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Swiss Re schafft Männer und Frauen ab

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Schweizer Rückversicherungsgigant bemüht sich um eine gendergerechte Sprache. Das Unternehmen hat eine Art interne Sprachempfehlung an die Mitarbeiter gegeben. Wörter wie "Ehemann" und "Ehefrau" oder geschlechtsspezifische Pronomen sollten vermeiden werden. Ist das jetzt progressiv oder daneben – ein Kommentar.

Keine Nachrichtenseite ohne Genderdiskussion. Egal ob Spiegel oder Zeit, nichts wird so heftig diskutiert wie Artikel zu Frauenquoten, Gleichberechtigung und gendergerechte Sprache. Niemals endet die anschließende Diskussion in den Kommentarspalten ohne Hässlichkeiten, das Thema ist emotionaler Sprengstoff.

 

Es gibt grob gesagt drei Gruppen, zunächst sind da die Ablehner, die das Ganze für Mumpitz halten und beim Anblick eines Gendersternchen mitleidig lächeln oder vor Wut purpurrot anlaufen. Der Gegenpart sind die Befürworter/innen, die eine geschlechtslose Sprache als Voraussetzung für die angestrebte Gleichberichtung und gelebte Inklusion sehen. Die dritte Gruppe wandelt zwischen den Polen und hält die ganze Diskussion mindestens für anstrengend.

Anstrengend ist wahrscheinlich auch das entscheidende Wort bei der Swiss Re. Eine Diskussion oder ein persönliches Gespräch ohne Pronomen ‹er/sie› oder Familienbezeichnungen wie ‹Mutter›, ‹Vater›, ‹Ehemann/Frau> sind schwierig, egal ob in der Kantine oder im Meeting.

 

Es droht bei beruflichen Diskussionen oder dem Bürofunk die Gefahr, dass der Sprechende sich gedanklich mehr mit seiner Wortwahl als mit dem eigentlichen Inhalt beschäftigt. Eine lebenslang praktizierte Sprache kann nicht innerhalb kürzester Zeit gendergerecht modifiziert werden. Es droht, dass einige Mitarbeiter lieber weniger sagen oder schweigen, aus Angst, mit beiden Füßen ins Genderfettnäpfchen zu treten.

 

Familienbezeichnungen und weitere geschlechtsspezifische Worte sollen laut Kodex nach Möglichkeit nur genutzt werden, wenn der/die Empfänger/in die Ansprache "bevorzugt und niemanden ausgeschlossen wird. Wie das in der Praxis aussehen soll, bleibt geheim. Muss vor dem eigentlichen Gespräch ein Gespräch darüber geführt werden, welche Pronomen und Bezeichnungen für den Gesprächspartner tolerabel sind, in der Praxis schwierig.

Die genannten Begriffe sind zwar nicht verboten, werden aber im unternehmenseigenen Code of Conduct als "nicht bevorzugt" beschrieben. Einem Gendersprechverweigerer droht das soziale Abseits, wenn er sich in einer Gruppe von Befürwortern befindet – das gilt natürlich auch andersherum. Dabei soll die Sprachregelung doch eine Ausgrenzung verhindern.

 

Der Kunde/in als Opfer?

 

Richtig abenteuerlich wird es, wenn die internen Regeln auf den ahnungslosen Kunden treffen sollte. Die Versicherungsbranche ist sowieso nicht für einfache und verständliche Kommunikation bekannt, die gendergerechte Sprachregelung wird in diesem Fall nicht hilfreich sein. Das ein Angestellter im Kundenkontakt zwischen interner und externer Kommunikation einfach hin- und her wechselt, dürfte Wunschdenken sein.

 

Der Gedanke hinter der Swiss Re Regelung ist verständlich und löblich, niemand soll ausgeschlossen werden, alles sollen sich in der Versicherungsfamilie willkommen fühlen. Ob das mit einer guten Unternehmensphilosophie und-Kommunikation, Anstand und Taktgefühl nicht besser erreicht werden kann, muss die Swiss Re entscheiden.

 

Ein ausgegrenzter Mitarbeiter in einer Abteilung wird sich sicherlich nicht willkommener fühlen, wenn auf einer Einladung "alle Geschlechter" statt "Männer und Frauen" geschrieben wird. Ein empathischer Kommunikator in der Abteilung ist in so einer Sache hilfreicher.

Swisse Re
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