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Schlaglicht

Kluge Führung, hohe Stabilität, mehr Wert: Wieso Versicherung aktuell besser funktioniert als Bank

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Zum ersten Mal in der Geschichte ist ein Versicherer am Züricher Kapitalmarkt wertvoller als die größte Bank des Landes. Konkret hat Zurich die UBS Group überholt. Ein Durchbruch, der die Stärke der Branche über die Landesgrenzen hinaus spiegelt. Die Großbank bringt es am Kapitalmarkt nur noch auf ein Gewicht von 48 Mrd. Franken. Die Zurich dagegen kratzt an der Marke von 50 Mrd. Franken. Und auch in Deutschland liegt das Momentum deutlich auf Seiten der Versicherer.

Die Zurich-Aktie steigt seit Wochen. Die Titel haben innerhalb kurzer Zeit um über zehn Prozent zulegen können, berichtet die Handelszeitung. Die Aktien von UBS hingegen verloren in der letzten Woche an Wert, nachdem ein Pariser Strafgericht am Mittwoch in einem Urteil befand, dass das größte Schweizer Kreditinstitut französischen Kunden illegal geholfen hatte, Aktiva zu verschleiern.

 

Die Premiere bei der Marktkapitalisierung folgt einem klaren Trend. Spätestens seit der Finanzkrise und dem Ende des Bankgeheimnisses haben Banken einen Teil ihrer wirtschaftlichen Bedeutung verloren, während die Versicherer stetig aufholen.

 

Allianz überstrahlt alle

 

Die Münchener Allianz Gruppe zum Beispiel wird an der Börse aktuell mit knapp 83 Mrd. Euro bewertet. Sie ist eines der am höchsten bewerteten Finanzdienstleistungsunternehmen Europas, in Deutschland das am höchsten bewertete. Das Unternehmen steht sogar vor mächtigen Industrieplayern wie Siemens, Volkswagen oder Daimler.

 

Doch auch Unternehmen wie der Rückversicherer Munich Re mit einer Marktkapitalisierung von gegenwärtig 31 Mrd. Euro oder Talanx mit 8,5 Mrd. Euro brauchen Vergleiche mit benachbarten Branchen nicht zu scheuen. Führung und strategische Ausrichtung sind mit bedacht gewählt und auf Jahre ausgelegt. Das ist eine Stärke der Branche, die sie seit Jahren ausmacht,

 

Die krisengeplagte Deutsche Bank kommt auf knapp 16 Mrd. Euro, das aus dem Dax abgestiegene zweitgrößte Bankhaus Commerzbank wird nur noch mit 7,2 Mrd. am Markt kapitalisiert. Viel wird derzeit über eine mögliche Fusion beider Aktuere gesprochen. Mittlerweile scheint auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf einen solchen Zusammenschluss zu drängen.

 

Wer jedoch denkt, Deutsche Bank  und Commerzbank würden durch einen Zusammenschluss im internationalen Vergleich besonders gestärkt, liegt wahrscheinlich falsch. Auch gemeinsam wären sie an der Börse gerade einmal 24 Mrd. Euro wert. Damit stünden sie auf den Ranglisten der weltweit größten Geldhäuser bestenfalls zwischen dem 40. und 50. Platz. Auch in Europa hätten sie alles andere als einen Spitzenplatz.

 

In Frankfurt kursieren inzwischen zahlreiche lustige Vergleiche mit Blick auf die beiden Großbanken: Mal ist die Rede von zwei Kranken, die zusammen keinen Gesunden machen, mal von zwei Postkutschen, die hintereinander gespannt keinen Flitzer ergeben.

 

Standort D braucht starke Versicherer und starke Banken

 

Allianz-Chef Bäte indes ist sich sicher, dass Deutschland eine „große, starke Privatbank brauche“. Übrigens genauso wie eine „große, starke Versicherung“. Doch in der Münchener Königinnenstraße hat es einen anderen Klang, wenn von vermeintlichen Problemen um Digitalisierung, Innovation oder Regulierung. Denn die Branche steht solide dar, die Stimmung bei großen wie kleinen Playern ist gut, Herausforderungen müssen zumeist nicht unter akutem Handlungsdruck angepackt werden.

 

Laut Bäte wäre es dennoch naiv, davon auszugehen, dass „Deutschland als Volkswirtschaft auf Dauer ohne eine große, international tätige Bank erfolgreich sein kann.“

 

Indes dürfen sich die Anleger der Versicherer wohl auch künftig auf großzügige Ausschüttungen freuen. Zurich-Finanzchef George Quinn ließ bei der Präsentation der Jahreszahlen durchblicken, dass die 19 Franken die neue Untergrenze für künftige Dividenden sein sollen. Und Mario Greco blickt schon auf die Arbeiten zum neuen Strategieprogramm.

 

So geht Versicherung heute.

Allianz · Zurich
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