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Internationaler Frauentag: Equal Pay Day ist erst in zehn Tagen

Von Elke PohlTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Berlin begeht den heutigen Internationalen Frauentag als einziges Bundesland auch als Feiertag. Bereits seit 1921 wird dieser Tag genutzt, um für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu streiten. Wie sieht es in Deutschland fast einhundert Jahre später mit der finanziellen Gleichberechtigung aus?

Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Daraus ergeben sich umgerechnet genau 77 Tage, an denen sie quasi kein Gehalt bekommen. Dieser "Equal Pay Day" findet 2019 am 18. März statt - also zehn Tage nach dem heutigen Internationalen Frauentag. Selbst bei gleicher Ausbildung und gleicher Arbeit liegt der Gehaltsunterschied zwischen Mann und Frau immer noch bei sechs Prozent, berichtet das Statistische Bundesamt. Es gibt also viele Gründe, auch gut einhundert Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland im Jahr 1918 die Frage nach der Gleichberechtigung zu stellen.

Frauen arbeiten zu viel Halbtags

Ein Grund dafür, dass Frauen weniger verdienen und entsprechend auch weniger in die Rentenversicherung einzahlen, ist ihre Teilzeitarbeit. Wie der Bundesverband deutscher Banken in einem Blog mitteilt, arbeitete in Deutschland im Jahr 2017 fast jede zweite Frau (46 Prozent) in Teilzeit, bei den Männern war es nur jeder zehnte. Gut für alle Arbeitnehmer, die zeitweise ihre Wochenstundenzahl verringern müssen oder möchten, ist die seit Anfang 2019 geltende Brückenteilzeit mit dem Recht, in die vorherige Arbeitszeit zurückzukehren. Während Kindererziehungszeiten auf die Rente angerechnet werden, schmälern längere Zeiten verkürzten Arbeitens jedoch nicht nur laufende Einkünfte und Karrierechancen, sondern auch die Rentenansprüche.

Mehrheit der Frauen ist finanziell unabhängig

Auf die Frage, ob es beim Umgang mit Geld in Deutschland schon Gleichberechtigung gibt, versucht eine Studie des Fintechs WeltSparen eine Antwort zu finden, die das Meinungsforschungsinstitut Yougov durchführte und an der gut 2.000 Personen teilnahmen. Das Ergebnis: 83 Prozent der Befragten fanden, dass Finanzen keine Frage des Geschlechts seien. Zudem fühlen sich 60 Prozent der deutschen Frauen finanziell unabhängig und können gut für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen. Das bedeutet aber auch, dass es 40 Prozent nicht können. Zwar sind 17 Prozent auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit. Die Zahl von 23 Prozent offenbar dauerhaft finanziell unselbstständigen Frauen ist indes im Jahr 2019 ziemlich ernüchternd. Relativiert wird dies nur dadurch, dass es den Männern offenbar nicht viel besser geht. Von den befragten Männern gaben 63 Prozent an finanziell unabhängig und 18 Prozent auf dem Weg dahin zu sein. Hier, so schlussfolgert die Studie, gleichen sich die Geschlechter offenbar an.

Finanzwissen ist dürftig – unabhängig vom Geschlecht

Problematisch ist auch die Erkenntnis der Studie, dass offenbar Vorbilder beim Umgang mit Geld fehlen. 41 Prozent der Befragten gaben an überhaupt keine Vorbilder zu haben. Ansonsten prägen am stärksten die Mütter den Geldumgang ihrer Töchter (17 Prozent) sowie Väter den der Söhne (15 Prozent). Im Zusammenhang mit einem weiteren Ergebnis der Studie, das besagt, dass 62 Prozent der Frauen ihr eigenes Finanzwissen als mittelmäßig bis schlecht einstufen, steht es nicht zum Besten mit der Weitergabe echten Finanz-Knowhows an die Töchter. Dass zusätzlich sechs Prozent gar nicht einschätzen können, ob und wie viel Fachwissen sie haben, macht die Sache nicht besser. Ob allerdings die 45 Prozent der Männer, die ihr Finanzwissen als gut bis ausgezeichnet einschätzen, tatsächlich so fit sind wie sie sich fühlen, sei dahingestellt. Nachholbedarf gibt es jedenfalls für beide Geschlechter, so die Studie.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam jüngst auch das Statistische Bundesamt: So bestritten allein 2017 rund 72 Prozent der 25- bis 54-jährigen Frauen ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus einer eigenen Erwerbstätigkeit. Zum Vergleich: Allein vor zehn Jahren betrug der Anteil noch 65 Prozent. Noch deutlicher ist der Anstieg bei den 55- bis 64-Jährigen: Lebten 2007 nur 36 Prozent vom eigenen Einkommen, waren es 2017 bereits 57 Prozent. 
Immer mehr Frauen leben von eigener Erwerbstätigkeit
Immer mehr Frauen leben von eigener ErwerbstätigkeitQuelle: Statista
Dabei lag der Anteil der Frauen in Führungspositionen im Jahr 2017 gemäß Arbeitskräfteerhebung bei 29,2 Prozent. Im Bereich Erziehung und Unterricht (64,6 Prozent) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (61,3 Prozent) sind die Führungspositionen hingegen mehrheitlich weiblich besetzt. Im Baugewerbe war der Anteil von Frauen in Führungspositionen mit elf Prozent am geringsten. Eine Studie des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) belegt indes, dass Ostdeutsche in den bundesdeutschen Führungspositionen zwar weiterhin stark unterrepräsentiert sind. Allerdings finden sich unter den Ostdeutschen, die es in Führungspositionen geschafft haben, überproportional viele Frauen. Während an der Spitze der 100 größten Unternehmen Westdeutschlands nur in zwei Prozent der Fälle Frauen stehen, liegt der Frauenanteil an der Spitze der 100 größten ostdeutschen Unternehmen bei neun Prozent.
Ostdeutsche Frauen sind erfolgreicher
Ostdeutsche Frauen sind erfolgreicherQuelle: Statista
Darüber hinaus waren laut Statistischem Bundesamt 35 Prozent der Selbstständigen im Alter von 25 bis 54 Jahren weiblich. Einen hohen Anteil an weiblichen Selbstständigen gab es in Berufen der Floristik (93 Prozent), der Körperpflege (87 Prozent) und in der Erziehung/Sozialarbeit (87 Prozent). Allerdings sind diese Berufe auch mehrheitlich mit Frauen besetzt. Weitgehend ausgeglichen ist das Geschlechterverhältnis in Bereichen Redaktion und Journalismus (52 Prozent) sowie Reinigung (49 Prozent). In den Berufen der Land- und Tierwirtschaft ist der Frauenanteil mit gerade einmal 15 Prozent am niedrigsten.
Welches Land hat die besten Arbeitsbedingungen für Frauen?
Welches Land hat die besten Arbeitsbedingungen für Frauen?Quelle: Statista
Insgesamt hat Deutschland im internationalen Vergleich noch beim Thema Arbeitsbedingungen noch aufzuholen. Laut aktuellem Women in Work Index von PwC ist die Schweiz mit einer Indexbewertung von 79,1 Punkten der Spitzenreiter für Frauen auf dem Arbeitsmarkt, gefolgt von Schweden mit 76,1 und Neuseeland mit 73,6 Punkten. Deutschland liegt mit 62 Punkten auf Rang 18 der 33 Länder. Insgesamt schneiden die skandinavischen Länder im Ranking besonders gut ab und landen allesamt in den Top Ten. Aber auch in Slowenien, Polen und Belgien haben Frauen auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen.