Julian Teicke, Wefox- Gründer
Julian Teicke, Wefox- GründerQuelle: Wefox
Schlaglicht

Wefox jubelt nach 125-Millionen-Investitionsrunde: "Wir haben die Gelegenheit, die größte Versicherungsgesellschaft der Welt zu werden"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Geldregen in Berlin. Das Insurtech Wefox hat die größte Series-B-Runde eines Insurtechs erzielt, 125 Millionen US-Dollar wurden eingenommen. Investoren sind unter anderem Mubadala Investment Company, Goldmann-Sachs International und Creditease. VWheute hat direkt nach Bekanntgabe des Deals mit Wefox Group-Gründer und CEO, Julian Teicke über das Investment, die Wertigkeit von Investoren und die Expansion nach China gesprochen.

In der Pressemitteilung zur Finanzierungsrunde lassen es die Berliner an markigen Sprüchen nicht mangeln. Das Unternehmen sei das am schnellsten wachsenden Fintechs Europas und habe das Ziel, "Versicherungen völlig neu zu erfinden". Nicht weniger als die Weltführerschaft wird angestrebt. "Die Versicherungsbranche ist bereit für einen radikalen Wandel. Wir haben damit die Gelegenheit, alle Versicherer weltweit in unsere Plattform zu integrieren und die größte Versicherungsgesellschaft der Welt zu werden."

 

Im persönlichen Gespräch klingt das alles ein weniger gesetzter, allerdings kaum weniger angriffslustig. Auf die Frage, wo sich das Unternehmen in zehn Jahren sieht, sagt der CEO: "In zehn Jahren wird Wefox weniger als ein Zehntel des Umsatzes einer Axa oder Allianz haben. Aber wir werden absehbar als einer der Player wahrgenommen werden, die mit ihrer Technologie-Strategie die Versicherungsindustrie verändert haben und das Potenzial besitzen, der weltweit größte Versicherer zu werden."

 

Aber statt Haken zu verteilen, will Wefox den Versicherern helfen. "Wir wollen niemanden verdrängen. Wir bauen unseren Wert darüber auf, dass wir Technik für andere Unternehmen bereitstellen, damit diese im digitalen Ökosystem erfolgreich sein können. Das ist unser Weg, um zum größten und erfolgreichsten Versicherungskonzern zu werden." Das klingt nicht nach Schulhofprahlerei, sondern nach einem ausgetüftelten Plan, in dem die neue Finanzierungsrunde eine wichtige Rolle einnimmt.

 

Das Investment der Geldgeber sieht Teicke als Bestätigung der eigenen Arbeit und als wichtig für die Insurtech-Branche insgesamt: "Es ist sehr gut für Insurtechs, wenn andere Insurtechs Investoren überzeugen können. Ein fehlendes Angebot an Investorengeldern gibt es derzeit nicht. Das Interesse der Geldgeber ist groß und wird steil nach oben gehen."

 

Die Investoren und der Plan

 

Geldgeber ist allerdings nicht gleich Geldgeber, es kommt auf die inneren Qualitäten des Investors an. Wer das nicht glauben mag, der sollte Teicke zuhören: "Geld ist genug vorhanden, es ist die Kunst, die richtigen Investoren zu finden, nämlich die Mehrwertlieferanten. Der Wettbewerb der Investoren untereinander ist stärker als andersherum. Die Investoren müssen sich beweisen."

 

Und das tun sie nicht (nur) über die Größe des Geldbeutels. Der in der B-Runde größte Investor Mubadala verwalte in etwa 300 Mrd. Dollar an Investments und ist "einer der finanzstärksten Investoren der Welt".  Das Unternehmen mit Sitz in Abu Dhabi hat sich vor drei Jahren darauf fokussiert, in innovative Technik zu investieren, beispielweise mittels eines Investments bei einem der größten Venture Capital-Unternehmen der Welt Softbankvision. Rund 15 Milliarden war das dem Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wert. Gleichzeitig habe sich Mubadala laut Teicke auch dazu entscheiden, direkt in Insurtechs zu investieren und würden das in den USA auch erfolgreich praktizieren. Wefox sei das erste europäische Investment.

 

Was das Unternehmen für Wefox liefern könne, bliebt Teicke nicht schuldig: "Mubadala ist extrem gut vernetzt und kann uns gerade bei der Internationalisierung sehr helfen. Die sitzen natürlich auch bei uns im Board, weswegen gerade die Vertrauensebene und persönliche Beziehung sehr wichtig ist. Ich habe in den Verhandlungen gespürt, dass wir auf der gleichen Werteebene und Wellenlänge liegen, insbesondere was die perspektivischen Entwicklungen angeht. "Alle Investoren gemeinsam würden ungefähr die Hälfte aller Anteile von Wefox halten, wie viele Mubadala allein besitze, wollte Teicke nicht verraten.

 

Konkret wurde er bei den Plänen, was mit den frischen Millionen erreicht werden soll. In der Pressemitteilung schreibt das Unternehmen, dass mit dem chinesischen Investor Creditease ein Eintritt in den weltweit größten Markt angedacht ist. Darauf angesprochen rudert Teicke etwas zurück: "China ist nicht auf der unmittelbaren Roadmap, es gibt keinen konkreten Zeitplan. Mit unserem chinesischen Investor Creditease werden wir die nächsten Monate nach Möglichkeiten schauen, wie ein Einstieg aussehen könnte. Creditease ist bereits in China tätig und kann uns sehr helfen. Es ist ein spannender Markt, dort gibt es 1.000.000 Makler aber auch große digitale Konkurrenz."

 

Wesentlich fassbarer sind sie Japan Pläne Japan, hier gibt es bereits einen Zeitplan: "In Japan gibt es konkrete Ziele für die Expansion, nämlich die erste Jahreshälfte des Jahre 2020. Für die interessantesten Märkte Japan und Korea spricht die Reife des Versicherungsmarktes, es gibt dort große Gesellschaften, die in der analogen Zeit entstanden sind und der Markt ähnelt sehr Europa."

 

Der Wandel kommt

 

Kein Gespräch mit einem Versicherungsvordenker ohne die Zukunft der Versicherung anzusprechen. Teicke sieht eine gewaltige Umwälzung auf die Branche zukommen – und zwar sehr bald. "Wir stehen erst am Anfang eines radikalen Umbruchs in der Versicherungsindustrie. Viele verstehen nicht und glauben nicht, dass die Branche sich verändern muss." Das liege daran, dass es sich die Industrie insgesamt langsam entwickele.

 

"Es ist wie bei einem Erdbeben, die Bewegung der Erdplatten spürt man nicht, das folgende Beben allerdings sehr deutlich. Das kommt in den nächsten zehn Jahren und ist getrieben von der IOT-Datenrevolution", erklärt Teicke.

Wefox · Finanzierungsrunde · Investor · Japan · Mubadala Investment Company
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