Strahlende Sieger präsentieren ihre Trophäen beim Deutschen bAV-Preis der im festlichen Rahmen des KaDeWe in Berlin verliehen wurden.
Strahlende Sieger präsentieren ihre Trophäen beim Deutschen bAV-Preis der im festlichen Rahmen des KaDeWe in Berlin verliehen wurden.Quelle: Alexander Kaspar
Märkte & Vertrieb

Deutscher bAV-Preis verliehen: Neue Modelle rollen den Markt auf

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im Rahmen des MCC-Fachkongresses Zukunftsmarkt Altersvorsorge sind in Berlin die Deutschen bAV Preise verliehen worden. In der Kategorie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) errangen Brand Laborgeräte den dritten Platz, das Unternehmen Krauss Maffei GmbH landete auf dem zweiten Rang. Sieger wurde die Commerzbank Tochter ComTS. Bei den Großunternehmen holte das Luft- und Raumfahrtunternehmen Airbus Platz eins, gefolgt von Baxter und Siemens auf dem dritten Rang. Am zweiten Kongresstag standen konkrete Anwendungen innovativer bAV im Mittelpunkt der Präsentationen.

25 Prozent der Arbeitnehmer werden statistisch gesehen in ihrer Erwerbsbiographie ganz oder zeitweise erwerbsunfähig und 80 Prozent aller Haushalte haben keine Einkommenssicherung. Das sind die Eckpunkte einer Realität, die die Notwendigkeit einer betrieblichen Altersvorsorge unterstreichen. Dabei sind bereits knapp 600 Mrd. Euro Deckungsmittel in der bAV konzentriert. Diese teilen sich wie folgt auf: 297 Mrd. Euro an Direktzusagen, 160 Mrd. Euro von den Pensionskassen, 63 Mrd. Euro aus Direktversicherungen, 37 Mrd. Euro aus den Unterstützungskassen und schließlich 35 Mrd. Euro steuern Pensionsfonds bei. Diese Zahlen sind beeindruckend, doch es besteht noch deutlich Luft nach oben. Gleichzeitig sieht sich das Thema ganz aktuell in den Medien heftiger Kritik ausgesetzt, dabei besteht in der Breite nicht nur erheblicher Informations-, sondern auch ganz konkrteter Handlungsbedarf, wie Michael Karst, Director, Leiter Legal, Tax, Accounting bei Willis Towers Watson im Interview mit VWheuteTV ausführt.

Z.B. die Firma Airbus, die Direktzusagen favorisiert, um unabhängig und flexibel agieren zu können. Nach rund einjähriger Vorbereitungszeit konnte am 13. Dezember 2018 die Unterschrift des mächtigen Konzernbetriebsrates gewonnen werden und bereits nach vier Wochen eine Beteiligungsquote von rund 40 Prozent erreicht werden. Heute sind von 40.000 Mitarbeitern 20.000 in das neue System integriert. Und weil es so erfolgreich ist und dabei das Unternehmen innovative Wege eingeschlagen hat, gab es von der Jury den diesjährigen bAV-Preis für Großunternehmen, den "Oskar" der Versicherungswirtschaft sozusagen. Wie das Modell genau funktioniert erklärt Marcus Wilhelm, Leiter Corporate Pensions bei der AirbusGroup/Airbus Pension Trust, hier im Video.

Neue Wege in der bAV hat Anfang letzten Jahres auch ein Konsortium aus Zurich und Talanx mit dem Sozialpartnermodell "Die Deutsche Betriebsrente" auf den Markt gebracht. Verantwortlich auf Seiten von Talanx ist Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender von HDI Pensionsmanagement und im Vorstand der HDI Lebensversicherung AG für bAV verantwortlich. Mehr Rente für Deutschland! lautet dessen Motto und erreichen wollen von Löbbecke und sein Team das über eine kapitalmarktorientierte, tarifliche bAV in Form des Sozialpartnermodells. Mit intelligenten Sicherungsmechanismen, auch in der Ansparphase, lassen sich Zielrenten stabilisieren, ist man bei HDI und Zurich sicher, ausserdem benötigen kollektive Altersvorsorge keine Garantien. Wie das neue Modell konkret ausgestaltet ist und wie die Resonanz auf dem Markt war erläutert von Löbbecke im exklusiven Interview mit VWheuteTV:

Besser Kommunikation, mehr Rechtssicherheit, gleichberechtiget Durchführungswege, De-Komplexierung, so lauten die Wünsche der betroffenen Uternehmen für eine Verbreiterung der bAV. Welche Wünsche die beteiligten Verbände an die Bundesregierung für die laufende Legislaturperiode zur Verbesserung der Altersvorsorge haben, formulierten im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf dem MCC-Kongress Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim BDA, Annelie Buntenbach vom Bundesvorstand des DGB, Peter Schwark vom GDV, Gundula Roßbach, Präsidentin Deutsche Rentenversicherung Bund, und Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten e.V. hier in ihren Videostatements.

Unterdessen hat sich das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo konkret mit den Plänen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zur Einführung einer Grundrente befasst (VWheute berichtete) und festgestellt, dass Heils Ansatz die selbstgesteckte Ziele der Politik verfehlt. „Bei den wirklich Bedürftigen liegt die aufgewertete Rente weiterhin unter dem Niveau der Grundsicherung im Alter“, sagen die Forscher Joachim Ragnitz und Marcel Thum vom ifo Dresden. „Die Berechnungen zeigen vielmehr, dass die wesentlichen Zuwächse bei der Rente für bedürftige Altersrentner aus dem Freibetrag resultieren.

 

Der erfordert aber weiterhin einen Antrag auf Grundsicherung im Alter.“ Darüber hinaus führe der geplante Freibetrag im Zusammenspiel mit der Grundrente in bestimmten Fällen zu Transfer-Entzugsraten von über 100 Prozent: "Wer bei 35 Beitragsjahren durch eigene Renten-Anwartschaften gerade die Grundsicherung im Alter verlässt, stellt sich schlechter als diejenigen, die in der Grundsicherung bleiben", so die Ökonomen. Ein Arbeitnehmer, der nach 40 Beitragsjahren 15,2 Entgeltpunkte in der Rentenversicherung gesammelt habe, bekomme 106 Euro und damit über zehn Prozent  weniger als ein Arbeitnehmer, der etwas weniger eingezahlt hat und nur auf 15,1 Entgeltpunkte kommt.

 

"Aus individueller Sicht kann es sich damit lohnen, zusätzliche Entgeltpunkte zu vermeiden, zum Beispiel durch Schwarzarbeit. Dies steht dem Ziel entgegen, sozialversicherungspflichtige Arbeit am unteren Ende der Einkommensskala attraktiver zu machen", sagen Ragnitz und Thum. "Die am stärksten von Altersarmut betroffenen Personen dürften jene mit weniger als 35 Beitragsjahren sein; diese haben jedoch von Heils Vorschlag überhaupt keinen Vorteil. Zudem begünstigt der Verzicht auf eine Bedürftigkeitsprüfung auch solche Personen, die bereits anderweitig gut abgesichert sind.“ Eine bedarfsunabhängige Grundrente dürfte zu einer hohen Zahl von Berechtigten und deswegen zu hohen, im Zweifel sogar steigenden Ausgaben führen.


"Daher sollten Rentenansprüche bei bereits anderweitig abgesicherten Rentenbeziehern nicht hochgewertet werden", sagen Ragnitz und Thum. "Will man  Bürgern den Weg zum Sozialamt ersparen, ließe sich die Bedürftigkeitsprüfung auch über die Rentenkassen abwickeln. Besser wäre es, einen prozentualen Anteil der eigenen Rentenansprüche von der Anrechnung des Anspruchs auf Grundsicherung auszunehmen. Damit bestünde ein Anreiz, durch eigene Leistung während der Erwerbs- und Beitragsphase zusätzliche Rentenansprüche zu erwerben, ohne damit in gleicher Höhe den Anspruch auf Grundsicherung zu verwirken."

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