Parteizentrale der CSU in München
Parteizentrale der CSU in MünchenQuelle: dpa
Politik & Regulierung

CSU wirbt für "Rentenschutzschirm im Alter"

Von VW-Redaktion und Manfred BrüssTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Lebensleistung von Menschen die jahrzehntelang gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, verdient Anerkennung. Da sind sich die Parteien im Bundestag noch einig. Über das Wie kann man trefflich streiten. Die CSU hat jetzt ihr Modell für einen "Schutzschirm bei der Altersrente" vorgelegt. Die bayerische Staatsregierung zielt dabei auf die Stellschrauben Freibeträge und Schonvermögen im Rahmen der Grundsicherung im Alter ab. Das dreiseitige Konzeptpapier liegt VWheute vor.

"Wir wollen eine zielgenaue und bürokratiearme Lösung aus einer Hand", schreiben sie CSU-Sozialpolitiker. Fürsorgesystem und Versicherungssystem würden nicht vermischt, sondern in einer Hand bei der Grundsicherung belassen. Die CSU schlägt dabei bei Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung einen Freibetrag in der Grundsicherung in Höhe von maximal 212 Euro im Monat vor. Einen solchen Freibetrag gibt es bereits für Ansprüche aus der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und der privaten Altersversorgung. Die Voraussetzungen wären hier 35 Beitragsjahre/Kindererziehungszeiten oder Pflegezeiten sowie Bedürftigkeit. Die Kosten schätzen die Christlichsozialen auf etwa 445 Mio. Euro pro Jahr, wobei 175.000 Anspruchsberechtigte von dem Rentenschutzschirm profitieren würden.

Daneben will die Regierungspartei einen zusätzlichen Freibetrag in Höhe der Mütterrente, was zu weiteren Kosten von 50 bis 60 Mio. Euro im Jahr führen könnte. Zudem soll das Schonvermögen in der Grundsicherung im Alter von 5.000 auf 15.000 Euro erhöht werden. Das von Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) vorgelegte Modell einer Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung sieht die CSU sehr kritisch. "Das Konzept von Bundesminister Heil einer Aufstockung von Rentenanwartschaften ohne Bedarfsprüfung ist Rentenpolitik mit der Gießkanne. Wir lehnen dies ab."

OECD: Bundesbürger fürchten sich vor Altersarmut

Glaubt man einer aktuellen OECD-Umfrage, sehen immerhin 76 Prozent der Deutschen in der "finanziellen Situation im Alter" derzeit die Hauptsorge. Gleichzeitig wünschen sich 78 Prozent der Befragten von der Bundesregierung, dass sie mehr für ihre wirtschaftliche und soziale Sicherheit tut. Noch höher sind die Werte nur noch in Griechenland, Chile, Mexiko, Portugal und Litauen. Zudem sind 77 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass Reiche stärker besteuert werden sollten, damit die Regierung Ärmere stärker unterstützen kann. Auch in Österreich finden das mehr als 70 Prozent, in den USA erhält diese Aussage mehr als 60 Prozent Zustimmung, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf die Umfrage. Immerhin wären 45 Prozent der Bundesbürger bereit, etwa zwei Prozent mehr für Sozialbeiträge auszugeben, wenn sie dafür eine höhere Rente erhalten würden.
Nur wenige Deutsche freuen sich auf das Alter
Nur wenige Deutsche freuen sich auf das AlterQuelle: Statista
So verwundert es auch nicht, dass sich nur eine Minderheit der Bundesbürger auf ihren Lebensabend im Alter freut. Demnach sagen nur 31 Prozent der Deutschen, dass sie der Gedanke an das Alter positiv stimmt. Mehr als jedem Zweiten (52 Prozent) bereitet das Älterwerden sogar explizit Sorgen. Damit liegt die Bundesrepublik immerhin im globalen Trend, freut sich doch gerade einmal jeder Dritte (33 Prozent) darauf alt zu werden. Ganz anders sieht dies laut einer jüngst veröffentlichten Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos hingegen in Indien aus: Immerhin 73 Prozent der Befragten freuen sich demnach auf das Alter. In der Türkei sind es 67 Prozent, in Polen noch 62 Prozent der Befragten. Selbst in Saudi-Arabien (58 Prozent) und China (52 Prozent) freut sich die Mehrheit der befragten Bürger auf den späteren Lebensabend. Am schlechtesten schneidet indes Ungarn (sieben Prozent) ab.
"Ein Land mit einer immer älter werdenden Bevölkerung muss sich ernsthafte Gedanken darüber machen, wie die allgemeine - über finanzielle Fragestellungen hinausgehende - gesellschaftliche Teilhabe älterer Mitbürger gesichert werden kann. Die Hoffnung mag dabei auch auf neuen Technologien liegen."
Robert Grimm, Leiter der Ipsos Sozial- und Politikforschung

Eine wesentliche Rolle spielen dabei laut Studie aber auch sozioökonomische Faktoren: Die Aussicht aufs Altwerden bereitet den deutschen Befragten mit niedrigem Bildungsstand (69 Prozent) und geringem Einkommen (61 Prozent) signifikant mehr Unbehagen als ihren Mitbürgern mit hohem Bildungsniveau (44 Prozent) und gutem Verdienst (43 Prozent). Global gesehen wird die Sorge darüber, im Alter nicht genug Geld zum Leben zu haben, in der Studie am häufigsten genannt (30 Prozent). Jeder Vierte weltweit fürchtet außerdem den Verlust der Mobilität (26 Prozent) sowie den Verlust des Gedächtnisses (24 Prozent). In Deutschland wiegt die Angst vor Altersarmut (31 Prozent) ebenfalls am schwersten. Die Sorge vor dem Tod von Familienmitgliedern und Freunden (25 Prozent) sowie die Angst vor Schmerzen (20 Prozent) und Einsamkeit (18 Prozent) ist in den Köpfen der Deutschen wiederum deutlich präsenter als in vielen anderen Ländern der Welt. Immerhin rechnen vier von zehn Bundesbürgern (44 Prozent) damit, auch im hohen Alter noch über eine gute Fitness und Gesundheit zu verfügen. Zum Vergleich: Während in Kolumbien (89 Prozent), Argentinien und China (jeweils 88 Prozent) neun von zehn Personen dieser Einschätzung zustimmen, sind die Japaner (23 Prozent), Franzosen (20 Prozent) und Südkoreaner (17 Prozent) deutlich skeptischer. 

"Die Ipsos Zahlen zeigen deutlich, dass viele Deutsche dem Renteneinstieg mit großer Sorge entgegengesehen. Vor allem die Angst vor Altersarmut treibt viele von uns um. Was wird am Ende eines Arbeitslebens unterm Strich übrig bleiben? Geht der Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit mit einem sozialen Abstieg einher? Derzeit debattieren die Parteien darüber, wie eine gerechtere Rentenregelung aussehen könnte. Natürlich ist die finanzielle Sicherung ein wichtiger Baustein für einen angenehmen Lebensabend. Die Studienergebnisse zeigen darüber hinaus aber auch einen Bedarf, die öffentliche Debatte zur Zukunft des Alterns über das Thema Altersarmut hinaus zu erweitern; denn auch das eigene gesundheitliche Wohlbefinden, die Aussicht auf eine eingeschränkte Mobilität sowie die drohende Vereinsamung im Alter bereiten vielen Bürgern Sorge. Ein Land mit einer immer älter werdenden Bevölkerung muss sich ernsthafte Gedanken darüber machen, wie die allgemeine - über finanzielle Fragestellungen hinausgehende – gesellschaftliche Teilhabe älterer Mitbürger gesichert werden kann. Die Hoffnung mag dabei auch auf neuen Technologien liegen", kommentiert Robert Grimm, Leiter der Ipsos Sozial- und Politikforschung, die Studienergebnisse.
CSU · Rentenschutzschirm
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