Alexander Vollert
Alexander VollertQuelle: epo
Märkte & Vertrieb

Axa will Rituale aufbrechen

Von Elke PohlTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Den kulturellen Wandel im Unternehmen hält Alexander Vollert, Vorstandsvorsitzender der Axa Konzern AG, für einen der wichtigsten Hebel, um die sich ändernden Anforderungen an Versicherungsunternehmen zu bewältigen. Zu diesem Schluss kam er gestern während des 19. Vorlesungstages des Instituts für Versicherungswesen an der Universität Leipzig.

Digitalisierung, neue Mitbewerber, Klimawandel, demografischer Wandel, Niedrigzinsumfeld und Regulierung – dieser Strauß von Anforderungen mache es erforderlich, das eigene Geschäftsmodell und vor allem die Unternehmenskultur zu überdenken und anzupassen, erklärte Alexander Vollert. Dazu gehöre zuallererst, Kunden das Gefühl zu geben, dass sie sich in schwieriger Lage auf ihre Versicherung verlassen können. Denn: "Kunden wollen keine Versicherung, sie wollen Sicherheit."

Neue Kundengruppen dank Begleit-App

Ein Weg, den die Axa in diesem Sinne gefunden hat, ist ihre Begleit-App WayGuard, die bereits 240.000 Nutzer habe und Kundengruppen erreiche – vor allem junge Leute unter 30 -, zu denen man ansonsten wenig Kontakt hat. Entscheidend sei es dabei, radikal vom Kunden her zu denken, wie Vollert weiter erklärte. Vor allem müsse man berücksichtigen, dass 90 Prozent der Kundenreisen nicht beim Vertriebspartner, sondern im Internet beginnen. Daher sei es existenziell, kompromisslos für Einfachheit auf allen Ebenen zu sorgen - in Produkten und Services, aber auch in den internen Prozessen und der IT sowie in den Organisationsstrukturen. So sei bei Axa zunächst einmal jeder Prozess digital. Ausnahmen - die es natürlich gebe - müssten gut begründet werden. "Es geht nicht darum alte Prozesse zu digitalisieren – das funktioniert nicht und hat auch bei den Produkten nicht funktioniert", ist er überzeugt.

Neue Partnerschaften eingehen

Ein Wandel müsse auch in Bezug auf Investitionen in neueste Technologie und die Zusammenarbeit mit entsprechenden Partnern stattfinden. Die Axa habe dazu das Data Innovation Lab als "technologische Herzkammer" des Unternehmens ins Leben gerufen. Als ein Beispiel für neue Partnerschaften nannte er die Kooperation mit ING und der Aufbau einer gemeinsamen Vertriebsplattform, die die Trennung von Versicherung und Bank aufheben soll. Zudem investiere man über den 2015 gegründeten Axa Innovation Campus vermehrt in Startups. Von entscheidender Bedeutung für das Gelingen des Kulturwandels seien die Mitarbeiter, machte der Axa-Chef deutlich. Man ermutige sie selbstständig zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen und verlange dies auch.

Führungskräfte müssen Wandel leben

"Das kann Ängste erzeugen", weiß er. Um Unsicherheiten zu vermeiden habe man das Axa Bündnis 2020 geschaffen, das vorsieht von betriebsbedingte Kündigungen abzusehen. Es gehe vielmehr um Weiterbildung und Weiterentwicklung, aber auch darum, die Prozesse intensiv zu kommunizieren und offen darüber zu reden. Richtige Führung sei dabei entscheidend, die vor allem darin bestehe, den Wandel selbst zu leben. Dass in agilen Strukturen keine Führung nötig sei, hält Vollert für falsch. Sie sei sogar besonders wichtig. Er empfiehlt, Symbole für die Veränderung zu installieren. Hilfreich könne sein, Rituale aufzubrechen und durch neue zu ersetzen. So gebe es bei Axa keine festen Schreibtische mehr, die Mitarbeiter können zweimal pro Woche zu Hause arbeiten und haben insgesamt größere Gestaltungsspielräume. Dies seien "physischer Ausdruck eins massiven Kulturwandels." Dieser stehe wie insgesamt die Veränderungen nach Vollerts Ansicht erst am Anfang.

Alexander Vollert · Axa Deutschland
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