Quelle: Finanzchef24
Märkte & Vertrieb

Millionen zum Fenster rausgeworfen? Geschäftsmodelle der Insurtechs im Check

Von Martin ThalerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im Jahr 2018 sammelten die Insurtechs rund 100 Mio. Dollar mehr bei Geldgebern ein als im Vorjahr. Insgesamt flossen laut Finanzchef24 etwa 173 Mio. Dollar an die Jungunternehmen, das meiste Geld erhielten hierzulande Coya und Element. Deren Vorgänger sind allerdings krachend gescheitert. Welche Geschäftsmodelle sind tatsächlich nachhaltig?

Es sind nicht die leisen Worte, für die deutsche Insurtech-Unternehmen bekannt sind: "Wir sind gestartet, um Europas größte digitale Versicherung zu werden", lässt der Berliner Digitalversicherer Coya vollmundig verkünden. Auch andere Unternehmen der Branche verkünden hochgesteckte Ziele. Man wolle das "Amazon der Versicherungsbranche" werden, gibt der sich noch in den Startlöchern befindende Versicherer Flypper die Marschrichtung vor, der Online-KrankenversichererOttonova lässt sich als "Gamechanger" feiern. Doch sind diese ambitionierten Zielvorgaben für bare Münze zu nehmen? Klappern gehört schließlich zum Handwerk. Und im Wettstreit um Kunden und Investoren kann ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit sicher nicht schaden. Denn der deutsche Insurtech-Markt ist in den vergangenen Jahren merklich gewachsen: Laut der "Insurtech Datenbank" des Beratungsunternehmens Capgemini Invent waren im November 2018 insgesamt 112 Insurtech-Unternehmen verschiedener Ausprägung in Deutschland aktiv. Die Tatsache, dass 70 Prozent hiervon in den vergangenen vier Jahren gegründet wurden, unterstreicht die Dynamik des deutschen Marktes. Investoren scheinen dabei zunehmend vom Erfolg der „jungen Wilden“ überzeugt zu sein. 

 

Nach einer Studie von Finanzchef24 sammelten deutsche InsurTech-Unternehmen 2018 rund 100 Millionen US-Dollar mehr ein als im vergangenen Jahr, insgesamt waren es damit 173 Mio. Dollar. Die höchste öffentlich bekannte Einzelfinanzierung mit guten 30 Millionen US-Dollar erhielt dabei das Unternehmen Coya. „Die gestiegene Investitionssumme bestätigt, dass die gesamte Versicherungsbranche von der transformativen Wirkung der InsurTechs profitiert“, sagt Benjamin Papo, Geschäftsführer von Finanzchef24. „InsurTechs verstehen es, die Bedürfnisse der Kunden zu bedienen, und haben sich in den vergangenen Jahren eine starke Positionierung aufgebaut, die auf agilen Strukturen, innovativen Technologien sowie einer fundierten Kenntnis ihrer Zielgruppen basiert.“

Man ändert das Business-Model oder verschwindet

Investoren müssen wohl mehr Insiderwissen haben als die Öffentlichkeit. Denn nach außen werden die Abschlusszahlen nicht kommentiert. Die Baloise-Tochter Friday erklärt, in ihren ersten acht Monaten 15.000 Kfz-Policen verkauft zu haben, bei Nexible will man bis Ende 2017 20.000 Fahrzeuge versichert haben. Die W&V-Digitalmarke Adam Riese, die Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Hausratversicherungen vertreibt, hat nach eigenen Angaben einen Stamm von „mehreren zehntausend Kunden“ gewinnen können. Auch bei Coya gibt man sich wort- bzw. zahlenkarg. Zu den wenigen Unternehmen, zu denen konkrete Zahlen vorliegen, gehört Ottonova. Gerade einmal eine dreistellige Anzahl an Kunden konnte die "Krankenversicherung 2.0" im ersten Jahr überzeugen. Das ist deutlich zu wenig - 12.000 Kunden brauche man, um einen Break-Even zu erreichen, hatte Ottonova-Chef Roman Rittweger einst ausgegeben. Das Schweizer Start-up Knip galt dank beeindruckender Download-Zahlen lange Zeit als Star unter den digitalen Versicherungsmaklern. Letztlich wurde allerdings bekannt, dass die Zahl der aktiven Nutzer gerade einmal bei 20.000 lag - zu wenig angesichts der hohen Kosten für die Neukundengewinnung. Im Sommer 2017 wurde Knip mit dem niederländischen Software-Anbieter Komparu zur Digital Insurance Group fusioniert, Knip-Gründer Dennis Just wechselte zur Ergo Direkt. Still geworden ist es auch um das Hamburger Start-up safe.me, das einst mit einem virtuellen Versicherungsberater an den Markt gehen wollte. Die Homepage ist vom Netz genommen, Gründer Michael Stork hat mittlerweile bei einem Maklerpool angeheuert.

 

Die Studie von Finanzchef24 offenbart zudem, dass die Euphorie über digitale Versicherungsordner sich 2018 im Vergleich zum Vorjahr merklich abgeschwächt hat. Nur jene Unternehmen aus dem Bereich Insurance Management, die es verstanden haben, ihr Geschäftsmodell nachhaltig anzupassen, konnten sich im Markt behaupten. Getsurance zum Beispiel ist als digitaler Versicherungsmakler gestartet, ist nun aber als Assekuradeur damit beschäftigt, die Kunden von seiner digitalen BU-Police zu überzeugen. Getsafe hat sein Maklergeschäft verkauft und entwickelt nun neue Produkte mit der Munich Re.

 

International fließt weit aus mehr Geld in Insurtechs. So lagen die US-amerikanischen Start-ups Oscar und Cambridge mit Fundings von 500 Mio. US-Dollar und mehr weit vorne im internationalen Ranking. Oscar bietet Krankenversicherungen für Privatpersonen sowie Unternehmen an. Cambridge entwickelt Softwarelösungen zur Erhebung verkehrstelematischer Daten. Mit 200 und 83 Millionen US-Dollar Investitionssumme ebenfalls beliebt bei Kapitalgebern waren die digitalen Versicherungsmakler Policy Bazaar aus Indien sowie Next Insurance aus den USA. Letzterer ist auf die Absicherung von Unternehmen und Selbstständigen spezialisiert, ein spannendes Wachstumssegment für Investoren.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Februar-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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