Katarina Utermöhl (links) und Michael Heise (rechts)
Katarina Utermöhl (links) und Michael Heise (rechts)Quelle: Sabine T. Ruh
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Wenig Wirtschaftsfortschritt: "Deutschland gehört zu den Sorgenländern"

Von Sabine T. RuhTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Deutschland behauptet noch die Pole-Position in der Eurozone", formuliert Katharina Utermöhl, Senior Economist Europe der Allianz SE, die als Hauptautorin des „Euro Monitors“ gemeinsam mit Chefvolkswirt Michael Heise die Ergebnisse der diesjährigen Auswertung in Frankfurt am Main bei Allianz Global Investors präsentierte. Für den Euro Monitor werden 20 Einzelindikatoren in den vier Kategorien Solidität der Staatsfinanzen, Beschäftigung & Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit sowie Außen- und Privatverschuldung von insgesamt 19 Ländern untersucht. Mit einem Rating von 8,0 Punkten  – 2017: 8,1 – behauptete sich Deutschland in 2018 knapp vor den Niederlanden – mit jeweils 7,9 Punkten.

Fortschrittsindikator im Rückwärtsgang

"Dennoch gehört Deutschland zu den Sorgenländern," erläutert Katharina Utermöhl, "denn der Fortschrittsindikator hat sich wie auch in den letzten Jahren negativ entwickelt – und das trotz der guten Wirtschaftslage. Hier tritt Deutschland seit 2014 auf der Stelle, während sich andere Länder verbessern." Und Michael Heise warnt: "Die mangelnde Reformdynamik gefährdet Deutschlands wirtschaftlichen Wohlstand." Deswegen sehen die Volkswirte die Entwicklung in 2019 negativ und prognostizieren: "Spätestens in 2020 dürfte Deutschland damit nicht mehr Klassenbester sein."

Euroraum: gutes Mittelfeld

2018 herrschte ebenfalls Stagnation im Euroraum: Im Durchschnitt aller EWU-Länder liegt der Gesamtindikator – wie in 2017 – auf 6,8 Punkten. Dies wertet das Economic Research von Allianz als "gutes Mittelfeld" bei einer Skala von eins bis zehn. Damit zeigt sich die wirtschaftliche Stabilität im Euroraum weiterhin auf dem höchsten Stand seit 2001. Noch in 2009 lag der Gesamtindikator bei 4,2 Ratingpunkten. Damit scheint sich ein gutes Jahrzehnt nach Beginn der Finanzkrise die Eurozone insgesamt wieder relativ gut in Form zu sein. Positiv wirken verbesserte Arbeitslosen- und Erwerbsquoten und der Schuldenstand der Unternehmen in allen Ländern. Auch zeigten die Zahlungsbilanzen einen robusten Überschuss und zum ersten Mal könnten alle Länder der Eurozone das Haushaltsdefizit unter der Drei-Prozent-Marke halten.

Problematisch dagegen die rückläufige Entwicklung der Exporte gemessen am Welthandel, sowie die Entwicklung der Lohnstückkosten. Auch seien die Aufräumarbeiten im Nachgang der Eurokrise noch nicht abgeschlossen: "Die Euro Monitor-Bewertungen für den öffentlichen Schuldenstand und die Arbeitslosenquote sind im Jahr 2018 in 13 bzw. 11 Euroraum-Ländern schlechter ausgefallen als im Jahr 2007," so die Autoren. Sie gehen deswegen von einem weiter abnehmenden Reformmomentum im Euroraum aus. Der konjunkturelle Rückenwind werde nachlassen. Die Dynamik in Europa habe ihren Höhepunkt überschritten. Gründe seien nach Heise die zunehmende politische Instabilität und der schwächelnde europäische Konsens. Das Fazit von Allianz Economic Research: Wahrscheinlich hat der Euro Monitor mit den Ergebnissen für 2018 seinen Höchststand erreicht.

Schlusslichter: Frankreich und Italien

Gemeinsam auf dem letzten, dem 18. Platz des Euro Monitor 2018 liegen Frankreich und Italien mit einem Rating von jeweils 5,5 Punkten. Auch im letzten Jahr waren die Länder die Schlusslichter. "Im Fortschrittsindikator liegen Frankreich, Italien und Deutschland unter dem Durchschnitt der EWU-Länder". zeigt Utermöhl. Und die Prognosen sind düster, denn die Bewertungen für Italien und Frankreich werden sich ihrer Meinung nach weiter verschlechtern. "Es ist zu hoffen", so Heise, "dass Macrons Reformen bei Arbeitsmarkt und Sozialversicherung für eine gesunde Wachstumsentwicklung greifen."