Susanne Wermter, Head Investment Management | Energy & Infrastructure EMEA bei Aquila Capital
Susanne Wermter, Head Investment Management | Energy & Infrastructure EMEA bei Aquila CapitalQuelle: Aquila Capital
Märkte & Vertrieb

"Investments in Erneuerbare-Energien-Infrastruktur sind attraktive Möglichkeiten zur Portfoliodiversifizierung"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nachhaltige Investments haben bei Versicherern zunehmend Hochkonjunktur. "Neben Assets aus dem Bereich der erneuerbaren Energieerzeugung rücken verstärkt Anlagemöglichkeiten im Segment der Energiespeicherung und der Energieweiterleitung in den Fokus von Investoren", glaubt Susanne Wermter von Aquila Capital. VWheute hat mit der Expertin über die aktuellen Trends bei alternativen Investments für Versicherer gesprochen.

Was sind die Vorteile und Herausforderungen von Erneuerbare-Energien-Investments für Versicherer?

Investments in Erneuerbare-Energien-Infrastruktur sind für Versicherungen attraktive Möglichkeiten zur Portfoliodiversifizierung. Ob Windenergieanlagen, Photovoltaikanlagen oder Wasserkraftwerke – alle diese Assets sind wenig konjunkturanfällig und korrelieren kaum mit anderen Anlageklassen. Anders als viele liquide Assets bieten sie in der Regel jene Renditen, mit denen Versicherungen und ähnliche institutionelle Investoren ihre eigenen Verbindlichkeiten gegenüber ihren Versicherten bedienen können – und zwar sowohl bezüglich der Höhe als auch der Regelmäßigkeit der Cashflows. Gerade für Versicherungen ist Letzteres zudem aus regulatorischer Sicht (Solvency II) ein entscheidendes Kriterium. Als positiver Nebeneffekt können derartige Assets darüber hinaus einen Beitrag zur Erfüllung von ESG-Zielen der Investoren leisten.

 

Investments in Erneuerbare-Energien-Anlagen bergen spezifische Herausforderungen. Es bedarf einer spezialisierten Kompetenz in diesem Segment und eines sehr aktiven Asset-Managements, etwa um operationelle Risiken zu verringern oder eine optimale Vermarktung des generierten Stroms sicherzustellen. Diese Expertise wird immer entscheidender, da mit zunehmender Reife der Asset-Klasse die zu erwartenden Cashflow-Renditen in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Dazu trägt auch bei, dass staatliche Subventionen und Einspeisevergütungen in vielen Ländern planmäßig zurückgefahren werden beziehungsweise vollständig auslaufen. Hierauf lässt sich proaktiv mit alternativen Vermarktungsinstrumenten wie langfristigen Abnahmeverträgen (PPAs) reagieren, um sich nicht der starken Volatilität an den Strommärkten auszusetzen und die Erträge zu verstetigen.

In welchen Regionen und Anlageklassen (Wind, Hydro, Photovoltaik etc.) sollten Versicherer investieren - auch mit Blick auf eine gesunde Diversifizierung?

Innerhalb der erneuerbaren Energien gibt es - allein im europäischen Raum - zahlreiche Möglichkeiten zur Diversifikation. So bieten sowohl Skandinavien als auch Südeuropa interessante Anlagemöglichkeiten, beispielsweise im Bereich Wasserkraft. Die gemeinsamen Strommärkte auf der Iberischen Halbinsel sowie zwischen Norwegen und Schweden schaffen effiziente und günstig regulierte Märkte. Zudem sind die Bedingungen für PPAs sehr vorteilhaft. Wir bauen gerade in Spanien und Norwegen unsere Präsenz als Reaktion auf die dort günstigen Voraussetzungen weiter aus. Auch Wasserkraft in Nordamerika, Windenergie in Skandinavien oder Photovoltaik in Südeuropa sind Beispiele für attraktive Optionen.

 

Ultimativ hängt die richtige Anlagestrategie von den Wünschen und Bedürfnissen des Investors ab. Innerhalb des Euroraums ist eine ausgeglichene Diversifizierung möglich, etwa mit spanischer Photovoltaik, schwedischen oder finnischen Onshore-Windparks sowie norwegischen oder portugiesischen Laufwasserkraft-Portfolios. Generell raten wir gerade kleineren und mittelgroßen Versicherungen von übermäßigen Klumpenrisiken zum Beispiel in Form eines einzigen großen Stauwasserkraftwerks oder wartungs- und kapitalintensiven Offshore-Windparks eher ab.

Wie lassen sich solche Investments nachhaltig strukturieren (mit regelmäßigen Cashflows), gerade angesichts der auslaufenden staatlich garantierten Einspeisevergütungen?

Die Energiewende geht derzeit in eine neue Phase über, die gekennzeichnet ist von stark gesunkenen Gestehungskosten für erneuerbare Energien – teilweise ist die Parität zu konventionell erzeugter Energie bereits auf permanenter Basis erreicht, etwa bei iberischer Photovoltaik. In diesem Kontext sehen wir PPAs als das Zukunftsmodell für die Vermarktung von erneuerbar erzeugtem Strom. Hierbei handelt es sich um langfristige Stromabnahmeverträge über oft mehr als zehn Jahre, entweder mit Energieversorgern oder industriellen Großabnehmern. Solche Verträge bieten die erforderliche Planbarkeit der Cashflows, auf die Versicherungen angewiesen sind, und treten so an die Stelle der allmählich auslaufenden staatlich garantierten Einspeisevergütungen. Gerade wurde auch in Deutschland der Baustart eines neuen Solarparks durch EnBW verkündet, der mittels 15-jähriger PPAs ohne staatliche Förderung rentabel betrieben werden soll.

Welche großen Trends gibt es im Anlageverhalten von Versicherern im Bereich Energieinfrastruktur?

Neben Assets aus dem Bereich der erneuerbaren Energieerzeugung rücken verstärkt Anlagemöglichkeiten im Segment der Energiespeicherung und der Energieweiterleitung in den Fokus von Investoren. Das hat Gründe. So sind Speicherkapazitäten langfristig unumgänglich, um die volatilere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien grundlastfähig zu machen. Zugleich erlaubt die Speicherung, Strom auch physisch zu der Jahres- und vor allem Tageszeit zu verkaufen, zu der die höchsten Preise erzielt werden. Die Kombination von Infrastruktur zur Erzeugung, Speicherung und Weiterleitung erneuerbarer Energie bietet Anlegern Diversifikationspotenziale, die somit auf ganzheitliche Weise die Energiewende vorantreiben können.

 

Ein anderer Trend betrifft die Finanzierung grüner Infrastruktur-Assets. Wir beobachten den deutlichen Trend hin zu alternativen Finanzierungsinstrumenten wie Green Bonds oder extern geprüften, nachweislich nachhaltig investierenden Fondsprodukten. In Zukunft werden solche nachhaltigen Angebote den Marktstandard darstellen, davon sind wir überzeugt. Die Nachfrage ist groß und der Finanzierungsbedarf im Rahmen der weltweiten Energiewende ebenso. Auch an Versicherern wird dieser Megatrend nicht vorübergehen.

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