Geld aus dem Tresor entnommen: Gezwungen oder Betrug?
Geld aus dem Tresor entnommen: Gezwungen oder Betrug?Quelle: Meyhome / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

Banküberfall erfunden:  Filialchef muss Versicherungssumme zurückzahlen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wild-West-Überfall bewaffneter Maskenmänner auf Postfiliale oder Betrugsversuch des Geschäftsstellenleiters? Vor dieser Frage stand das Gericht in Eutin in Schleswig-Holstein und positionierte sich in einem kuriosen Fall klar.

Es ist der Alptraum jedes Bankmitarbeiters. Zwei maskierte Männer mit Schusswaffen dringen in seine Filiale ein, zeigen ihm einen Zettel mit dem Wort "Überfall" und zwingen ihn, den Tresor leerzuräumen. Klarer Fall, so scheint es.

 

Doch die Geschichte hat einige Haken. Die Täter hätten an der Tür des Ladens gewartet, der in einen großen Supermarkt integriert war, während der Geschäftsstellenleiter in den Tresorraum ging und das Geld holte. Ein Alarm löste er nicht aus. Zudem gab es weder auf dem Parkplatz noch im Einkaufsmarkt Zeugen für die Tat. Die Staatsanwaltschaft glaubte der Darstellung nicht und ermittelte. Ihre Sicht der Dinge ist nicht weniger spannend.

 

Demnach hat das vermeintliche Opfer Geld aus dem Tresor entnommen, um seine Lebensgefährtin zu beeindrucken. Das von ihm entwendete Barkapital ersetzte er mit leeren Briefumschlägen, doch der Betrug drohte entdeckt zu werden, woraufhin die Phantomräuber erschienen.

 

Opfer oder dicke Max

 

Für Staatsanwalt Dirk Hartmann ist der Fall klar: "Sie haben Geld aus der Kasse der Post entnommen und durch Umschläge ersetzt", warf er dem Angeklagten vor. Der Anwalt des Filialleiters dagegen plädierte auf Freispruch, der Überfall hätte stattgefunden.

 

Wild-West-Überfall im Norden Deutschlands oder dreiste Betrugsmasche aus Lieb?  Das Schöffengericht übersah den Fall und verurteilte den Geschäftsstellenleiter wegen Vortäuschens einer Straftat, Untreue in 18 Fällen und versuchten Betrugs zu einer Haftstrafe von 32 Monaten. Der liebestolle Postler hatte zu seinen sonstigen Vergehen einen Versicherungsbetrug begangen, als er sich den Überfallschaden in Höhe von 55.000 Euro ersetzten ließ.  

 

Die Richterin schrieb dem Verurteilten noch eine Widmung ins Poesiealbum: "Wir wollen alle, dass Täter gefasst werden. Alle Arbeit der Polizei für nichts. Nur weil Sie den dicken Max machen wollten."

Betrug · Postbank · Justiz · Urteil
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