Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender Bayerische
Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender BayerischeQuelle: Bayerische
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Die Bayerische will mit neuer Ausrichtung wie Amazon sein

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Der größte Teil der Zukunft liegt noch vor uns", sagte der Basketballtrainer Denny Crum einst. Genau diese Zukunft will der Versicherer aus München mit einer neuen Ausrichtung selbst gestalten. Das Vorbild ist niemand geringeres als Amazon. VWheute hat bei der Bayerischen einmal genauer nachgefragt.

Im Mittelpunkt der Neuausrichtung steht der Kunde und dessen Bedürfnisse. Damit dieser künftig zufrieden gestellt wird, hat das Unternehmen ein Transformationsprogramm unter dem Namen "Bayerische goes Amazon" ins Leben gerufen. Der amerikanische Riese soll Inspiration, nicht Pausvorlage sein. "Wir wollen natürlich nicht den amerikanischen Handelsriesen imitieren, sondern uns von dessen Ideen inspirieren lassen. Wir fokussieren uns konsequent und zu hundert Prozent auf die Bedürfnisse der Kunden. Das ist unser Maßstab, aber es ist zugegebenermaßen auch in der Konsequenz neu für uns", erklärt der Vorstandsvorsitzende Herbert Schneidemann ehrlicherweise. "Unser Denken dreht sich vollständig um unsere Versicherten und unsere Vertriebspartner. Danach richten wir unsere internen Prozesse neu aus."

 

Die Ausrichtung auf den Kunden könne bedeuten, scheinbar unverzichtbare Branchenregeln "in Frage zu stellen". Zu Ende gedacht könne das "vielleicht sogar das Versichern überflüssig machen" und das Unternehmen dazu bringen, sich "auf die Vorsorge zu konzentrieren". "Wir wissen, das ist ein großer Anspruch", erklärt Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen. "Aber unsere Gesellschaft, in der wir leben, verändert sich gravierend und in einem atemberaubenden Tempo, kaum etwas bleibt wie es war. Darauf wollen wir uns einstellen."

 

Und zwar so

Damit es nicht bei leeren Worten bleibt, hat der Versicherer eine Reihe von Veränderungen auf den Weg gebracht. Die Ressorts der Versicherungsgruppe wurden neu kombiniert und die Bereiche Unternehmensorganisation, IT, Vertrieb und Marketing in einem Ressort gebündelt. Die Bayerische Digital Holding wurde gegründet, die Einheit soll die IT-Aktivitäten der Gruppe zusammenfassen. Des Weiteren ist die Bayerische Prokunde AG erschaffen worden, die die vertrieblichen Aktivitäten der Gruppe steuert. Die Prokunde vertreibt bereits über Beteiligungen wie die Nettowelt oder die Compexx die Produkte von Dritten. Beide Unternehmen seien offen für Kooperationen.

Der Transformationsprozess der Bayerische wird in fünf Teilprojekten umgesetzt, wofür mehr als 15 Mio. Euro investiert werden. Die eigenen Mitarbeiter werden beim Neubau mitgenommen. Das Programm wird begleitet durch eine umfassende Qualifikation des eigenen Personals in der Anwendung" moderner Instrumente und Methoden zur Erarbeitung neuer Geschäftsmodelle, der Verbesserung der eigenen Prozesse sowie der Realisierung digitaler Projekte".

 

So befassen sich diese "mit der Entwicklung des Geschäftsmodells Prime Home, mit dem Thema Markenschärfung, Vertriebsstrategie, unsere Lösungen rund um das Thema Gewerbe und mit der Organisationsentwicklung sowie Transformationskommunikation. Zusätzlich spielt das Thema Kundenfokussierung eine tragende Rolle. Hier können wir verraten, dass es bald ein Kundenkonto geben wird, das als Kundenvertragsmanager fungieren wird. Einer unserer Transformationspartner ist sum.cumo, mit dem wir erfolgreich im Online-Produktvertrieb unterwegs sind. Außerdem arbeiten wir mit dem externen Anbieter Novum zusammen, mit dem wir für unseren Kompositversicherer ein neues Bestandsführungssystem einführen. Nebenbei stellen wir dieses Know how auch Kunden zur Verfügung", erläutert die Bayerische auf Anfrage von VWheute

 

Leitsätze und Ziele

 

Die Bayern sprechen von einer "neuen Vision für die Marke", die DNA des Unternehmens wurde in 15 Leitsätzen zusammengefasst, demnach sollen die Mitarbeiter unter anderem "erfinden und vereinfachen" und in "großen Dimensionen denken". Demnach sei man "überzeugt von unserer Zukunftsfähigkeit aber nur dann, wenn wir uns an unseren Kunden ausrichten. Hier drängt enorm die Zeit, weshalb wir bereits die Sieben-Meilen-Stiefel geschnürt haben und die Chancen, die uns die Digitalisierung bietet, nutzen. Hierbei sehen wir Insurtechs nicht nur als Inspiration, sondern auch als Verbündete. Dementsprechend arbeiten wir bereits mit der elektronischen Unterschrift InSign oder jetzt ganz neu mit Partnern wie OptioPay die uns im psd2 Umfeld unterstützten", heißt es von der Bayerischen.

"Unser Ziel ist es, für den Kunden relevant zu bleiben, denn nur dann braucht er uns. Daher denken wir in Lösungen und nicht in Produkten. Dies haben wir bereits unserem Zukunftsprogramm High 5 zu Grunde gelegt - das Transformationsprojekt Bayerische goes Amazon ist ein Teil davon. Die Ziele die wir bei High 5 definiert haben, sind die Erhöhung der Beitragseinnahmen auf 500 Millionen Euro, 50 Mio. Euro kumulierter Gewinn in fünf Jahren, Erhöhung der Markenbekanntheit, Prozessoptimierung und Digitalisierung, Ausbau unseres Exklusivvertriebs auf 400 Leute, Steigerung der Anzahl unserer Kunden auf 700.000 sowie einen Kulturwandel innerhalb des Unternehmens. Als Zielsetzung haben wir uns hier das Jahr 2020 gesteckt, haben jedoch eine Vielzahl der genannten Ziele bereits heute erreicht bzw. stehen kurz davor, diese zu erreichen. Insgesamt sind wir hier also sehr gut unterwegs, das zeigt auch das enorme Wachstum unserer Zahnzusatzversicherung um 336 Prozent oder auch die extreme Steigerung im Bereich Biometrie mit unserer Berufsunfähigkeitsversicherung und der neuen Grundfähigkeitenversicherung. Hier haben wir das Neugeschäft verdoppelt", betont der Münchener Versicherer weiter

 

Zudem arbeite man "daran, bestehende Geschäftsmodelle noch zielgerichteter und fokussierter auf den individuellen Kunden auszurichten. Wir stellen uns dabei die Frage: Stiften diese wirklich einen Nutzen? Sind sie zukunftsfähig? Ein Beispiel hier für ist das Teilprojekt Prime Home. Hier haben wir Fokusgruppen eingerichtet, mit dem Ziel, Endkunden auf ihren individuellen Bedarf hin zu interviewen, der deutlich über ihren Versicherungsbedarf hinausgeht. Wir möchten in Zukunft nicht nur Versicherungen anbieten, sondern bedarfsgerechte Vorsorgelösungen, die bereits vor dem eigentlichen Schadenfall ansetzen. Dafür haben wir beispielsweise eine Kooperation mit Devolo. Ziel ist es, das Zuhause so auszustatten, dass z.B. ein Einbruch bereits im Vorfeld verhindert werden kann", erläutert der Konzern gegenüber VWheute weiter.

"Auch werden wir unsere Marke weiter schärfen und unsere Vertriebsstrategie auf neue Beine stellen. Unsere (bestehenden und neuen) Ziele und Geschäftsmodelle müssen wir am Ende des Tages natürlich auch umsetzen können. Dafür brauchen wir schlanke und schnelle Prozesse sowie eine effiziente Organisation. Erste konkrete Maßnahmen konnten auch hier bereits umgesetzt werden. So haben wir zusätzlich rund 30 neue Mitarbeiter (teilweise als Nachfolge, teilweise als Zusatzeinstellung) bei der Bayerischen neu eingestellt sowie unsere IT-Säule mit unseren Beteiligungen wie BIT, IS2 und sum.cumo von 200 auf 300 Mitarbeiter verstärkt. Ebenfalls wurden Investitionen im Bereich Prozessoptimierung und IT-Infrastruktur getätigt."

Es ist nichts Neues, dass Unternehmen sich eine neue Strategie verordnen und auf die Kreativität der eigenen Mitarbeiter setzen. Die Baloise hat im Jahr 2017 ihren Plan 'Simply Safe' vorgestellt und diesen direkt mit konkreten Zielen verbunden. So sollen bis zum Jahr 2021 eine Million neuer Kunden gewonnen werden.

die Bayerische
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