Züge der Deutschen Bahn
Züge der Deutschen BahnQuelle: Martin Jäger / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Nach Suizid: Versicherer zahlt Lokführer Schadenersatz

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Rund 1.000 Menschen nehmen sich nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) jedes Jahr das Leben auf den Schienen der Deutschen Bahn. Rein statistisch gesehen trifft es also jeden Lokführer mindestens einmal im Laufe seiner beruflichen Laufbahn. Die Frage: Welche finanziellen Ansprüche hat ein Lokführer nach einem solchen Ereignis? Das Oberlandesgericht München hat nun einem solchen Fall entschieden.
Im vorliegenden Fall hatte sich im Jahr 2013 ein Mann im Bahnhof Freising vor eine Regionalbahn geworfen. Der Mann erlag kurz darauf seinen Verletzungen, der betroffene Lokführer ist seitdem berufsunfähig. Dieser forderte nun von der privaten Haftpflichtversicherung des Toten 10.000 Euro Schmerzensgeld und 27.000 Euro Schadenersatz sowie Verdienstausfall in Höhe von 700 Euro im Monat bis zur Rente. Nach jahrelangem Rechtsstreit gab das OLG München nun einen Vergleich bekannt: Demnach erhält der heute 42-jährige Zugführer eine einmalige Zahlung von 70.000 Euro. Dafür nimmt er die Klage gegen den Haftpflichtversicherer zurück.

Interessant ist, das ähnliche Prozesse stets mit Vergleichen enden, nicht mit Urteilen. Sven-Wulf Schöller, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) erklärt gegenüber dem Nachrichtensender ntv: "Grundsätzlich hätte der Lokführer gegen den Suizidanten einen Anspruch, aber der ist ja tot." Es gäbe in solchen Fällen "keine Urteile, nur Vergleiche." Das juristische Problem besteht darin, dass Vorsatz zwar in der Haftpflicht ausgeschlossen ist, der Versicherer diesen aber beweisen müsste. Das ist natürlich schwierig, wenn der Verursacher verschieden ist.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn verwies indes vor wenigen Tagen darauf, dass der Mann kein Beschäftigter des Unternehmens sei: "Lokführer, die bei der Bahn arbeitsunfähig sind, erhalten ein alternatives Jobangebot". Zudem verwies er auch die Nachahmungsgefahr, den "Werther-Effekt". Nachdem Fußball-Nationaltorwart Robert Enke sich das Leben genommen hatte, habe es in den Tagen darauf einen deutlichen Anstieg von Suiziden nach dem gleichen Muster gegeben.
Zugunglück · Lokführer · Deutsche Bahn
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