Martina Baptist
Martina BaptistQuelle: Henkel
Köpfe & Positionen

"Trotz offensichtlichem Risiko haben nur rund fünf Prozent aller Deutschen eine Pflegeversicherung"

Von Sabine T. RuhTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Düsseldorfer Henkel-Konzern hat zum Jahresbeginn die deutschlandweit erste betriebliche Pflegeversicherung eingeführt. Dabei zählt die Pflegeversicherung in Deutschland immer noch zu den Nischenprodukten. Die Versicherungswirtschaft hat exklusiv mit Martina Baptist über das Modell gesprochen.

Warum führen Sie eine betriebliche Pflegeversicherung ein?

Laut Statistischem Bundesamt werden jede zweite Frau und jeder dritte Mann in Deutschland im Laufe des Lebens pflegebedürftig. Doch trotz dieses offensichtlichen Risikos haben nur rund fünf Prozent aller Deutschen eine Pflegeversicherung. Wir von Henkel schließen für unsere Beschäftigten diese Vorsorgelücke, indem wir ihnen ein Angebot machen, das zumindest in Deutschland einzigartig ist.

Wie kam es dazu?

Das Angebot ergänzt unser attraktives Paket an betrieblichen Leistungen, die wir unseren Mitarbeitern bieten. Dazu gehören zum Beispiel eine betriebliche Altersversorgung, Mitarbeiteraktien oder auch private Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen.

… und in den letzten Jahren hat das Thema Pflege immer mehr an Bedeutung gewonnen …

Richtig, über unsere Abteilung Soziale Dienste haben wir mitbekommen, wie sehr das Thema auch unsere Mitarbeiter beschäftigt, vor allem wenn es um die Pflege von Angehörigen geht. Die Anfragen dazu überschreiten mittlerweile die Fragen zur Kinderbetreuung, die früher noch viel dominierender waren. Die demografische Entwicklung wird das noch verstärken. Deshalb wollten wir das Thema angehen - und haben das Konzept gemeinsam mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) im Rahmen eines Sozialpartnermodells entwickelt.

Was leistet die Pflegezusatzversicherung?

Über die Basisabsicherung sind alle teilnehmenden Mitarbeiter in Deutschland mit einem monatlichen Pflegegeld in Höhe von 1.000 Euro abgedeckt. Der Leistungsfall tritt ein,
sobald ein Mitarbeiter in einen der Pflegegrade von Stufe 2 bis Stufe 5 eingestuft wird. Das gilt für die stationäre oder die teilstationäre Pflege. Zudem zahlt die Versicherung 300 Euro bei den Pflegegraden 2 bis 4 bei häuslicher Pflege. Das sind schon beachtliche Leistungen. Und wer will, kann für sich selbst bedarfsgerecht aufstocken. Zudem können Angehörige wie Ehepartner, Lebenspartner, Kinder oder Eltern mit abgesichert werden. Das Pflegegeld ist frei verfügbar und nicht zweckgebunden. Die Leistungen gelten
lebenslang und weltweit.

Sollte das ein Trend bei verantwortungsbewussten Arbeitgebern in einer alternden Gesellschaft werden?

Ich bin davon überzeugt, dass wir hier ein Vorzeigemodell entwickelt haben, das so manch anderes Unternehmen inspiriert. Mitarbeiter stehen bei Henkel im Mittelpunkt. Vor rund 100 Jahren führten wir schon eine betriebliche Altersversorgung ein. In den letzten Jahren folgten weitere soziale Leistungen für Mitarbeiter wie das Mitarbeiteraktienprogramm, die betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung und zuletzt eine in Deutschland einzigartige private Gesundheitsvorsorgeversicherung. Im Januar dieses Jahres ist mit Care Flex ein weiterer exklusiver Baustein dazugekommen. Ich würde mich freuen, wenn andere Unternehmen unser Modell zum Vorbild nehmen, vor allem in unserer alternden Gesellschaft, in der eine Pflegezusatzversicherung immer wichtiger wird.
Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Betriebliche Pflegeversicherung · Henkel · Martina Baptist
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