Immoilien
ImmoilienQuelle: Petra Dirscherl / PIXELIO (www.pixelio.de)
Schlaglicht

Sind Versicherer die besseren Bausparkassen?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Immobilienboom wird auch für die Lebensversicherer zu einem immer lukrativeren Zusatzgeschäft. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jüngst mitteilte, stieg das Volumen der ausgezahlten Immobiliendarlehen im vergangenen Jahr um 11,8 Prozent auf 8,4 Mrd. Euro. Der weitaus überwiegende Teil der Kreditzusagen dient zur Finanzierung von Eigenheimen und Eigentumswohnungen, knapp 14 Prozent der zugesagten Darlehen sind für den Bau größerer Mietshäuser reserviert.
Zudem fallen die neu zugesagten Kredite nach Angaben des Branchenverbandes zu rund 29 Prozent auf den Wohnungsneubau. Weitere 45 Prozent entfallen auf den Kauf von Bestandsimmobilien und rund 26 Prozent auf die Ablösung von Altkrediten. "In der anhaltenden Niedrigzinsphase ist die Immobilienfinanzierung für Lebensversicherer eine attraktive Kapitalanlage. Hypothekenkredite bieten nicht nur hohe Sicherheiten, sondern auch höhere Renditen als langlaufende Staatsanleihen bester Bonität", kommentiert GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener die aktuellen Zahlen
Ausgezahlte Immobilienkredite der Lebensversicherer
Ausgezahlte Immobilienkredite der LebensversichererQuelle: GDV

Und dennoch: Gemessen an der Summe der insgesamt ausgezahlten Wohnungsbaukredite ist der Marktanteil der Lebensversicherer immer noch relativ gering. Jüngsten Angaben des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken zufolge stammten allein im Jahr 2017 nur rund vier Prozent aller der Immobilienkredite für Privathaushalte von Versicherungsgesellschaften. Dabei bieten gerade diese oftmals die besseren Baukredite, wie eine aktuelle Untersuchung der FMH-Finanzberatung aus Frankfurt am Main für die Wirtschaftswoche herausfand. Ein möglicher Grund dafür: Während die meisten Banken vor allem Darlehen mit einer Laufzeit von bis zu 15 Jahren anbieten, vergeben Versicherer problemlos auch Kredite mit einer Zinsbindung von 20 oder gar 30 Jahren. "Insbesondere bei längerfristigen Krediten mit 15 bis 30 Jahren Laufzeit bieten Versicherer günstige Konditionen", wird Max Herbst von FMH zitiert.

Ein Grund für diese Entwicklung liegt nach Ansicht der Finanzexperten unter anderem darin, dass Versicherer nicht ihr gesamtes Kundengeld in Staatspapiere mit Null- und Negativrenditen stecken wollen, suchen sie nach Alternativen, mit denen sich etwas mehr verdienen lässt. Dabei seien Kredite für Haus- und Wohnungskäufer eine entsprechende Alternative, heißt es weiter. "Zudem rechnen sich wohl viele Versicherer aus, ihren Kreditkunden zusätzliche Policen im Sachversicherungsgeschäft verkaufen zu können", glaubt Finanzexperte Herbst.

Nachfrage nach Wohneigentum ist weiterhin groß

Dabei ist die Nachfrage nach Wohneigentum in Deutschland weiterhin ungebrochen, wie der aktuelle Wohnatlas 2019 der Postbank belegt. Die Folge: Die Preise gehen kontinuierlich weiter nach oben - und das nicht mehr nur in den großen Metropolen. Auch der ländliche Raum wird zunehmend vom Preisauftrieb bei den Immobilien erfasst. Mit Abstand am teuersten ist und bleibt demnach die bayerische Landeshauptstadt München mit einem Durchschnittswert für Bestandsbauten von 7.509 Euro. Das sind 8,7 Prozent mehr als im Jahr 2017. Frankfurt am Main bleibt im Ranking der teuersten Städte Deutschlands weiter auf Platz zwei mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 5.058 Euro. Der starke Anstieg um 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sorgt laut Postbank dafür, dass sich die deutsche Bankenmetropole spürbar von der Hansestadt Hamburg absetzt, die mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 4.587 Euro auf Platz drei liegt. Auch Berlin holt weiter auf und verzeichnet mit einem Plus von 11,4 Prozent den stärksten Anstieg unter den "Big Seven". Mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 4.166 Euro liegt die Bundeshauptstadt damit auf Platz fünf.
Was kostet Wohneigentum in Deutschland?
Was kostet Wohneigentum in Deutschland?Quelle: Postbank
Deutlich erkennbar ist laut Studie auch ein deutliches Süd-Nordgefälle. Teuerster Landkreis ist demnach Miesbach (Bayern) mit durchschnittlich 5.615 Euro pro Quadratmeter - einem Plus von immerhin 14,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dahinter folgt Starnberg mit etwa 5.613 Euro pro Quadratmeter. Nordfriesland ist mit einem Quadratmeterpreis von etwa 

5.588 der einzige Landkreis außerhalb Bayerns und Baden-Württembergs unter den Top-Ten-Regionen. Den mit Abstand rasantesten Preisanstieg verzeichnet Suhl im Süden Thüringens. Dort wurden Wohnungen und Häuser um knapp die Hälfte teurer. In den Landkreisen Kronach (Oberfranken, nahe thüringische Grenze) und Kyffhäuserkreis (Nordthüringen) stiegen die Preise zwar etwas langsamer, aber dennoch betrug der Preisschub mehr als 40 Prozent.

Kaufpreisentwicklung bei Eigentumswohnungen
Kaufpreisentwicklung bei EigentumswohnungenQuelle: Postbank
"Die Immobilienpreise kennen derzeit nur eine Richtung, nämlich aufwärts. Solange die Niedrigzinsphase anhält und Baukredite günstig sind, ist eine Trendwende nicht zu erwarten. Die Menschen suchen im Wohneigentum eine sichere Geldanlage, in und um die Metropolen wird es zunehmend eng und teuer, deshalb weichen Kaufinteressierte verstärkt in den ländlichen Raum aus."
Eva Grunwald, Leiterin Immobiliengeschäft Postbank.
Ökonomen des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln haben indes herausgefunden, dass die Ballungszentren zwar vor allem für Studierende und Berufseinsteiger attraktiv bleiben. Familien bevorzugen dagegen zunehmend das Umland der Großstädte. Einen wesentlichen Grund für die Entwicklung sehen die Wirtschaftswissenschaftler vor allem darin, dass Deutsche im Schnitt offenbar Wert auf relativ große Wohnungen legen - und die existieren in den Städten eben kaum zu erschwinglichen Preisen.
So verwundert es nicht, dass die deutschen Versicherer nach einem Bericht des Handelsblatt ihre Immobilieninvestments in den vergangenen Jahren stark erhöht haben. Lag die investierte Summe 2011 noch bei 36,1 Mrd. Euro, kletterte sie bis 2017 auf 52,1 Mrd. Euro. Darin nicht enthalten seien die vergebenen Immobilienkredite - vornehmlich für Gewerbeimmobilien. Diese summieren sich laut Bericht auf weitere acht Mio. Euro. Spitzenreiter unter den Versicherern ist dabei die Berliner Ideal, die mittlerweile rund 20 Prozent in Immobilien investiert hat. Das Problem allerdings: In jüngster Zeit sind die Preise sowohl bei Wohn- als auch Gewerbeimmobilien stärker gestiegen als die Mieten. Die Folge: Sinkende Renditen. Allein in den großen Metropolen werfen Wohnimmobilien laut Bericht bereits teils weniger als zwei Prozent ab. Auch bei Büros liege die Anfangsrendite in Städten wie München, Berlin oder Hamburg nurmehr bei drei Prozent.
Laut einer Analyse der UNEP Finance Initiative gehören Versicherer mit einem geschätzten Vermögen von rund 20 Billionen Euro zu den kapitalstärksten Investoren. Spitzenreiter ist dabei die Allianz mit rund 900 Mrd. Euro, dicht gefolgt von der Axa. Auf den weiteren Plätzen folgen der US-Versicherer Metlife, die chinesische Ping An sowie die Prudential Financial. Die Generali liegt dabei mit etwa 577 Mio. Euro auf Rang sieben, die Munich Re mit 267 Mio. Euro auf Platz 18. Allein die Axa hält derzeit ein Portfolio von Büro,- Wohn-, Einzelhandels-, Hotel- und Logistikimmobilien sowie einige Rechenzentren im Wert von etwa 30 Mrd. Euro. Als einziger deutscher Versicherer hält dabei die HanseMerkur unter den Top 20 einen zweistelligen Immobilienanteil. Bevorzugte Objekte sind dabei Büro- und Wohngebäude sowie Mikroappartmenents.
Immobilienkredit · GDV
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