Wie steht es um die Pflege der Zukunft?
Wie steht es um die Pflege der Zukunft?Quelle: matchka / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Deutsche wissen zu wenig beim Thema Pflege

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Thema Pflege steht spätestens seit der letzten Bundestagswahl ganz oben auf der politischen Agenda. Während Experten einen deutlichen Anstieg der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren erwarten, scheinen bei den Deutschen offenbar eine gravierende Unkenntnis und Finanzierungslücken beim Thema Pflege zu bestehen.

So gehen viele Nicht-Rentner (44 Prozent), darunter Berufstätige, Arbeitslose, Studierende oder Bezieher von Elterngeld, gehen von einer vollen Kostendeckung durch die Pflegeversicherung aus, heißt es in einer aktuellen Umfrage der Postbank zum Thema "Pflege im Alter 2019". Unter den Rentnern sind es mit einem Anteil von 43 Prozent nur unwesentlich weniger. Zudem scheinen die Wissenslücken über die Pflege keine Frage des Bildungsgrades zu sein. So meinen 38 Prozent der Befragten mit Abitur oder Universitätsabschluss, dass kein Eigenanteil zu den Pflegekosten zu leisten sei.

 

Auch wenn fast jeder zweite Deutsche annimmt, dass es sich bei der gesetzlichen Pflegeversicherung um eine Art "Vollkaskoschutz" handeln würde, geben 59 Prozent der Befragten an, dass sie zusätzlich für die Pflege im Alter vorsorgen. Ein gutes Drittel aus der Gruppe, die privat vorsorgt (36 Prozent), schafft oder erhält zu diesem Zweck Vermögenswerte; ein weiteres Drittel (33 Prozent) spart oder verwahrt seine Ersparnisse dafür. Eine private  Pflegeversicherung haben 22 Prozent abgeschlossen.

 

Diejenigen, welche nicht privat für die Pflege im Alter vorsorgen, begründen dies mit Geldmangel (48 Prozent) oder erwarten, dass der Staat für die Pflegekosten aufkommt (44
Prozent) oder denken, dass es ausreicht, in die gesetzliche Pflegeversicherung eingezahlt zu haben (38 Prozent). Mangelnde Eigeninitiative zeigen dabei laut Umfrage vor allem die über 60-Jährigen: 56 Prozent sehen die Verantwortung für die Finanzierung der Pflegekosten in öffentlicher Hand. Im Vergleich dazu erwarten dies nur 37 Prozent der 18- bis 39-Jährigen und 43 Prozent der 40- bis 59-Jährigen. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen halten 63 Prozent der Befragten ihre Zahlungen in die gesetzliche Pflegeversicherung für ausreichend - mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Allerdings sind auch 16 Prozent der 18- bis 39-Jährigen und 45 Prozent der 40- bis 59-Jährigen dieser Ansicht.

 

"Die Unkenntnis über die Kosten der Pflege für den Einzelnen und ihre Finanzierung zieht sich durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten. Es ist erstaunlich, dass sogar Menschen
im Rentenalter, für die die eigene Pflege ein greifbareres Szenario ist, und die wahrscheinlich im eigenen Umfeld bereits mit dem Thema konfrontiert wurden, nicht besser informiert sind", kommentiert Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, zu den Ergebnissen der Umfrage. "Es ist nicht möglich, angemessen vorzusorgen, wenn man das abzusichernde Risiko falsch einschätzt. Die Mehrheit der Befragten, die angeben, privat für Pflegekosten vorzusorgen, verweisen auf Ersparnisse und Vermögenswerte, wie ein Eigenheim, die im Pflegefall für die Finanzierung der Kosten eingesetzt werden sollen. Die gute Absicht allein genügt leider nicht. Diese Menschen wiegen sich in trügerischer Sicherheit, da die Pflegekosten die Höhe der Ersparnisse oder den Wert einer Immobilie übersteigen können", ergänzt der Ökonom.

 

Zudem sei es "sehr beunruhigend, dass ein so hoher Anteil der Befragten nicht vorsorgt. Sie geben die Verantwortung an den Staat ab oder stellen Ansprüche an die gesetzliche Pflegeversicherung, die nicht realistisch sind. Menschen unter 40 Jahren sollten sich darauf konzentrieren, Risiken wie die Rentenlücke oder Berufsunfähigkeit abzusichern. Ab 40 Jahren, spätestens jedoch mit 50 Jahren, sollte man sich mit der Pflegevorsorge auseinandersetzen", so Bargel.

Deutschland erwartet in 20 Jahren ein Drittel mehr Pflegebedürftige
Deutschland erwartet in 20 Jahren ein Drittel mehr PflegebedürftigeQuelle: Statista
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis: Bis 2035 sind voraussichtlich vier Millionen alte Menschen in Deutschland auf Pflege angewiesen. Um dem wachsenden Pflegebedarf gerecht zu werden, müsste die Zahl der Pflegekräfte im gleichen Zeitraum um 44 Prozent auf rund eine halbe Million steigen, konstatiert das IW weiter. Für die Pflegeversicherung hat dies nach Ansicht der Ökonomen deutliche Folgen. Damit die Betroffenen nicht immer höhere Eigenanteile für die Pflege zahlen müssten und die Pflege nicht zur "Politik nach Kassenlage" werde, sollten die Leistungen der Pflegeversicherung automatisch an die Preise angepasst werden, fordert das IW weiter.
Pflegeversicherung · Postbank
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