Quelle: Peak Re
Schlaglicht

Wie Munich Re, Swiss Re und Co. von Asiens Stärke profitieren können

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Munich Re umgarnt Anleger mit höherer Dividende, Hannover Rück schafft angepeilten Milliardengewinn und auch Swiss Re verdient 2018 gut. Klingt, als könnten sich die Rückversicherer nicht beklagen. Intern allerdings knirscht es. Der Markt ist anspruchsvoll, die Zukunft schwer zu prognostizieren. Probleme, die auch Franz Josef Hahn kennt. Allerdings nicht in seiner Position als Chef der chinesischen Peak-Re. Im Interview erklärt er, warum.

In Baden-Baden sagten Sie, dass Sie für Peak Re noch reichlich Wachstumspotenzial sehen. Das stecke schon in dem Wort „Schwellenmärkte“. Aber der Versicherungsmarkt ist hart umkämpft. Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht?

Wir haben Peak Re mit dem Ziel gegründet, die asiatischen Schwellenmärkte zu bedienen, ihr Wachstum zu fördern und dazu beizutragen, die zahlreichen Absicherungslücken in der Region zu schließen. Mit dieser Mission sind wir seit unserer Gründung Ende 2012 so stark gewachsen, dass wir laut S&P heute zu den 30 führenden Rückversicherungsgesellschaften weltweit zählen: Unsere Prämieneinnahmen beliefen sich 2017 auf 1,1 Mrd. US-Dollar, unser Nettovermögen lag Ende Juni 2018 bei über 1 Mrd. US-Dollar.

 

Anfang Dezember 2018 gründeten wir unser erstes Reinsurance Sidecar (Lion Rock Re) in Asien und erhielten dafür von Investoren aus aller Welt 75 Mio. US-Dollar Kapital. Dieser Erfolg stimmt uns zuversichtlich, dass wir unser Geschäft weiter ausbauen können – nicht nur in Asien, wo wir heute rund 60 Prozent unseres Volumens generieren, sondern auch in Europa sowie Nord- und Südamerika, zwei Regionen, die je rund 20 Prozent unseres Geschäfts ausmachen.

 

Was wird die Zukunft bringen?

Was den allgemeinen Ausblick für den Versicherungsmarkt in Schwellenländern betrifft, bleiben wir optimistisch: Die Volkswirtschaften in der Region wachsen zwar langsamer, aber weiterhin schneller als die gereiften Märkte, die Mittelschicht nimmt zu und erwartet bessere und individuellere Versicherungslösungen.

 

Hinzu kommt das allgemeine Risikoumfeld, das einen stärkeren und besseren Risikotransfer erfordert. Denken Sie nur an die Herausforderungen, die sich durch die fortschreitende Urbanisierung und die wachsende Bedeutung von immateriellen Vermögenswerten in Asiens technologieaffinen Volkswirtschaften ergeben.

 

Welche Rolle spielt der Versicherungssektor in China– politisch und wirtschaftlich?

Er spielt eine zentrale Rolle für die Strategie der Pekinger Führung, die Wirtschaft neu auszurichten und die Grundlagen für ein nachhaltiges Wachstum zu schaffen. Insofern zielen die jüngsten Regulierungsänderungen darauf ab, das Risikomanagement der Industrie zu verbessern und zur Liberalisierung des Versicherungssektors beizutragen.

 

Die Einführung eines Solvency-II-Systems in China (C-ROSS) sowie die Bündelung der Bank- und der Versicherungsaufsicht zu einer gemeinsamen Behörde, der China Banking and Insurance Regulatory Commission (CBIRC) verdeutlichen Pekings Bestreben, für mehr Marktdisziplin zu sorgen – sowohl auf der Anlageseite als auch auf der Risikoseite. Das Ziel besteht letztlich in einer Rückbesinnung der Branche auf ihre grundlegenden Aufgaben: Absicherung und umsichtiges Risikomanagement.

 

Wie innovativ ist der Markt?

China ist führend in der digitalen Transformation, die zum Beispiel das Bereitstellen von Versicherungs- und Finanzdienstleistungen über das Internet ermöglicht und große Datenmengen nutzt, die wiederum die Grundlage für einen verbesserten Kundenservice, maßgeschneiderte Produkte und Cross-Selling bilden. Mit neuen Arten der Individualisierung ist es möglich, sich von der vorherrschenden Kommodifizierung zu lösen, die zum Beispiel in der Kfz-Versicherung zu beobachten ist, und auf diese Weise dem bestehenden Preisdruck zu entgehen.

 

Swiss Re berichtete in einer Studie davon, dass die globalen Prämien bis 2020 real auf mehr als drei Prozent pro Jahr ansteigen werden. Der Großteil davon geht auf asiatische Schwellenländer zurück. In welchen Geschäftsbereichen, in welchen Märkten liegen die größten Chancen?

Die Finanzkrise von 2008 hat sich in den Industrieländern negativ auf das Wachstum in den Versicherungsbereichen Leben und Nicht-Leben ausgewirkt. Asiens Schwellenländer haben sich zum globalen Wachstumsmotor der Branche entwickelt. China wird aufgrund seiner Größe, seiner Bevölkerung, der aktuellen Versicherungsdurchdringung und der ungebrochenen wirtschaftlichen Dynamik beim Wachstum der weltweiten Prämieneinnahmen auch in den kommenden Jahren eine führende Rolle zukommen.

 

Darüber hinaus werden auch Märkte wie Indien, Vietnam oder Indonesien, allerdings ausgehend von einer wesentlich kleineren Basis, Asiens Versicherungswachstum zusätzliche Dynamik verleihen.

 

Was kann Europa von Asien lernen?

Anders als noch vor ein paar Jahren wollen chinesische Versicherungsunternehmen nicht nur das Wissen und die Erfahrung des weit entwickelten europäischen Versicherungsmarkts nutzen. Sie bringen umgekehrt auch ihre technologische Erfahrung als Vorteil gegenüber ihren europäischen Wettbewerbern mit. Dennoch bietet Europa für chinesische Versicherer bei traditionellen Risiken, im Underwriting und im Vertriebsmanagement nach wie vor großes Lernpotenzial.

 

Auf welche unternehmerischen Fertigkeiten kommt es an, wenn man in China erfolgreich tätig sein will?

China ist ein anspruchsvoller und hart umkämpfter Markt. Versicherer müssen in der Lage sein, schnell und flexibel zu handeln. Vor diesem Hintergrund haben wir Peak Re so aufgestellt, dass wir agil und effektiv arbeiten. Als ein relativ junges Unternehmen, das unbelastet von sogenannten Legacy-Issue agieren kann, liegt unsere derzeitige Kostenquote bei lediglich 3,5 Prozent.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Februar-Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.

Rückversicherer · Peak Re · Franz Josef Hahn
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