In der großen gesundheitspolitischen Diskussionsrunde prallten beim 14. MCC-Kassengipfel in Berlin die Meinungen zwischen den im Bundestag vertretenden Parteien hart aufeinandert.
In der großen gesundheitspolitischen Diskussionsrunde prallten beim 14. MCC-Kassengipfel in Berlin die Meinungen zwischen den im Bundestag vertretenden Parteien hart aufeinandert.Quelle: ak
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Gesundheitspolitik im Kreuzfeuer

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Gesundheitssystem ist eine Dauerbaustelle, denn das medizinische Know how in Diagnostik und Behandlung verdoppelt sich alle zwei Jahre. Daraus resultiert ein beständiger Reformdruck der in den letzten Jahren durch die Digitalisierung weiter verschärft wurde. Welche Pläne zur Stabilisierung des Systems die Bundesregierung auf der Agenda hat, welche besonderen Herausforderungen auf die privaten wie auch auf die gesetzlichen Kassen zukommt und was die beteiligten PLayer davon halten wurde auf dem 14. MCC-Kassengipfel in Berlin klar.

Den Aufschlag machte Thomas Gebhart, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, der direkt aus dem Deutschen Bundestag herüberkam, wo tagesaktuell eine große gesundheitspolitische Debatte geführt wurde, um einen Einblick in die Agenda der Bundesregierung zu geben: Die Zahlen der über 80-jährigen Menschen in Deutschland wird in den nächsten 30 Jahren sehr stark zunehmen, so Gebhart in seinem Szenario. Was bedeutet dies also für die Pflege und die Krankenhäuser, so die Fragestellung der Bundesregierung? Mehr Menschen sollen sich in die Pflege engagieren und zwar aus dem In- wie Ausland. Dazu wurde erst jüngst der Pflegebeitrag erhöht. Auch beim Thema Digitalisierung sieht die Politik riesige Potenziale und Chancen, Stichwort elektronische Patientenakte. Bis 2012 will hier die Bundesregierung Fakten schaffen und den Versicherten ein solches Tool zur Verfügung stellen. Als weiteres Thema hat man im Bundesgesundheitsministerium das Terminservice und Versorgungsgesetz (TSVG) im Blick, dieses soll im März beschlossen und ab 1. Mai scharf gestellt werden. Welche weiteren Prioritäten die Koalition konkret verfolgt, führte Gebhart in seiner Keynote aus, hier im Video.

Mit dem Thema "Digitalisierung in der Medizin - Forschung und Versorgung verknüpfen für eine bessere medizinische Behandlung" befasst man sich derzeit intensiv im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Dessen Vertreter Thomas Rachel, Staatssekretär dort selbst, fasste in seiner Keynote die sehr ambitionierte Ziele der Bundesregierung zusammen: Die elektronische Patientenakte kommt als "Meilenstein" um als Mehrwert von Big Data endlich auch die Potenziale der Digitalisierung heben zu können. Vernetzung ist eine weitere der Aufgabenstellungen um "Dateninseln" zu verbinden. Mit 150 Mio. sollen dazu in der Medizin-Dateninitiative deutsche Universitätskliniken bis 2021 unterstützt werden. Dazu müssen, so Rachel, alle Beteiligten an einem Strang ziehen, schließlich ist nichts weniger notwendig als ein "Kulturwechsel".  

Die gesundheitspolitischer Erörterungen fanden ihren Abschluss in der großen Diskussionsrunde. Unter der Überschrift "Unter-Über-Fehlversorgung: Kein Ende in Sicht" debattierten Christine Aschenberg-Dugnus (MdB, FDP), Sabine Dittmar (MdB, SPD), Axel Gehrke (MdB, Alternative für Deutschland), Maria Klein-Schmeink (MdB, Bündnis90/Die Grünen), Alexander Krauß, (MdB, CDU) und Harald Weinberg (MdB, Die Linke). Moderiert wurde die Veranstaltung von Alexander Ehlers, examinierter Jurist und approbierter Mediziner in Personalunion. Hier die Statements: Teil eins und Teil zwei. Zuvor hatte Klaus-Dieter Dombke, Leiter Strategisches Leistungs- und Gesundheitsmanagement beim Axa Konzern, die aktuellen Herausforderungen für die Private Krankenversicherung skizziert. Was bedeutet es Gesundheitspartner des Kunden zu sein oder werden zu wollen? Welche Herausforderungen und Limitierungen ergeben sich aus der Regulatorik, der Technik, Digitalisierung und den Kundenbedürfnissen? Und was kann in Zukunft auf uns zukommen und was sind die nächsten Schritte aus Sicht einer PKV lautete dessen Fragenkomplex. Die Antworten hier im Video: Teil eins und Teil zwei.

Den Abschluss des Tages bildete die mit Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, Thomas Ballast, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse und Florian Reuther, Geschäftsführer Recht beim Verband der privaten Krankenversicherung e.V. Montgomery hatte zuvor in seinem Redebeitrag die Lage aus Sicht der niedergelassenen Ärzte beschrieben und auf Diskrepanzen zwischen der Realität und anstehenden Gesetzesvorgaben hinzuweisen. Titel seines Vortrages mit Blick auf das TSVG lautete "Viel Lärm um Nichts". "TSVG, Qualität und Telemedizin - steht das Fundament der zukünftigen Versorgung?" war das Motto dieser Expertenrunde. Die Antworten auf Fragen, speziell zum Thema elektronische Patientenakte, aus dem Forum hier im Video.

Die Frage des Tages stellte Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa): "Schaffen wir die Reform des Gesundheitssystems in Deutschland?", so ihre grundsätzliche Frage, denn bei einer europaweiten Untersuchung hat sich herausgestellt, dass hierzulande ein gigantischer Nachholbedarf für Strukturen und Rahmenbedingungen im Bereich Smart-Healthsystem besteht. Im Digital Health Index rangiert Deutschland auf dem vorletzten Platz 16 knapp vor Polen von 17 untersuchten Ländern. Es scheint also noch erheblich Luft nach oben zu bestehen, für mehr Effizienz und Digitalisierung im Segment der Gesundheitsökonomie. Deshalb forderte Fischer in ihrem Redebeitrag eine gemeinsame nationale eHealth-Strategie.

Kassengipfel 2019 · Gesundheitspolitik
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