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VertragsunterschriftQuelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

BdV: "Versicherungsprodukte erweisen sich als ungeeignet für die Altersvorsorge"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Bund der Versicherten (BdV) hadert mit der aktuellen Stornoquote in der Lebensversicherung von 2,6 Prozent. So habe eine eigene Untersuchung belegt, das es der Branche zwar gelinge, Verträge zu verkaufen. Allerdings gelinge es den Versicherern nicht, die Kunden langfristig zu überzeugen und zu halten.
"Die Ergebnisse unserer Berechnung zeigen, dass nur ein geringer Anteil aller Verträge durchgehalten wird. Um flächendeckend eine gute Altersvorsorge zu erzielen, wäre es besser, die Versicherer würden ihr Geschäft in diesem Segment einstellen", moniert BdV-Vorstandsprecher Axel Kleinlein. Zudem gebe es offensichtlich "hohe Anreize, nur zu verkaufen, ohne die Kundinnen und Kunden auch halten zu wollen. Die hohen Stornoquoten sind ein Beleg für ungesunde Verzerrungen. Wegen überhöhter einmaliger Abschlussprovisionen wird ein überhitzter Abverkauf von nicht bedarfsgerechten Lebensversicherungen massiv befeuert. Dies muss mitbedacht werden, wenn die Politik demnächst über Kostendeckel oder Provisionsverbote diskutiert", so Kleinlein weiter. Daher sei es nach Ansicht des BdV notwendig, die Verkaufsanreize in Form hoher einmaliger Abschlussprovisionen zu mindern und stattdessen auf nachhaltigere Vergütungen zu setzen.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht dies naturgemäß anders. "Die BdV-Behauptung, bei lang laufenden Lebensversicherungsverträgen sei die Kündigung der Normalfall, ist falsch. Denn dabei wird unterstellt, dass die Stornoquote für jedes Jahr, unabhängig von der Laufzeit, identisch ist. Die GDV-Statistiken zeigen aber, dass es mehr frühes als spätes Storno gibt, d.h. die jährlichen Stornoquoten nehmen mit zunehmender Vertragsdauer ab", heißt es in einer Stellungnahme des Branchenverbandes. "

Im Übrigen: Storno von Verträgen ist ein verbrieftes Verbraucherrecht. Die Hauptgründe für Storno in der Lebensversicherung sind Scheidung, Überschuldung und Arbeitslosigkeit. Darauf hat der Versicherer keinen Einfluss. Die Regelungen zum Rückkauf sichern einen fairen Ausgleich zwischen Versicherer, verbleibenden Kunden und ausscheidenden Kunden. Insgesamt unterstreichen die seit Jahren historisch niedrigen Stornoquoten das Vertrauen der Kunden in die Lebensversicherung", so der GDV weiter.

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