Mangelnder Nutzen der SFCR-Berichte
Mangelnder Nutzen der SFCR-BerichteQuelle: Margot Kessler /  PIXELO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

GDV: Solvenzberichte der Versicherer stoßen nur auf wenig Interesse

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hadert mit der jetzigen Form der gesetzlich vorgeschriebenen Solvenzberichte (SFCR). Zwar sollen diese die Finanzlage der Versicherer für eine breite Öffentlichkeit transparenter machen. Das Problem aus Sicht des GDV: Die SFCR-Berichte beanspruchen eine hohe Manpower, werden aber praktisch kaum gelesen.
So geht aus einer aktuellen Untersuchung des Branchenverbandes hervor, dass die entsprechenden Berichte im vergangenen Jahr in den ersten vier Monaten nach Veröffentlichung hochgerechnet nur rund 11.800 mal abgerufen wurden. Das entspreche Monatsdurchschnitt von 33 Downloads pro Unternehmen. Auch zwischen den Versicherern selbst gibt es laut GDV erhebliche Unterschiede: Während manche Unternehmen in der Öffentlichkeit auf ein sehr großes Interesse stoßen, werden die entsprechenden Berichte anderer Unternehmen so gut wie gar nicht abgerufen, heißt es weiter. Selbst wenn man annähme, dass die Downloads weit überwiegend auf Verbraucher zurückzuführen sind, hätten gerade einmal 0,03 Prozent der 41 Millionen Haushalte in Deutschland einen SFCR abgerufen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die meisten Leser eines SFCR ein berufliches Interesse an den Berichten haben, konstatiert der GDV.
Leserate für die Solvenzberichte der Versicherer
Leserate für die Solvenzberichte der VersichererQuelle: GDV
Demgegenüber steht nach Ansicht des GDV der viel zu hohe Aufwand, um die entsprechenden Berichte zu erstellen. Beispielsweise nahm die Erstellung des Solvenzberichts bei einem kleineren Sachversicherungsunternehmen, das an der GDV-Erhebung teilgenommen hat, rund 160 Personenarbeitstage in Anspruch. Sechs Monate nach Veröffentlichung registrierte das Unternehmen gerade einmal 70 Downloads. Leicht überdurchschnittlich ist dabei nach Angaben des GDV das Interesse an den Berichten der Lebensversicherer, die im Mittel rund 46 mal abgerufen werden. Die SFCR der Schaden-/Unfallversicherer kommen im Durchschnitt jeweils auf 27 Downloads. Zum Vergleich: Die Geschäftsberichte der Versicherungsgruppen finden im Durchschnitt immerhin 236 Leser.
"Transparenz ist die Grundlage für eine funktionierende Versicherungsaufsicht und das Vertrauen der Kunden in die Branche. Die Solvenzberichte unter Solvency II werden diesem Transparenzanspruch jedoch nicht gerecht, sondern liefern eine Datenflut, die selbst Experten überfordert. Die anstehende Überprüfung des Aufsichtssystems bietet die Chance, die Berichte konsequent am Informationsbedarf der Adressaten auszurichten."
Götz Treber, Leiter Finanzregulierung beim GDV

Die Gründe für die schlechte Resonanz sieht der GDV indes einerseits in dem zu weit gefassten Kreis der Adressaten - ein Spagat, welcher aus Sicht des Branchenverbandes nur schwer zu schaffen sei, da alle Adressaten unterschiedliche Fachkenntnisse und Informationsbedürfnisse haben. Bemängelt werden zudem die Dopplungen mit anderen Berichten sowie die Fülle an erläuternden Informationen, welche für die Experten nicht notwendig seien und die Berichte zusätzlich aufblähen würden. Zudem seien die Berichte für den typischen Versicherungsnehmer größtenteils zu technisch sowie mit durchschnittlich 90 Seiten zu lang.

 

Daher fordert der GDV eine grundlegende Überarbeitung der Solvenzberichte. Diese sollten sich nach Ansicht des Branchenverbandes künftig stärker am Risikoprofil des jeweiligen Versicherungsunternehmens orientieren. Zudem fordert der Verband einen geringeren Berichtsumfang und geringere Frequenz für Unternehmen mit einer ausreichenden Kapitalisierung und einem wenig komplexen Risikoprofil. Außerdem sollten risikorelevanter Schwerpunkte bei der Berichterstattung und dadurch gezielte Bereitstellung von wesentlichen Informationen festgelegt werden.

Bafin zeigt sich offen für Veränderung

Die Finanzaufsicht Bafin zeigt sich auf Anfrage von VWheute indes offen für Änderungen. "Der Solvabilitäts- und Finanzbericht (Solvency and Financial Condition Report – SFCR) dient in erster Linie der Offenlegung von qualitativen und quantitativen Informationen über ein Unternehmen gegenüber der Öffentlichkeit und der Aufsicht. Damit stellt der SFCR einen wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz dar. Aus Sicht der BaFin hat sich die Qualität der Berichterstattung seit Einführung von Solvency II schrittweise verbessert, in Einzelfällen sogar deutlich. Insgesamt ist das erforderliche Qualitätsniveau aber immer noch nicht erreicht. Die BaFin erwartet daher von den Unternehmen, dass diese ihre Berichte weiter optimieren. Im Rahmen der Überarbeitung des aufsichtlichen Meldewesens im Zuge des anstehenden Solvency-II-Reviews strebt die BaFin eine adressatengerechte Schärfung des SFCR an. In diesem Zusammenhang stellt der Vorschlag des GDV eine Möglichkeit dar", heißt es in einer Stellungnahme.

 

Bei der europäischen Versicherungsaufsicht heißt es indes: "Im Rahmen der Solvency-II-Überprüfung für 2020 wurde Eiopa von der Europäischen Kommission am 11. Februar 2019 aufgefordert, die fortlaufende Angemessenheit der Berichterstattung und Offenlegung einschließlich der SFCR-Anforderungen sowie der Anwendung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit zu bewerten. [...] Um Beiträge der Industrie einzuholen, veröffentlichte Eiopa bereits im Dezember 2018 eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für die Berichterstattung und Offenlegungspflichten für Solvency II im Rahmen der 2020 Überprüfung von Solvency II. Die Frist für die Einreichung von  Vorschlägen war der 21. Februar 2019, d.h. letzte Woche Donnerstag. Eiopa wird diese Anforderungen überprüfen mit dem Ziel, ob sie zweckmäßig bleiben und insbesondere einen risikobasierten und verhältnismäßigen Ansatz zulassen. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wurden alle Beteiligten aufgefordert, allgemeine oder spezifische Beiträge zu allen der in der Auffoderung enthaltenen Bereichen zu liefern. In Anbetracht dessen, dass evidenzbasierte Eingaben und konkrete Vorschläge den Überprüfungsprozess erleichtern werden, wird Eiopa im Laufe von 2019 fuer ihre Schlussfolgerungen alle erhaltenen Beiträge sorgfältig pruefen und in der oeffentlichen Konsultation für ihren abschließenden Rat entsprechend aufnehmen"
GDV · Solvenzbericht · SFCR · BaFin · Eiopa
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