Florian Reuther tritt heute die Nachfolge von Volker Leinbach als PKV-Verbandsdirektor an.
Florian Reuther tritt heute die Nachfolge von Volker Leinbach als PKV-Verbandsdirektor an.Quelle: PKV
Schlaglicht

PKV im Wandel: Wohin steuert der neue Verbandsdirektor Florian Reuther?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Jünger, smarter und ein neues Image: Mit Florian Reuther (43) will der PKV-Verband nach eigener Aussage "einen klaren Generationenwechsel" vollziehen. Zudem wolle man die Entwicklung der PKV "als starke, nachhaltig finanzierte Säule des dualen deutschen Gesundheitssystems sowie als Treiber für Qualität und Innovationen in der medizinischen Versorgung konsequent fortsetzen", heißt es. Dennoch steht der Nachfolger des strategischen Führungskopfes Volker Leienbach vor großen Herausforderungen: Immer weniger PKV-Vollversicherte, die andauernde Debatte um die Beitragserhöhungen in der PKV oder die Debatte um das "Hamburger Modell" für Beamte.

So ist beispielsweise allein die Zahl der privat Krankenversicherten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Hatten im Jahr 2012 noch rund neun Millionen Bundesbürger in der über eine private Vollversicherung abgeschlossen, waren es 2018 noch 8,75 Millionen. Demgegenüber ist die Zahl der Menschen mit einer privaten Krankenzusatzversicherung mit 11,91 Millionen im Jahr 2018 stabil auf Vorjahresniveau (2017: 11,92 Millionen) geblieben. Eine Analyse des Finanzmagazins Procontra ergab zudem, dass allein im Jahr 2016 insgesamt 21 von 36 Unternehmen, die eine Vollversicherung anbieten, einen Rückgang bei den Versicherten hinnehmen. Allein bei zwölf Anbietern habe es einen Rückgang von mehr als 1.000 Versicherten gegeben.

 

Dabei macht den privaten Krankenversicherern nicht nur die gute Konjunktur einen Strich durch die Rechnung, welche einen Wechsel in die GKV zusätzlich befeuert. Auch die anhaltende Diskussion um die Prämienerhöhungen hat dabei ihr Übriges getan. Mit teils fatalen Folgen: So endete der Streit um die bisherige Praxis der Beitragserhöhungen Ende Dezember 2018 schließlich vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Zwar haben die Bundesrichter letztlich zugunsten der PKV entschieden. Dennoch geht der eigentliche Rechtsstreit und Auslöser des ganzen Verfahrens unvermindert weiter. So hat das Gericht "den Rechtsstreit an das Berufungsgericht zurückverwiesen, damit dieses prüfen kann, ob die Prämienanpassungen ausreichend im Sinne von § 203 Abs. 5 VVG begründet worden sind und ggf. ob die materiellen Voraussetzungen für die Prämienanpassung vorgelegen haben."

 

Der Berliner Jurist Knut Pilz gibt sich auch nach der juristischen Schlappe vor dem BGH weiter kämpferisch: "Der BGH geht davon aus, dass die Unabhängigkeit des Treuhänders - anders  als bisher die ganz überwiegende Zahl der Gerichte - einer zivil gerichtlichen Kontrolle entzogen sei. Allerdings hat der Senat betont, dass eine nicht ausreichende Begründung  der Prämienanpassung zur Unwirksamkeit führt. D. h., dass ein  Versicherungsnehmer nach hiesigem  Verständnis trotz allem die Prämien der  vergangenen Jahre zurückfordern kann. Von daher gehen wir davon aus,  dass die Klagen weiterhin erfolgt haben werden. In der Sache selbst wollte der BGH das Verfahren an das LG Potsdam  zwecks weiterer Sachverhaltsaufklärung zurückverweisen." Die entsprechende Debatte um die Rechtmäßigkeit der Beitragserhöhungen in der PKV wird also auch 2019 die Gerichte beschäftigen.

 

Daneben sorgen auch die politischen Pläne zur Krankenversicherung immer wieder für Störfeuer gegen die PKV. Sorgten vor den Bundestagswahlen 2017 noch die immer wiederkehrenden Pläne für eine Bürgerversicherung für hektisches Treiben in den Managementetagen der PKV-Unternehmen, sorgt derzeit das "Hamburger Modell" für entsprechende Unruhe. Was von der Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks jüngst als Erfolgsmodell verkauft wurde, stößt beim PKV indes auf kräftiges Kopfschütteln: "Die konkreten Zahlen widerlegen den Versuch der Hamburger Gesundheitssenatorin, die schwachen Zahlen der 'pauschalen Beihilfe' als vermeintlichen Erfolg zu verkaufen. Der Hamburger Beamtenbund (dbb) spricht gar von 'Fake-News' der Senatorin. Nach seinen Angaben haben sich vielmehr von allen seit 01.08.2018 neu eingestellten Beamtenanwärtern über 85 Prozent gegen die 'pauschalen Beihilfe' entschieden. Auch die jüngsten Antworten des Hamburger Senats auf eine Parlamentarische Anfrage stehen diametral zu den Jubelmeldungen der Senatorin. Ihre vermeintliche Erfolgszahl von 1.015 Nutzern der 'pauschalen Beihilfe' entspricht tatsächlich nur einem kleinen Teil der schon bisher ca. 2.400 in den Gesetzlichen Krankenkassen versicherten Hamburger Beamten", ließ PKV-Sprecher Stefan Reker jüngst gegenüber VWheute verlauten.

 

Bleibt letztlich noch das immerwährende Spannungsverhältnis zwischen GKV und PKV verbunden mit der immerwährenden Frage: Wer von beiden ist der Beste? So kam jüngst eine Studie von PremiumCircle 103 im Auftrag der Grünen-Fraktion im Bundestag zu dem - zugegebenermaßen - wenig überraschenden Ergebnis, dassselbst  private Kran­ken­ver­siche­rungen selbst in teuren Premiumtarifen weniger Leistungen bieten würden als die Krankenkassen. Große Lücken gebe es demnach vor allem bei Kuren und der Rehabilitation. Schlechtere Bedingungen bestünden häufig auch bei der Palliativversorgung, der häuslichen Krankenpflege, der Psychotherapie sowie bei Impfungen. Für den PKV-Verband geht die Studie indes an der Realität vorbei. "Fakt ist: Die Deutschen sind mit ihrer medizinischen Versorgung so zufrieden wie nie zuvor – wobei der sehr gute Wert unter den gesetzlich Versicherten (90 Prozent Zufriedenheit laut Allensbach-Umfrage 2017) von den 92 Prozent unter den Privatversicherten noch übertroffen wird. Das mag auch an jenen eindeutigen Leistungsvorteilen der PKV liegen, die offensichtlich nicht auf der selbsterdachten 'Checkliste' der Grünen-Gutachter standen", entgegnete der Verband als Reaktion auf die Kurzanalyse.

 

So verwundert es nicht, dass Reuthers Vorgänger entsprechende Reformvorschläge aus der Politik "aus Erfahrung skeptisch" reagierte. "Dahinter steckt oft ideologischer Furor, der hat den Menschen noch nie gutgetan. Und dazu ist unser Gesundheitswesen viel zu komplex und viel zu sensibel – und viel zu gut; eines der besten der Welt. Manche Politiker rufen jetzt zum Beispiel nach einer Vollkasko-Pflegeversicherung. Sie wäre mit drastisch größeren Belastungen für die jüngeren Generationen und für den Wirtschaftsstandort Deutschland verbunden. So eine teure Lösung ist auch gar nicht nötig", betonte Leienbach in seinem letzten großen Interview gegenüber der Versicherungswirtschaft. Kurzum: "Deutschland wird im bevorstehenden demografischen Wandel noch sehr froh sein, dass es die PKV als stabile und wachsende zweite Säule für sein Gesundheitswesen hat", glaubt Leinbach. Keine kleinen Schuhe, in die Reuther nun getreten ist. Die Zeit wird noch erweisen, ob er angesichts der Stürme rund um die PKV noch in diese hineinwachsen wird.

Florian Reuther · PKV
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