auch, dass man von der früheren Position abrücke, alles selbst machen zu wollen im Unternehmen. Skills, die nicht im Unternehmen vorhanden sind, würden durch gemeinsame Arbeit mit externen Partnern wie u.a. NGOs dazu gewonnen.

Transparenz und Dialog

Man setze beim ESG-Investmentprozess deutlich auf Transparenz und Dialog, fuhr er fort. Das Portfolio werden mit Hilfe des MSCI ESG Scoring Index gescored. Auf Unternehmen mit schlechten MSCI-Werten gehe man aktiv zu, um Ursachen zu finden und zu diskutieren. "Je nachdem, wie die Reaktion der Unternehmen ausfällt, entscheiden wir uns dafür es drin zu behalten oder auszusteigen", machte er weiter deutlich. Natürlich sei dieses Vorgehen nur aufgrund der Größe und Bedeutung der Allianz möglich.

Regulierungsdruck muss steigen

Einen Schwellwert, ab wann eine Investition den ESG-Kriterien der Allianz entspricht, war von Schickler nicht zu erfahren. Die definierten Ausschlüsse wie die Produktion von Streubomben seien nicht verhandelbar; ansonsten gebe es viele Spielarten. Vor allem, wenn man wie die Allianz weltweit engagiert sei. Die nationalen Besonderheiten müssten berücksichtigt werden. Daher arbeite die Allianz mit ESG-Mindeststandards. Er zeigte sich überzeugt, dass der regulatorische Druck in diesem Bereich steigen müsse. Zwar seien "Green Bonds" gerade en vogue, es fehle aber an einheitlichen Regeln. "Die Allianz will bei dieser Entwicklung vorn mit dabei sein und bei Bedarf als kompetenter Gesprächspartner zur Verfügung stehen", erklärt er.

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