Chris Wiens
Chris WiensQuelle: Getsafe
Schlaglicht

Getsafe wächst bei Versicherungseinsteigern schneller als Allianz und will ins Ausland expandieren

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In der letzten Zeit war bei Getsafe viel los: Maklergeschäft verkauft, eigene Produkte entwickelt und Partnerschaften angebahnt. Zeit, sich mit Gründer Chris Wiens auf ein Gespräch zu treffen und über das Kommende zu sprechen. Kleiner Spoiler: Die Heidelberger wollen bis Ende 2020 in drei weitere europäische Länder expandieren.

VWheute: Im September 2018 sagten Sie: "Mit dem bewussten Ausstieg aus dem Maklergeschäft wollen wir uns bei Getsafe nun voll auf die Weiterentwicklung unserer eigenen

Versicherungsplattform fokussieren." Was ist seither passiert?

 

Chris Wiens: Wir haben eine Haftpflicht-, eine Zahnschutz- und eine Rechtsschutzversicherung entwickelt und zahlreiche Akquisitionskanäle aufgebaut - angefangen von Online-Anzeigen über Affiliate-Programme bis hin zu strategischen Partnerschaften mit Hochschulgruppen und anderen Organisationen. Das Besondere ist jedoch unsere Plattform im Hintergrund. Für Kunden ist diese Plattform quasi unsichtbar. Aber sie unterstützt die gesamte Wertschöpfung und ermöglicht uns, Daten in Echtzeit abzugleichen und neue Produkte unkompliziert zu entwickeln. Anders als andere Versicherungsanbieter haben wir damit den gesamten Prozess vom Erstkontakt bis zum Underwriting und der Schadenbearbeitung digital im Blick und können den Kunden über seine gesamte Versicherungsspanne bestens begleiten. Perspektivisch können wir mit diesem selbst entwickelten Kernsystem zudem alle Versicherungssparten abbilden und sind damit bestens für ein starkes

Wachstum gerüstet.

 

VWheute: Was sind die nächsten Schritte von Getsafe? Sind Kooperationen geplant?

 

Chris Wiens: Im Moment fokussieren wir uns auf neue Produkteinführungen im Frühjahr. Darüber hinaus haben wir bereits einige Kooperationen, und führen parallel Gespräche mit weiteren möglichen Kooperationspartnern. Unsere Technologieplattform ist unabhängig von nationalen Eigenheiten oder Risikopartnern. Insofern sind wir aus technologischer Sicht schon heute bereit für neue Kooperationen, neue Produkte und andere Länder.

 

VWheute: Sie bieten derzeit vier Angebote an. Reicht das, um profitabel zu arbeiten, wollen und werden Sie Ihr Geschäft ausbauen? Wenn ja, in welche Richtung?

 

Chris Wiens: Derzeit finanzieren wir uns noch zu großen Teilen über Risikokapital. Für Startups ist das ganz normal, weil in den ersten zwei bis drei Jahren noch viel Geld in die Produkte, Technologie und das Marketing fließt. Doch schon heute findet uns jeder fünfte Kunde organisch. Für eine Versicherung ist das extrem gut. Und wir erweitern kontinuierlich unser Portfolio. Im Frühjahr werden unsere Hausratversicherung und ein Diebstahlschutz für Fahrräder verfügbar sein. Außerdem wollen wir mit unserer App einen noch größeren Wert für unsere Kunden stiften.

 

VWheute: In der Zielgruppe der Versicherungseinsteiger wachse Getsafe "schneller als alle Wettbewerber". An welchen Zahlen machen Sie das fest?

 

Chris Wiens: Wir haben im letzten Jahr 50.000 Policen verkauft und 40.000 Kunden gewonnen. Unsere Kunden sind dabei im Durchschnitt 29 Jahre alt, und 75 Prozent von ihnen schließen in ihrem Leben zum ersten Mal eine Versicherung ab. Diese Gruppe der Versicherungseinsteiger zwischen 24 bis 29 Jahren ist hart umkämpft. Getsafe hat hier nur 12 Monate nach der Markteinführung einen Marktanteil von knapp zehn Prozent, und wächst damit schneller als Marktriesen wie Allianz oder Axa.

 

VWheute: Wie erklären Sie sich den Erfolg?

 

Chris Wiens: Junge Menschen, die zwischen Ausbildung und Berufseinstieg stehen, sind oft skeptisch gegenüber Versicherungen. Sie sind es gewohnt, innerhalb weniger Sekunden an Informationen zu gelangen und alles mobil von unterwegs aus erledigen zu können. Lange Wartezeiten, umständliche Telefonate mit Maklern oder Kundenhotlines und Papierkram sind für diese Zielgruppe nicht mehr zeitgemäß.

 

Getsafe trifft mit seinem digitalen Ansatz die Bedürfnisse dieser sogenannten “Digital Natives” und bietet eine neue, unkomplizierte und transparente Versicherungserfahrung auf dem Smartphone.

 

VWheute: Welche technischen Entwicklungen sind Ihrer Meinung für den Erfolg auf dem Versicherungsmarkt heute und morgen erforderlich?

 

Chris Wiens: Die Zukunft der Versicherung ist digital. Neobanken wie N26 geben die Richtung vor. Die Neoversicherer liegen in ihrer Entwicklung etwa zwei bis drei Jahre hinterher, aber sie holen auf. In Zukunft wird das Maklergeschäft, wie wir es heute kennen, genauso der Vergangenheit angehören wie Versicherungspolicen auf Papier oder Schadensbearbeitungen, die länger als drei Tage dauern. So wie wir uns heutzutage nicht mehr vorstellen können, ohne Mobiltelefone und Internetzugang zu leben und zu arbeiten. Ob die traditionellen Versicherer mit ihren schwerfälligen Strukturen und

Prozessen auf diesen Zug aufspringen können, wird sich zeigen.

 

VWheute: Wo liegen die Grenzen beim Einsatz von Technik, wann muss der Mensch ran?

 

Chris Wiens: Technologische Helfer wie unser Chatbot Carla sind für uns sehr wichtig, darin sehen wir die Zukunft. Carla steht unseren Kunden 24 Stunden am Tag zur Seite, beantwortet Fragen und lässt Kunden ihren Versicherungsschutz in Echtzeit erweitern oder kündigen. Außerdem hilft sie, persönliche Angaben oder Zahlungsdetails zu aktualisieren oder Schäden bequem per Smartphone zu melden. Die Technik kann hier schon sehr viel, und mit großen Datenmengen werden die Algorithmen immer besser. Langfristig werden intelligente Systeme beispielsweise Versicherungsbetrug exakter erkennen als erfahrene Experten. In der Medizin oder in der Prozesstechnik und vielen anderen Bereichen sehen wir diese Entwicklungen schon länger. Die Digitalisierung wird auch die Versicherungsbranche umkrempeln. Aber natürlich bleiben Menschen im Kundenservice extrem wichtig, denn nicht alles lässt sich über KI lösen.

 

VWheute: Welche Ziele haben Sie sich für das laufende Jahr gesetzt?

 

Chris Wiens: Wir haben uns viel vorgenommen. Bis Ende des Jahres wollen wir unser Team mehr als verdoppeln und unser Produktportfolio erweitern. Ab 2020 etwa wollen wir digitale Lebensversicherungen anbieten. Und wir planen bis Ende 2020, in drei weitere europäische Länder zu expandieren.

Getsafe · Chris Wiens · Digitalisierung
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