Allianz Vorstand Daniel Bahr erläutert die Pläne seines Unternehmens zum Thema elektronische Patientenakte (ePA).
Allianz Vorstand Daniel Bahr erläutert die Pläne seines Unternehmens zum Thema elektronische Patientenakte (ePA).Quelle: ak
Märkte & Vertrieb

Datenschutz im Gesundheitswesen bremst Digitalisierung aus

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen löst auf breiter Basis strukturelle Veränderung aus. Sie trifft auf ein in Deutschland extrem fragmentierten Markt, der von zahlreichen Playern, privater wie gesetzlicher Natur mit ihren unterschiedlichen Interessen, von wechselnden politischen Mehrheiten und nicht zuletzt von Datenschützern und einer aufmerksamen Öffentlichkeit beherrscht wird. Das erschwert die digitale Transformation, aus Furcht vor Disruption, Unwissenheit oder bloß aus Bequemlichkeit. Vor diesem Hintergrund ist eine nationale Digitalstrategie notwendig um interoperable Schnittstellen zu schaffen. Das wurde auf dem 14. MCC-Kongress Kassengipfel in Berlin deutlich.

Wer bekommt welche Aufgaben? Wer überwacht die Fortschritte und welche Sanktionen sind denkbar? Das sind die Fragen, die Experten zurzeit umtreiben, um einen weiteren Rückfall Deutschlands im internationalen Digital-Wettbewerb aufzuhalten. "Wir brauchen einen nationalen Plan im Gesundheitswesen", fordert deshalb Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheitskasse. 2018 war aus Storms Blickwinkel in Sachen Digitalisierung kein verlorenes Jahr, sondern eines, in dem schon vieles erkannt und bereits angegangen wurde, doch jetzt müssen die Erkenntnisse umgesetzt werden, ist sich der Manager sicher.

 

Einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft hat die DAK mit ihrer eigenen elektronischen Patientenakte unter dem Label "Vivy"einer mobilen Gesundheitsassistentin, beschritten. Dafür konnten nicht nur weitere 90 gesetzliche Kassen gewonnen werden, es gelang sogar der Brückenschlag ins private Lager hinein: Auch die Süddeutsche, die Gothaer, Barmenia und die Allianz Private Krankenversicherung beteiligen sich an Vivy und signalisieren damit gegenüber den Kunden wie dem Gesetzgeber Reformbereitschaft über alle Grenzen hinweg. 17,7 Millionen Versicherte sind bereits Teilnehmer im System. Damit erfüllt das System wichtige Anforderungen an digitale Lösungen: Eine hohe Marktrelevanz, einen großen Mehrwert für Versicherte und Ärzte, sowie Datenschutz und Sicherheit. Wo bleibt bei dieser Konstellation jedoch die Empathie, wenn Apps, Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) die Macht übernehmen?

 

Antworten darauf suchte die Diskussionsrunde mit Karin Overlack, Geschäftsführerin des Herz- und Diabeteszentrum NRW, Klaus Overdieck Leiter der DAK in NRW, Bernhard Calmer von Cerner Deutschland, einer früheren Siemenstochter und Stefan Scholten, verantwortlicher Leiter zur Einführung der Vivy-Gesundheitsassistentin. Moderiert wurde die Veranstaltung von Karin Vanis, ehemalige ZDF-Redakteurin im Hauptstadtstudio.

 

Als "holzverarbeitende Industrie" bezeichnet der ehemalige FDP-Bundesgesundheitsminister und heutige Vorstand der Allianz Private Krankenversicherung, Daniel Bahr, jeden Vorgang der das Medium Papier betrifft. Weg vom Holz hin zu Bits und Bytes lautet nicht nur bei Bahr das Credo auf dem Weg in die volldigitalisierte Welt. Die Allianz Private Krankenversicherung sieht sich in der Pflicht auf die Versicherten zuzugehen und das von Haus aus entgegengebrachte Vertrauen der Kunden zu honorierten, um damit auch gleichzeitig zu verhindern, dass Google, Amazon und Co. sich nicht noch stärker an der Kundenschnittstelle breitmachen als sie es heute schon tun. Was das von Bahr verantwortete Unternehmen hierzu in der Pipeline hat, führte der Gesundheitsexperte Bahr in seinem Vortrag aus. Hier im Video: Teil eins - Teil zwei.

 

Den Finger in die digitalen Wunden legte Christof Veit, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen. Vernetzte Versorgung produziert vernetzte Daten, die gerade für den deutschen Markt einen ganz speziellen Umgang erfordern. "Schluss mit den Datenmengen" forderte Veit in seinem Vortrag, Konzentration auf das Wesentliche sei notwendig um mehr Effizienz durch die Digitalisierung zu gewinnen. Daniel Bahr zeigte sich überzeugt, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dem Thema eHealth noch in dieser Legislaturperiode zum Durchbruch verhelfen werde. Hier im Video.

Gesundheitswesen · Datenschutz
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