Männer und Frauen unterscheiden sich in Geldfragen
Männer und Frauen unterscheiden sich in GeldfragenQuelle: Konstantin Gastmann  / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

"Frauen fehlt es an Selbstbewusstsein in Finanzfragen" – oder ist Schweigen manchmal einfach Gold?

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Frauen verstehen nichts von Geld (-Anlage), glauben Frauen. Das ist stark vereinfacht das Ergebnis einer Studie. Ist das fehlendes Selbstvertrauen oder gestehen Frauen sich Lücken einfach eher ein als Männer? Dieser Frage geht die Axa mit der Auswertung einer Studie nach. Ein Ergebnis: Frauen fehlt es an Selbstbewusstsein in Finanzfragen. Ist das tatsächlich so?

"Wir beobachten, dass die Deutschen insgesamt Wissenslücken in Sachen Geldanlage aufweisen, Frauen hier aber eine besonders extreme Position einnehmen. Doch sind es gerade Frauen, die im Alter häufiger mit einer Vorsorgelücke zu kämpfen haben und sich deshalb eigentlich vermehrt mit ertragreicher Geldanlage auseinandersetzen sollten", resümiert Monika Tautorus, Leiterin Produktservices Vorsorge bei Axa in Deutschland, die Ergebnisse einer Studie. Bei dieser handelt es sich um die vom die Marktforschungsinstitut Yougov durchgeführte Fokusbefragung "Anlageverhalten der Deutschen 2018/2019", die von beiden Unternehmen nach geschlechterspezifischen Merkmalen ausgewertet wurde.

Wenn es um die Einschätzung allgemeiner Finanzfragen geht, fehlt es den Frauen laut Umfrage in Deutschland an Selbstbewusstsein. So trauen sich doppelt so viele Frauen (28 Prozent) wie Männer (14 Prozent) keine Antwort darauf zu, mit welchen Geldanlagen man langfristig am besten Vermögen aufgebaut werden sollte. Beim Thema Inflation sind es ebenso deutlich mehr Frauen als Männer, die keine Schätzung der aktuellen Inflationsrate abgeben wollen. Während sich deutschlandweit 55 Prozent aller Erwachsenen keine Einschätzung zur aktuellen Inflationsrate zutrauen, sind es unter Frauen mehr als zwei Drittel (68 Prozent) aber deutlich weniger als die Hälfte unter den Männer (42 Prozent).

 

Fremd- und Eigenwahrnehmung

 

Es ist natürlich sehr löblich, wenn ein Mensch seine eigenen Grenzen kennt und realistisch einschätzen kann, doch insbesondere Frauen scheinen in Finanzfragen eine deutlich zu geringe Selbstwahrnehmung zu haben. "Frauen sind oft besser informiert als Männer, erklärt der langjährige Anlageberater Hans-Peter Bosch, der für die dbfp Deutsche Beratungsgesellschaft für Finanzplanung arbeitet, kürzlich in einem SCHLAGLICHT, dass sich mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern in Anlagefragen und Produkten beschäftigte.

Ein langjähriger und sehr erfolgreicher Versicherungsberater ergänzte: "Den größten Gefallen, den wir Frauen in unserer heutigen, scheinbar so modernen Gesellschaft tun können, ist, eben nicht bei der Beratung zu unterscheiden." In anderen Worten: Frauen können Altersvorsorge genauso gut wie Männer und müssen nicht anders behandelt werden.

Es gibt allerdings bei Finanzfragen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie die Yougov-Studienergebnisse zeigen. Ein Beispiel ist die Frage nach künftigen Anlagefeldern. Frauen wählten erneuerbaren Energien (37 Prozent) auf Platz eins der interessantesten Anlagechancen, Männern die künstliche Intelligenz (40 Prozent). Die Geldanlage an der Börse finden 34 Prozent der Frauen aber 50 Prozent der Männer "hochinteressant". Unterschiede auch bei der Einschätzung der Zinsentwicklung: Ein Drittel der Männer aber nur jede fünfte Frau erwartet, dass die Zinsen in den nächsten zwei Jahren wieder steigen. Jede zehnte Frau (10 Prozent) erwartet sogar, dass die Zinsen noch weiter fallen, so die Studie. Die Liste der unterschiedlichen Einschätzungen ließe sich fortsetzen.

 

Nur Mut, nur Mut

 

Welches Geschlecht bei der Einschätzung der genannten Sachverhalte richtig liegt, wird die Zukunft zeigen. Das Männer und Frauen Sachverhalte anders einschätzen, sagt nichts über das Wissen in Finanzfragen aus. Experten sehen sowieso keinen Unterschied im Finanzwissen zwischen den Geschlechtern. Aussagekräftiger ist in der Diskussion und der Axa-/ Yougov-Studie eher, dass Frauen bei Finanzfragen lieber schweigen, wenn sie sich vermeintlich oder tatsächlich nicht auskennen – ein Muster, das Männern eher fremd ist. Es spricht einiges dafür, dass das Schweigen der Frauen bei manchen Finanzfragen eher gesunde Selbstreflexion anstatt Unwissen zeigt.

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